Da ist was in der Luft!

Fliegen zur Krankheitsvorbeugung intensiv bekämpfen

Stallfliegen – es ist jedes Jahr der gleiche Kampf gegen sie. Und er endet stets mit dem gleichen Ergebnis: Er geht verloren. Spätestens im folgenden Jahr sind die ungebetenen Gäste wieder da. Geht man aber nicht gegen sie vor, hat dies Folgen: Die Fliegenpopulation sorgt nicht nur für Unruhe bei den Nutztieren, sie bringt gesundheitliche Gefahren in den Bestand.

Pyrethrumprodukte werden mit Hilfe eines Kompressors im Stall vernebelt. Die Prozedur dauert wenige Minuten, und die Lüftung muss dabei ausgeschaltet sein.
Foto: Bauer

Der Schweinehalter ist „Lebensmittelproduzent“. Er hat die Voraussetzungen zu schaffen, dass ausnahmslos hygienisch und gesundheitlich einwandfreie Nahrungsmittel zum Konsumenten gelangen. Diese Forderung verpflichtet ihn, Nahrungsschädlinge regelmäßig zu bekämpfen. Wenn das, wie im Falle der Stall- oder Stubenfliege (musca domes­tica) immer nur zu Teilerfolgen ausreicht, so entbindet das den Tierhalter nicht, alles zu tun, um diese Gefahrenquelle so weit wie möglich zuzudrehen.

Strategie gegen Fliegen

Stallfliegen sind Gefahrenquellen. Nicht nur die Hygiene am Lebensmittel direkt wird beeinträchtigt. Sie sind auch Überträger von Krankheiten wie Rotlauf, Laptospirose, Pasteurellen, Maul- und Klauenseuche und vielem mehr (auch Zoonosen gehören dazu), die die Gesundheit der Schweine beeinträchtigen. Weiterhin hebt die Fliegenbekämpfung das Wohlbefinden von Tier und Mensch im Stall. Die dauernde Belästigung durch diese nervenden Insekten mindert die Leistung.

Der Fliegenklatscher reicht allerdings nicht aus, um die Population im Stall auf einen tolerierbaren Umfang zu drücken. Rund 800 bis 1000 Eier legt eine weibliche Fliege in ihrem Leben. Schätzungsweise aus der Hälfte davon werden wiederum weibliche Stallfliegen hervorgehen. Bei einer Lebensdauer von rund drei Wochen lässt sich hochrechnen, wie viele Nachkommen eine Fliege im Stall bekäme, ließe man sie ungestört gewähren. Man kommt in die Billionen. Die Wände wären schwarz, und auf den Tieren würde es wimmeln.

Es hat schon Sinn, wenn die Schweinehalter zur regelmäßigen Fliegenbekämpfung schreiten. Diese Maßnahme ist deshalb auch in Qualitätssicherungssystemen wie QS zwingend vorgeschrieben. Es ist darüber Buch zu führen (Dokumentation). Auch sei auf die festgelegten Intervalle hingewiesen, in denen die Anwendung entsprechender Mittel wiederholt werden muss. Daraus lässt sich eine notwendige Strategie entwickeln, die bestandsspezifisch anzuwenden ist. Sie wird in einem Stall, in dem die Schweine auf Spaltenboden gehalten werden, anders aussehen als bei der Haltung auf Stroh. Und sie wird auch in geschlossenen, gut abgeschotteten Stallräumen anders gestaltet sein als in Offenställen.

Zwei Drittel des Fliegenlebens spielt sich unter den Laufflächen ab

Die Fliegenbekämpfung wird in zwei Stoßrichtungen ablaufen: Die eine zielt unter den Stallboden, auf dem die Tiere stehen, die andere in den Luftraum. Grundsätzlich spielen sich zwei Drittel des Fliegenlebens unter Laufflächen, auf der die Schweine und Rinder im Stall stehen, ab. Für Maden und Puppen bieten der Miststapel im Tiefstall oder die Güllekanäle ideale Entwicklungsbedingungen. Bei Einstreu bevorzugen die Schädlinge Orte, die weniger oft betreten werden. Ränder und Ecken der Lauffläche müssen deshalb die bevorzugten Ziele sein, wenn die Aufgusspräparate (Gießkanne) zum Einsatz kommen.

