Milchziegen gesucht

Butzbacher Ziegenauktion erneut gewachsen

Mehr Publikum, mehr Käufer und 50 Prozent mehr angebotene Ziegen als im vergangenen Jahr – die überregionale Ziegenauktion 2009 in Butzbach, an der sieben Ziegenzuchtverbände beteiligt waren, präsentierte sich wie­der als lebendiger Handelsplatz mit zügigem Absatz vor allem der Deutschen Edelziegen. Erneut zeigte sich allerdings ein Überangebot von Burenziegen, was die Auktionsleitung bewog, zur Preisstützung keinen Gat­terverkauf nach der Auktion zuzulassen.

Erfolgreichster Anbieter Bunter Deutscher Edelziegen war die Zucht Sieverdingbeck aus Borken, Westfalen. Sechs von neun angebotenen Böcken fanden neue Besitzer.
Foto: Michael Schlag

Mit 280 Euro Startpreis ging es los bei den Weißen Deutschen Edelziegen, WDE. Die ersten Tiere im Ring fanden zwar schnell Käufer, allerdings nur zum Anfangsgebot von 300 Euro – die Käuferseite blieb in Lauerstellung, manches Gebot ging erst im allerletzten Moment ein, unmittelbar, bevor der Hammer fiel. „Stellen Sie sich nicht so an, nehmen Sie die Hände aus den Taschen“, feuerte Auktionator Paul Linscheid die Bieter an und die Auktion lief sich dann tatsäch­lich langsam warm. Ein WDE-Bock brachte es bald auf 620 Euro, bei Katalognummer acht gingen die Gebote in 20er Schrit­ten so schnell ein, „so schnell kann ich gar nicht reden“, freute sich Auktionator Linscheid und selbst als der Preis bei 800 stand („Linscheid: „Sie dürfen alle noch mitspielen“) folgten noch Gebote. Der Wunsch des Auktionators, er würde sich nach dieser Auk­tion so gerne eine neue Höchstmarke in seinen Auktionshammer schnitzen (vergangenes Jahr brachte der Spitzenbock in Butzbach 1 240 Euro), ging aber nicht in Erfüllung. Mit dem Schlussgebot von 880 Euro blieb Katalognummer acht an diesem Tag der teuerste Bock der Auktion.

Burenziegen: Hälfte aller Böcke

Weiße Deutsche Edelziegen waren insgesamt gefragt, von zehn Tieren wurden acht ver­kauft, der Durchschnittspreis lag bei 413 Euro. Erfolgreichster Anbieter war der Zuchtbetrieb Schneider aus Thüringen. Ganz ähnlich der Verlauf bei den Bunten Deutschen Edelziegen, BDE: Sechs von neun angebotenen Böcken fanden neue Besitzer, der Spitzenpreis lag bei 640 Euro, durchschnittlich wurden 423 Eu­ro pro verkauftem Tier bezahlt. Erfolgreichster BDE-Anbieter war die Zucht Sieverdingbeck aus Borken, Westfalen. Gemessen an den angebotenen Tieren wurde die Butzbacher Auktion wieder von den Burenziegen dominiert, die bei den Böcken die Hälfte aller Tiere stellten. Doch anderes als die Edelziegen gingen die Burenböcke nur zögerlich weg, für die ersten sechs regte sich bei den Bietern keine Hand, aber dann die Überraschung: „Es liegt ein Gebot vor für 2 500 Euro“, kündigte Linscheid einen 15 Monate alten Burenbock aus Mecklen­burg-Vorpommern an und wie zu erwarten, wollte das niemand überbieten.

