Grünes Licht für Vertriebskontor von Nordmilch und Humana

Beide Molkereien verarbeiten rund ein Viertel des Milchaufkommens

Humana und Nordmilch dürfen den Verkauf ihrer Molkereiprodukte zusammenlegen. Das Bundeskartellamt genehmigte vergangene Woche die Schaffung von Nord-Contor als Gemeinschaftsunternehmen zur Bündelung der Vertriebsaktivitäten der beiden größten genossenschaftlichen Milchverarbeiter in Deutschland. Die Wettbewerbshüter entschieden, die Entstehung einer marktbeherrschenden Stellung sei nicht zu erwarten.

Die relevanten Produkte der Beteiligten seien sogenannte Milchbasisprodukte, die von einer Vielzahl von Molkereien hergestellt beziehungsweise vertrieben würden. Zudem stehe Humana und Nordmilch mit den Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels eine hoch konzentrierte und finanzkräftige Marktgegenseite gegenüber. Auch auf den Erfassungsmärkten für Roh­milch wird der Zusammenschluss nach Auffassung des Bundeskartellamtes nicht zur Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung führen. Mit einer Anlieferungsmenge von rund 7 Mio. t stellen Humana und Nordmilch immerhin rund ein Viertel des deutschen Milchaufkommens. Die Entscheidung der Wettbewerbshüter war wegen dieser Marktposition und aufgrund einer restriktiven Spruchpraxis der Bonner Behörde mit Spannung erwartet worden.

Alternativen fürErzeuger vorhanden

Nach Überzeugung des Bundeskartellamtes werden den Milchlieferanten auch nach dem Zusammenschluss eine Reihe weiterer Molkereien zur Verfügung stehen, an die sie ihre Rohmilch verkaufen können. „Auch wenn angesichts der gegenwärtigen Marktverhältnisse – Sättigung der Milchnachfrage - ein Wechsel der Molkerei nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist, kann dies nicht zu einer Untersagung führen, da der Zusammenschluss für die gegenwärtige Marktsituation nicht ursächlich ist und sich diese Situation auch nicht durch den Zusammenschluss weiter verschlechtern wird“. Bei Humana und Nordmilch hatten Veränderungen der Genossenschaftsstruktur die Vertriebsfusion ermöglicht. Bei der Nordmilch war die Schaffung einer entsprechenden Aktiengesellschaft noch unter dem ehemaligen Vorstandschef Stephan Tomat über die Bühne gegangen, der mittlerweile durch den Österreicher Dr. Josef Schwaiger ersetzt wurde. Die beabsichtigte Schaffung von Nord-Contor hatten Nordmilch und Humana Anfang dieses Jahres bekanntgegeben. Der Präsident des Bundeskartellamtes, Dr. Bernhard Heitzer, erklärte zur Nord-Contor-Genehmigung, auch dieser Fall zeige, dass das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen für die Fusionskontrolle im Milchsektor die sachgerechten Instrumentarien bereithalte. Letztlich sei es Sache der Branche, eine weitere Konsolidierung in der Molkereiwirtschaft anzustoßen. Hierzu bedürfe es nicht einer sektorspezifischen Änderung des Wettbewerbsrechts. Der Nordmilch-Vorstandschef Schwaiger zeigte sich erfreut über die Zustimmung des Kartellamtes. „Wichtige operative Themen können ab jetzt im direkten Kontakt besprochen werden. Diese Vorbereitungen werden einige Wochen in Anspruch nehmen, so dass mit der Aufnahme der Geschäftstätigkeit nicht vor Anfang Juli zu rechnen ist“, kündigte der Österreicher zum Nord-Contor-Start an. Die Geschäftsführung von Nord-Contor sollen Schwaiger und der Geschäftsführende Vorstand der Humana Milchunion, Rolf Janshen, übernehmen.

DBV: Zusammenschlüsse können Marktmacht des LEH brechen

Nach Einschätzung des Deutsche Bauernverbandes (DBV) wird durch die Bündelung der Vertriebsaktivitäten von Humana Milchindustrie GmbH und Nordmilch AG eine effizientere Gestaltung der Vermarktungsaktivitäten ermöglicht. Es ergäben sich neue Chancen zur Kostenoptimierung. Die Nutzung von gemeinsamen Ressourcen und Know-how im Vertrieb werde eine deutlich höhere Effizienz in der Marktbearbeitung ergeben. Hiervon würden direkt die Milchlieferanten der beiden Unternehmen profitieren, betonte der DBV. Nach seiner Auffassung werden Zusammenschlüsse unmittelbar die Marktposition der Molkereien in Deutschland stärken. So könne auch die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels gebrochen werden. Der DBV forderte die Verantwortlichen der genossenschaftlichen Molkereien auf, für ihr eigenes Unternehmen zu überprüfen, ob eine Teilnahme an dieser oder einer anderen Vertriebskooperation Chancen für die Zukunft biete. age