In den Güllekanälen haben die Fliegenmaden und -puppen weitgehend Ruhe vor Gegnern. Das heißt aber nicht: „Wir lassen euch in Ruhe!“ Regelmäßiges und vollständiges Ablassen der Gülle aus den Kanälen schwemmt sie mit aus und dezimiert sie so. Tiefe Güllekanäle oder gar Güllekeller sind diesbezüglich weniger vorteilhaft als flachere Kanäle, deren Inhalt öfter entleert wird.

Der „Luftkampf“ bietet mehr Möglichkeiten, den ungebetenen Stallbesuchern beizukommen. Sprühen, Streuen und Streichen sind geeignete Verfahren, nachdem Klebestreifen, die auch angeboten werden, vergleichsweise schnell trocknen und verstauben und deshalb an Wirkung nach relativ kurzer Zeit stark einbüßen.

Streichpräparate auf die Wände aufbringen

Streichpräparate, aufgebracht als etwa zehn cm breite und 20 bis 30 cm lange Pinselstriche verteilt an Wänden und anderen von Fliegen bevorzugten Landeplätzen (zum Beispiel in Nähe der Fütterungseinrichtung), enthalten meist Sexuallockstoff und Gifte. Den „lästigen Opfern“ der Bekämpfung soll ja der „Garaus“ möglichst schmackhaft gemacht werden.

Ähnlich wirken als Granulate ausgebrachte Köder, die von den Fliegen aufgenommen werden. Die Wirkstoffe dieser Präparatfamilien sind natürlich giftig. „Gift“ ist jedoch relativ. Die Wirkung und seine Dosierung sind bei diesen Präparaten so spezifisch auf Fliegen oder Insekten abgestimmt, dass sie für Mensch und Nutztiere als unbedenklich eingestuft werden können. Das geht auch aus den Beipackzetteln hervor, die den Verpackungen beigelegt sind. Dennoch sollte man die Fliegenbekämpfungsmittell nicht unbedingt für die Nutztiere zugänglich machen und so jedes Restrisiko ausschließen.

Auch aus Pflanzen hergestellte Insektengifte wirken gut

„Giftig“ im Sinne von tödlich für die Fliegen sind nicht nur chemisch hergestellte Bekämpfungsprodukte. Auch biologische, aus Pflanzen gewonnene Präparate enthalten Insektengifte, sonst würden sie ja nicht wirken. Bei diesen, davon ist auszugehen, stellen sich Anzeichen von Resistenzen allerdings nicht oder erst viel später ein als bei chemisch hergestellten. Man muss also die Mittel nicht oder seltener wechseln, soll die volle Wirkung der Bekämpfungsmaßnahme erhalten bleiben.

„Wir setzen schon seit 20 Jahren das gleiche ,Fliegenmittel“ ein“, berichtet Christoph Unterholzner aus Ringelsberg (Landkreis Mühldorf). Er hält im Nebenerwerb 65 Zucht­sauen. Der Stall für seine Ferkelerzeugung dürfte so an die 35 bis 40 Jahre alt sein. Je sechs Sauen sind zu einer Abferkelgruppe in einem Abteil zusammengefasst.

Das Präparat, das Unterholzner anwendet, wird versprüht. Der Wirkstoff Pyrethrum wird aus einer dalmatinischen Insektenblume gewonnen, die in Kenia (Ostafrika) angebaut wird. Diese Blume erinnert in ihrem Aussehen sehr an die heimischen Margeriten, ist aber mit diesen in keiner Weise verwandt. Pyrethrum ist ein lange bekannter, aber bis vor einigen Jahren weitgehend in Vergessenheit geratener Wirkstoff. Die alten Perser sollen damit schon 400 vor Christus ihre Kopfläuse losgeworden sein.

