Erfolgreicher Bienenmarkt

Königinnenversteigerung als Schlussakkord des Festes

In Michelstadt im Odenwald wird traditionsgemäß zu dem den Bienenmarkt abschließenden Sonntag die Erwin-Hasenzahl-Halle zum Treffpunkt des Tieres, dem die Einheimischen ihren Spitznamen „die Bie“ verdanken. Jahrhunderte lang brachte man die Bezeichnung mit dem Fleiß oder gar der Stechlust der Bürger in Verbindung, doch seit der Einführung der Bienenköniginnenversteigerung ist zusätzlich eine direkte Verbindung zu dem Insekt und der Imkerei hergestellt.

Landesvorsitzender Walter Leukel freute sich über den Besuch von Hessens Honigkönigin Anke Reinstätt, die Züchtern, Bie­tern und Gästen ein herzliches Willkom­men entbot.
Foto: Ernst Schmerker

Zu der 35. vom Landesverband Hessischer Imker ausgerichteten Veranstaltung waren auch diesmal nicht nur wieder Bieter aus den waldreichen Regionen Deutschlands sogar mit dem Bus in den Odenwald gekommen, auch viele Neugierige informierten sich über die schöne und nützliche Feierabendbeschäftigung.

Wirtschaftlichkeit und Ertrag

Manch ein Interes­sent mag hierbei Umwelt­bewusstsein oder auch wirtschaftliche Überlegungen im Auge gehabt haben. Zumal bei einem friedli­chen und respektvollen Um­gang der Stachel des Honigsammlers keineswegs mehr zu fürchten ist. Für die Züchter von Bedeutung waren wiederum Wirtschaftlichkeit und Ertrag, abhän­gig von der Leis­tungs­fähigkeit eines Volkes. Mit dem Erwerb einer „Michelstadt-Königin“ er­hoff­ten sie sich Sanftmut, Wa­ben­­­sitz, Schwarmneigung, Früh­jahrs­entwicklung und Ge­sundheit. Obwohl der Winter lang und kalt war, durfte die Qualität der diesmal angebotenen leistungsgeprüften Zuchtlinien sowohl bei den Landbelegstellenköniginnen als auch bei den besamten Königinnen als hoch bezeich­net werden. Denn nach einem guten Start und einem wegen der gleichzeitigen Blüte etwas stressigen Frühjahr kann schon jetzt die erste Honigernte einge­fahren werden. Grund also für die Bieter, die Signalscheiben schnell zu heben, um beim Ham­merschlag des wortgewaltigen und gewieften Auktionators Gerhard Pleik aus Alsbach-Hähn­lein ein Schnäppchen zu machen.

Ansatzpreise 30 bis 150 Euro

Die Ansatzpreise lagen zwischen 30 Euro und 150 Euro, je nachdem es sich um einen künst­lich-besamten oder belegstellen-begatteten, leistungsgeprüften und gekörten Zuchtanleger handelte. Anbieter waren wie in den Vorjahren Hans Guthier aus Heppenheim, Werner Raich aus Darmstadt, Wolfgang Schäfer aus Fischbachtal-Steinau, die Züchtergemeinschaft Starkenburg (Hans und Wilfried Guthier, Heppenheim) sowie die Züchtergemeinschaft Weiterstadt mit Heinz Geißler und Heinz Schwinn. Sie alle durften für ihr mit Merkmalsuntersuchungsdaten belegtes Zuchtmaterial durchaus respektable Erlöse mit nach Hause nehmen. In der Tat, den erzielten Betrag war sie allemal wert, die mit einem weißen Punkt gezeichnete Königin, jeweils die Schönste im Staate. Sie ist größer als ih­re Artgenossen, hat einen schlan­ken, verführerischen Hinterleib. Befruchtet wird sie gleich von mehreren Drohnen, deren Samen sie in einer Blase sammelt. Und wenn es warm wird im Wonnemonat Mai, dann legt sie mehr als 2 000 Eier an einem Tag. Wird das Ei mit einem Samen befruchtet, entsteht eine Arbeiterin, bleibt es unbefruchtet, wachsen Drohnen. Drei bis vier Jahre alt werden die Königinnen, die Arbeits­bienen hingegen nur vier bis sechs Wochen.

Honigkönigin in Michelstadt

Über alles „rund um die Inkerei“ konnten sich Züchter und Schauensleute im Rahmen von Ausstellung und Verkauf auf vielfältige Weise informieren. Angeboten und vorgeführt wurden Honigschleudern, Entdeckelungsmaschinen, Rühr- und Mischgeräte, doch auch ganze Hubwagen mit Gabeln. Landesverbandsvorsitzender Walter Leu­kel und Bürgermeister Reinhold Ruhr hatten es zu Beginn der Versteigerung verstanden, Bieter und Schauleute auf die Bienenauktion einzustimmen. Dem Publikum ihre Reverenz erwies als Honigkönigin auch die 27-jährige Studentin Anke Reinstätt aus Gelnhausen, selbst Besitzerin von drei Bienenvölkern. Schmerker