Agrarplan Nordhessen bei Ortslandwirten vorgestellt

Landwirtschaftlichen Flächen muss mehr Schutz zukommen

Trotz großer Anstrengungen in den letzten Jahren, den Verbrauch von Agrarflächen zu begrenzen, werden in Hessen täglich rund sechs Hektar landwirtschaftlich genutztes Acker- und Grünland anderen Nutzungen wie Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie Kompensationsmaßnahmen zugeführt. Über diese Problematik und über den neuen landwirtschaftlichen Fachplan Nordhessen, als ein Mittel zur Wahrung der landwirtschaftlichen Interessen, sprach Dr. Hans Hermann Harpain kürzlich vor Fuldaer Ortslandwirten.

Hessenweit waren das im Mittel der letzten Jahre 2 190 ha pro Jahr, die einem Vermögensverlust von jeweils 31 Mio. Euro entsprechen. Somit ging der Landwirtschaft jährlich 1,2 Mio. Euro an Einkommen verloren. Auch in der Region Fulda stellen die nicht vermehrbaren Agrarflächen nach wie vor die Grundlage beim landwirtschaftlichen Einkommen, in der regionalen Nahrungsmittelversorgung sowie als Erholungs-, Schutz- und Ar­beits­platzfunktion dar, erklärte der Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft beim Landkreis, Martin Sudbrock, vor den Ortslandwirten in Margretenhaun.

Aus diesem Grund hatte der Hessische Bauernverband unter Beteiligung des Landes Hessen den „Agrarplan Nordhessen“ angestoßen“, der die landwirtschaftliche Bedeutung der jeweiligen Regionen beziehungsweise Landkreise darzustellen zum Ziel hat. In Planungsverfahren von Baugebieten oder dem Straßenbau etwa sollen sie zur Wahrung landwirtschaftlicher Belange dienen.

Dadurch soll landwirtschaftlichen Flächen als Produktionsgrundlage ein stärkeres Gewicht zukommen, sagte Dr. Hans Hermann Harpain, stellvertretender Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes. Unter dessen Trägerschaft und unter Beteiligung der Agrarverwaltung wurde bereits für den Regierungsbezirk Darmstadt der Landwirtschaftliche Fachplan Südhessen (LFS) erstellt. Nunmehr ist er auch für den Regierungsbezirk Kassel erarbeitet und in dieser Versammlung speziell den Landkreis Fulda betreffend vorgestellt worden. Fragen an die Landwirte der Region, wie sie die künftigen Entwick­lungsperspektiven, die Einkom­mens­situation ihrer Betriebe, die Hofnachfolge und weitere einschätzen, seien unter anderem da­rin eingeflossen, so Harpain. Ferner gehe es um die Erfassung der Feldflurfunktionen, wobei die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen ebenso wie „gliedernde Elemente“ (Hecken, Baumreihen, Wege sowie Reit- Rad- und Fußwege, Oberflächengewässer und andere) ferner „eingestreute ande­re Bereiche“ (Feld­gehölzgruppen, Brachflächen, Gehöfte) einbezogen sind.

Nachfrage nach Grünland

Laut Tobias Weiß-Bollin von der federführenden GfK Planungs- und Ingenieurgesellschaft Koblenz hatte man 2 755 Betriebsleiter mit rund 100 000 ha Fläche befragt. Man geht davon aus, dass im Landkreis Fulda in den nächsten fünf Jahren 59 Prozent der bewirtschafteten Flächen gepachtet sind. Der Schwerpunkt fällt dabei auf den westlichen Kreisteil und die Rhön mit 60 bis 70 Prozent Pachtfläche, wobei diese bei Ackerland etwas geringer sein wird. Gegenüber anderen Landkreisen beläuft sich die Nach­frage nach Grünland in Fulda am höchsten. Die Schlaggrößen der hier bewirtschafteten Flächen liegen durchschnittlich bei 1,30 ha (im Regierungspräsidium Kassel bei 1,33 ha), außer in Tann und Bad Salzschlirf, wo die Größen unter einem Hektar liegen. Vom Durchschnitt des nordhessischen Großviehbestandes (GV) mit 0,7 GV je ha landwirtschaftliche Nutzfläche hebt sich der Landkreis Fulda mit 0,9 GV ab. Besonders die Rhön und der Raum Neuhof treten dabei als besonders viehstark hervor.

Hofnachfolge geregelt

Um zwei Prozent bis 2015, so rechnet man, wird in Fulda der Haupterwerbsanteil auf 30 Prozent zurückgehen. Dann macht die Nebenerwerbslandwirtschaft, an der viele festhalten möchten, 70 Prozent aus. Ein Drittel der derzeitigen über 50-jährigen Hofbesitzer haben bereits einen Betriebsnachfolger. Über 300 000 Flächendaten sind in die Erarbeitung der Agrarplanung Nordhessen eingeflossen, so Planer Harald Wedel von der GfL Koblenz. Insgesamt ließen sich nun Informationen über jede einzelne Fläche abrufen, was schließlich für eine Bewertung solcher wichtig sei.

Welche Bedeutung haben Acker- und Grünland für das Klima, was entspricht ihrer Nutzungs­eignung, ihrer Ernährungs- und Versorgungsfunktion, wie hoch ist der Flüssigmistanfall im Umkreis eines Betriebes und wie lässt er sich als landwirtschaftli­ches Biomassepotenzial einsetzen, was ist mit der Erholungsfunk­tion und dem Landschaftsschutz – alles Fragen, die behandelt worden seien und in einer Lenkungsgruppe intensiv abgestimmt und in den Agrarplan Nordhessen eingeflossen seien, erläuterte Harpain. Mit diesem Ergebnis trete die Landwirtschaft an, ihren Flächen im Regionalplan einen Vorrang einzuräumen und die Argumentation für deren Erhalt zu verbessern. Naturschutz und Forstbehörden verfügen bereits über eigene Pläne.

Dr. Hubert Beier, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, erläuterte Einsatzmöglichkeiten des Fachplans für die Region und verwies unter anderem auf eine im Zuge einer Baumaßnahme in Fulda zuvor erstellte Landwirtschaftsverträglichkeitsprüfung. Burkhardt