Mit Pistole über den Kompressor wird das Präparat ausgebracht

Das Präparat wird in Lagerhäusern als Konzentrat angeboten. Angewandt wird es verdünnt mit Wasser im Verhältnis 1 : 8 bis 10. „Dieses Gemisch bringe ich mit der Pistole am Schlauch des Kompressors aus“, berichtet Unterholzner. Aus der Düse mit 1,2 mm Öffnung sprüht Nebel, der bei acht bis zehn bar Druck entsteht. „Der Nebel muss möglichst feintropfig sein“, sagt der Ferkelerzeuger. Er soll möglichst lange in dem Stallraum schweben. Kommt eine Fliege damit in Kontakt, so lähmt der Wirkstoff ihre Atemorgane, sie verendet.

Während der „Nebelwerfer“ im Einsatz ist, ist die Stalllüftung natürlich ausgeschaltet. Das „Fliegenmittel“ würde ansonsten ja buchstäblich „durch den Kamin gejagt“. Etwa zehn Minuten nach der Vernebelung (diese dauert etwa ein bis zwei Minuten in der Kammer für die ferkelführenden Sauen mit sechs mal sechs Meter Grundfläche) ist das Resultat sichtbar. Unterholzner hat zu Demonstrationszwecken eine weiße Plane im Stallgang ausgelegt. Tatsächlich ist diese nach der Behandlung übersät mit den toten Plagegeistern. Gesundheitliche Folgen für Sauen und Ferkel konnte der Sauenhalter bis jetzt nicht feststellen: „Auch wenn das für die Schweine merkwürdig riechen mag, sie sind nach der Bekämpfungsaktion genauso munter wie zuvor.“

Wirkstoffe in den Nebeltropfen, die „unverbraucht“ auf den Stallboden herabfallen, bauen sich unter Licht und Wärme schnell wieder ab. Als Alternative zur Bekämpfung unter Druck wird auch ein „Turbonebler“ genutzt. Auf einer Scheibe, die mit 2400 Umdrehungen pro Minute rotiert, fallen Tropfen des Wasser-Präparat-Gemisches. Die Zentrifugalkraft schleudert sie feintropfig ab. Der Luftstrom, den ein Ventilator auf der Rückseite des Gerätes erzeugt, transportiert die feinen Tröpfchen in den Stallraum.

Im Nebel verschwinden lassen

„Das Fliegenbekämpfungsmittel mit Basis von Pyrethrum ist nur scheinbar teuer“, hat Unterholzner berechnet. Das Konzentrat kostet rund 26 € je 250 ml. Verdünnt im Verhältnis 1 : 8 bis 10, lässt sich damit eine Stallgrundfläche von 2500 m² behandeln. Unterholzner: „Das ist mit den anderen Präparaten zur Fliegenbekämpfung in jedem Fall konkurrenzfähig.“ Wie auch die Streich- und Köderpräparate trifft ein Sprühmittel natürlich nur die erwachsenen (adulten) Fliegen. Bei hohem Besatz mit diesen „Lästlingen“ sind zusätzlich flankierende Maßnahme nötig, die auf die Maden zielen. Alternativ dazu könnte man die Vernebelungsintervalle verkürzen.

Zusammenfassend ist festzustellen: Die Stallfliege ist ein gefährlicher Krankheitsüberträger. Lässt man sie gewähren, vermehrt sie sich mit hoher Geschwindigkeit und bringt große Unruhe unter die Nutztiere. Übersteigt ihre Population einen tolerablen Umfang, sind Bekämpfungsmaßnahmen unerlässlich. Diese sollte man dokumentieren. Es stehen wirksame Präparate zur Verfügung, die zu unterteilen sind in solche, die auf Maden und solche, die auf adulte Fliegen wirken. Diese sind zu nutzen, soll die Stall- und Lebensmittelhygiene dauerhaft gewährleistet bleiben. Karl Bauer