Bundesrekordkuh aus der Pfalz

Dauerleistungskuh der Rotbunten ist in Betrieb in Winnweiler

Im Donnersbergkreis, im Süden von Rheinland-Pfalz, zirka 20 km nördlich von Kaiserslautern, liegt Winnweiler. Und hier auf der Kahlheckerhöhe (300 m) bewirtschaften Anne und Lothar Angne den Kahlheckerhof. Ein Familienbetrieb mit rund 150 ha bewirtschafteter Fläche, davon 90 ha Ackerland und 60 ha absolutem Grünland. Maisanbau ist nicht möglich. Herzstück der Familie Angne ist die 42-köpfige Kuhherde mit einer Durchschnittsleistung von 9 995 kg Milch mit 4,01 Prozent Fett und 3,47 Prozent Eiweiß. Und hier produziert sie: die aktuell höchste lebende Dauerleistungskuh der Rotbunten in Deutschland, Roxi. Ihre aktuelle Lebensleistung beträgt 167 000 kg Milch.

Die Ausnahmekuh

Für Rotbunte ist diese Leistung wahrscheinlich auch Europarekord und wenn Roxi so weiter produziert (sie erfreut sich bester Gesundheit), könnte auch noch ein Weltrekord drin sein. Doch nun zu Roxys Geschichte. Geboren wurde die Creation-Tochter am 01. Oktober 1990, d.h. Roxi ist im 19. Lebensjahr! Einmal mehr bestätigt diese Kuh, dass ein junges Erstkalbealter ältere Kühe ergibt: Roxy kalbte zum 1. Mal am 28. November 1992, also mit 25 Monaten. Ihre 15. Kalbung war am 03. Juli 2008. Aktuell ist sie wieder tragend aus der Besamung vom November 2008 mit dem RUW-Spitzenvererber Malvoy. Von den 15 geborenen Kälbern waren sechs weibliche, die sich ebenfalls durch hohe Lebensleistungen bewähren. Dass unsere Milchkühe ihren Leistungszenit erst ab der fünften Kalbung erreichen, ist bekannt. Roxi startete in der ersten Laktation mit 7 758 kg Milch und produzierte ihre Höchstleistung nach Milch in der neunten Laktation mit 13 111 kg. Im Ergebnis heißt das: Durchschnitt von 14 abgeschlossenen Laktationen 10 537 kg Milch mit 3,37 Prozent Fett und 3,15 Prozent Eiweiß.

Alles im Anbindestall

Augenblicklich wird eine zum Teil emotionale Diskussion zur Anbindehaltung geführt. Selbstverständlich gibt es modernere Haltungsformen, die dem Kuhverhalten mehr entgegenkommen als der klassische Anbindestall. Entscheidend ist jedoch der Steuermann! Und es wäre falsch, diese Stallform automatisch in Abrede zu stellen. Beispiele in positiver wie in negativer Weise gibt es in allen Bereichen.

Dies ist die klare Ansage von Anne Angne, die mit ihrem Mann die Kühe intensiv betreut. Kuhkomfort wird nicht einfach so dahin gesagt, sondern umgesetzt: Die Kühe haben sehr viel Platz und werden optimal versorgt. Das sieht man der ruhigen, ausgeglichenen Herde rotbunter Holsteins, zu der sich auch noch einige Rotviehkühe gesellen, buchstäblich an. Gefüttert wird eine Ration aus Grassilage, wobei die Grassilage ausschließlich in Rundballen verpackt ist und einen Anteil von zirka 50 Prozent Luzerne enthält. Hinzu kommt hofeigenes Quetschgetreide, Rapsschrot, Trockenschnitzel und Biertreber. Kraftfutter wird auf vier Gaben verteilt über den Tag gefüttert. Während der Laktation sind die Kühe ausschließlich im Anbindestall. Während der Erholungszeit in der Trockenstehphase sind die Kühe in einem großzügigen Tiefstrohstall in den Wintermonaten und im Sommer haben sie Weidegang.

Über 50 Jahre keine Tiere zugekauft

Hierauf ist Lothar Angne besonders stolz. Und dies zurecht! Er ist der Chefgenetiker der Herde und war nie ein Freund von ausgesprochen scharfen und edlen Tieren, sondern seine Zuchtphilosophie ist die starke mittelgroße rotbunte Kuh mit allerbesten Beinen und sehr guten Eutern. Daher setzt er auch nicht auf Bullen mit über 2 000 kg Milchzuchtwert, sondern achtet gezielt auf Exterieur. Seine Philosophie gibt ihm Recht. Das Durchschnittsalter der Herde liegt bei fast sechs Jahren und die Remontierungsrate weit unter 20 Prozent. Dies ermöglichte der Familie Angne seit vielen Jahren einen hohen Anteil der Nachzucht als abgekalbte und tragende Rinder zu verkaufen und hierdurch eine sichere Zusatzeinnahme für das Betriebseinkommen zu ermöglichen. Es ist schon eine bundesweit herausragende Leistung, die Familie Angne vorweisen kann: Insgesamt neun Kühe haben bereits die 100 000 kg-Marke überschritten, wovon noch sieben lebende Kühe im Bestand stehen.

Alle Familienmitglieder haben Freude bei der Arbeit mit ihren Kühen, aber ob in zehn Jahren auf dem Kahlheckerhof noch gemolken wird, kann heute nicht gesagt werden. Sohn Felix (23 Jahre) studiert Lehramt und Tochter Katharina (24 Jahre) hat studiert und arbeitet augenblicklich an ihrer Promotion. Gerd Grebener