„2008 war ein Erfolgsjahr“

Dünger- und Pflanzenschutzindustrie zog Bilanz

„Außergewöhnliche Wachstumsraten“ bescherte das Jahr 2008 der Pflanzenschutz- und Düngemittel-Industrie, berichtete vergangene Woche der Industrieverband Agrar (IVA) in Frankfurt.

Der weltweite Absatz für Pflanzenschutzmittel stieg auf fast 42 Mrd. Dollar (nach aktuellem Umrechnungskurs: 31 Mrd. Euro), das war ein Plus von über 25 Prozent.

Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln um 12 Prozent gestiegen

Auf 1,4 Mrd. Euro ist der Pflanzenschutzmittelumsatz 2008 in Deutschland gestiegen erläuterte der Präsident des Industrieverbandes Agrar (IVA), Theo Jachmann (links), im Rahmen der Jahrespresse-konferenz in Frankfurt. Rechts ist der IVA-Vorsitzende des Fachbereichs Pflanzenernährung, Hermann Kuhlmann, zu sehen.
Foto: Schlag

Insbesondere in Osteuropa, Südamerika und Asien habe die Preisentwicklung für Agrarprodukte einen starken Intensitätsschub in der Landwirtschaft ausgelöst, so IVA-Präsident Hans Theo Jachmann (Syngenta Agro): „Es lohnte sich für die Bauern, auf hohe Erträge zu setzen“. Auch in Deutschland: Hier stieg der Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln auf 1,4 Mrd. Euro, das waren fast 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Ausgelöst durch Knappheiten sei die Landwirtschaft „wieder zu Ehren gekommen“, gefolgt von einem Boom in den Betriebsmittelsparten, den Jachmann „wirklich fantastisch“ nannte. Dabei ging die Menge verkaufter Pflanzenschutzmittel in Deutschland vergangenes Jahr um zwei Prozent zurück, für Jachmann Ausdruck einer Verschiebung der Nachfrage hin zu innovativen Pflanzenschutzmitteln, die mit geringerer Wirkstoffmenge pro Hektar auskommen: „Die Landwirtschaft hat gezielter und besser in den Ackerbau investiert“. Bei den Preisen für Pflanzenschutzmittel habe es dagegen nur „leichte Erhöhungen im einstelligen Bereich“ gegeben. Für das laufende Jahr 2009 erwartet der IVA-Präsident, die Preiskurve bei Pflanzenschutzmitteln werde „flach bis leicht rückläufig“ verlaufen.

Überaus positiv beurteilt Jachmann die Stabilität der Branche. Die Landwirtschaft und das mit ihr verbundene Umfeld bestehe die aktuelle Wirtschaftskrise „eindeutig besser als andere Bereiche“. Anders als etwa die Autoindustrie hätten die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln keinen Absatzeinbruch erfahren, ihre Arbeitsplätze erwiesen sich als sicher: „Ich habe immer noch offene Stellen und niemand wird entlassen“. Auch die langfristige Prognose für die Agrarchemie fällt aus Sicht des IVA-Präsidenten positiv aus, dazu reicht allein der Blick auf den wachsenden Nahrungsmittelbedarf der Welt bei gleichzeitig kaum vermehrbaren Produktionsflächen. 1,5 Mrd. Hektar Ackerfläche stehen weltweit zur Lebensmittelproduktion zur Verfügung, ohne Dünge- und Pflanzenschutzmittel müssten es, um die gleiche Produktion zu erzielen, heute schon vier Milliarden Hektar sein. Angesichts des Bevölkerungswachstums würden – ohne Agrarchemie – bis zum Jahr 2050 sogar über sieben Mrd. Hektar benötigt. „Diese Fläche haben wir nicht“, sagte Jachmann, an höheren Flächenerträgen führe deshalb kein Weg vorbei.

Jachmann kritisierte indes „Innovationsblockaden“ auf dem Weg dahin: „Wenn die Politik Innovationen will, muss sie für einen reibungslosen Ablauf der behördlichen Zulassungsverfahren sorgen“. Die Behörden seien aber nicht ausreichend ausgestattet, um die Regulierung richtig und schnell zu bearbeiten. Außerdem fordert Jachmann die „Entideologisierung von Entscheidungen“, die Urteile von wissenschaftlichen Behörden müssten von der Politik auch ernst genommen werden. Das Fazit des IVA-Präsidenten: „Um den Fortschritt in der Landwirtschaft möglich zu machen, brauchen wir eine Stärkung der Behörden und die Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen“.

Dünger im Wert von 1,6 Mrd. Euro abgesetzt

Auch für den Vorsitzenden des Fachbereichs Pflanzenernährung im IVA, Hermann Kuhlmann (Yara), war das Düngerjahr 2007/08 „ein Erfolgsjahr“. Die Düngemittel-Industrie setzte in Deutschland Dünger im Wert von 1,6 Mrd. Euro ab, das war eine Zunahme um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Stickstoffabsatz ging um 13 Prozent in die Höhe, der Absatz von Phosphatdüngern stieg um 20, die Kali-Verkäufe um 15 Prozent. Damit kehrte der Düngerverbrauch in Deutschland aber nur zurück auf das Durchschnittsniveau, nachdem er im Trockenjahr 2007 drastisch gefallen war. Wesentlich für die enorme Umsatzsteigerung war nicht die Menge, sondern der gestiegene Preis für Dünger. „Im Juni hatte keiner geglaubt, dass die Preise nicht in den Himmel wachsen“, so Kuhlmann, und „alle Werke wurden auf Hochtouren gefahren“.

Düngemittelproduktion im Herbst zurückgefahren

Als im Herbst die Düngerblase als Folge von Finanzkrise und fallenden Agrarpreisen platzte, fuhr die Düngemittelindustrie europaweit die Produktion zurück. Seit sechs Wochen, so Kuhlmann, liefen die N-Werke von Yara wieder mit voller Auslastung, einzige Ausnahme seien die Anlagen für NPK-Dünger, wegen der immer noch hohen Zukaufspreise für Phosphat und Kali, sie würden voraussichtlich erst im Herbst auf die volle Kapazität hochgefahren.

Im laufenden Düngerjahr 2008/09 rechnet Kuhlmann mit einem „Absatzrückgang bei allen Nährstoffen“. Bei Stickstoff erwartet er ein Minus von 10 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2008, deutlicher werde der Verbrauch von P und K zurückgehen, wie schon an der Bilanz der ersten Hälfte des Düngerjahres (Juli bis Dezember 2008) abzu­lesen ist: Hier sank der Absatz an Stickstoffdüngern im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent, der Phosphatabsatz um 57, der Kaliabsatz um 40 Prozent. Kuhlmann macht neben der Wirtschaftskrise „eine abwartende Haltung der Landwirte vor dem Hintergrund der fallenden Preise für Düngemittel und Agrarprodukte“ dafür verantwortlich. Beim Stickstoff allerdings dürfte ein großer Teil des Absatzrückstands bis zum Saisonende wieder aufgeholt sein, da Stickstoff nur begrenzt zurückgefahren werden kann, wenn ausreichende Erträge und Produktqualitäten gesichert werden sollen. Das erste Quartal 2009 jedenfalls „war nicht schlecht“, so Kuhlmann. Preisprognosen mochte der Vorsitzende des IVA-Fachbereichs Pflanzenernährung indes nicht abgeben, vor allem die Stickstoffpreise hängen an den Energiepreisen und „wir wissen nicht, wohin der Öl- und Gaspreis geht.“ Michael Schlag