Der Bock war indes nur „pro forma“ im Ring, sein Besitzer Georg Vogel hatte die Reise von der Ostsee nach Butzbach vor allem unternommen, um hier eine gute Prämierung mitzunehmen (der Bock wurde 1a-Reservesieger bei den Buren). „Das wertet unseren Betrieb auf“, so Vogel, der den Bock im Anschluss wieder mit nach Vorpommern nahm, um ihn in der eigenen Zucht einzusetzen. Bei den Buren konnten sich die Verkäufer ansonsten die Rosinen herauspicken, das Angebot war mit 27 Böcken erkennbar zu groß an diesem Tag. Doch wenn Interesse an einem bestimmten Tier bestand, dann wurde bisweilen auch mutig zugelegt. „Endlich kommt Leben in die Bude“, freute sich Linscheid: 440 Euro, 560 Euro, bis zu 600 Euro lauteten die Gebote für Burenböcke, bis der Hammer fiel, wenn mehrere Züchter sich in dasselbe Tier verguckt hatten. „Na bitte, geht doch“, bestätigte Linscheid die Käufer, allerdings: Jeder zweite Burenbock verließ Butzbach ohne Gebot und fuhr zurück in seinen Heimatstall. Die besseren Preise erzielten stets Tiere, die bei der Prämierung vor der Auktion eine Auszeichnung bekommen hatten, Tiere ohne jede Prämierung gingen dann auch in der Auktion zumeist leer aus, sofern sie der Besit­zer überhaupt noch anbot. Allerdings gibt eine Auszeichnung als Sieger oder Reservesieger noch keine Garantie für einen Spitzen­preis. „Ich gehe nicht nach 1a oder 1b, sagte Reinhard Heintz, der den teuersten Bock der Auktion für 880 Euro erstanden hatte. Heintz hält auf seinem Kleebachtaler Hof in Hüttenberg Milchziegen mit Direktvermarktung von Ziegenkäse. Entscheidend für ihn ist vielmehr die Euternote der Mutter des Bocks, und hier stand im Katalog ein „E9“. Das allein reich­te aber noch nicht: „Ich muss die Mutter vorher gesehen haben“, sagt Heintz, und so waren bei ihm die Würfel schon vor der Auktion gefallen: „Wenn ich den Bock haben will, dann will ich ihn haben“. Reinhard Heintz und seine Ehefrau Christine hatten zuvor den Staatsehrenpreis des Landes Hessen für „herausragende züchterische Leistungen“ in der Ziegenzucht erhalten. Überreicht wurde der Preis von Dr. Anna Runzheimer, Ministerialdirigentin im Hessischen Landwirtschafts­ministerium, sie nannte die Familie Heintz eine „herausragende Säule der hessi­schen Ziegenzucht“ (Bericht im LW 32/2009, Seite 49).

Zum Schluss der Auktion mach­te sich zunehmend eine Abwartehaltung unter den Käufern breit, die man schon zu Anfang feststellen konnte. Jetzt, es war mittlerweile drei Uhr nachmittags geworden, waren zwar noch viele Käufer in der Auktions­halle, aber sie spekulierten ganz of­fenbar auf das Ende der Vorführungen und auf Schnäppchen im Gatterverkauf nach der Auktion. Tiere, für die kein Gebot einging, können im Anschluss noch direkt zwischen Verkäufer und Käufer ausgehandelt werden. An der Aktienbörse würde man es OTC (Over the Counter) nennen. „Verschenken können wir sie nicht“, sagte Linscheid, als selbst 140 Euro Grundgebot für einjährige Burenziegen den Käufern noch zu viel erschien. Als aber die achte junge Burenziege aus der Zucht von Fehrentz im Vogelsberg kein Gebot erhalten hatte, zog die Auktionsleitung die Notbremse: Nachdem das letzte Tier aus dem Ring war, verkündete Paul Linscheid, es werde auf dieser Auktion keinen Gatterverkauf abseits der öffentlichen Gebote geben. Wer noch Interesse an einem Tier habe, der solle es jetzt kundtun, dann werde die Ziege erneut in den Ring geführt. Im selben Moment war der Markt wie ausgewechselt. Nicht weniger als sieben Burenziegen wurden erneut aufgerufen und erzielten doch noch Preise zwischen 140 und 320 Euro. Willi Müller-Braune, hessischer Zuchtleiter, begründete das Vorge­hen so: „Wir müssen auch die Interessen der Züchter beachten, die viel Zeit und Mühe aufbringen, um hier gute Tiere zu präsentieren“.

Selten gehaltene Rassen

Schwerer hatten es die selten gehaltenen Rassen. Für zwei angebotene Toggenburger Böcke ging kein Gebot ein, ebenso für einen jungen Tauernscheckenbock. Im Jargon der Aktienbörse würde man sie „marktenge Werte“ nennen. „Wenn es nur vier Züchter gibt und die anderen drei brauchen gerade keinen Bock, dann gibt es keine Käufer“, so der Kommentar eines Marktteilnehmers. Etwas anders sah es bei den Thüringer Wald Ziegen aus, hier wechselten zwei Böcke zu je 300 Euro den Besitzer. Doch „Marktenge“ kann auch zugunsten des Verkäufers um­schla­gen. So bei einer fünf Monate alten Burenziege aus der Zucht Fehrentz. Sie war nicht gescheckt, sondern als „Kalahari Red“ vollständig rot und entsprach damit einer süd­afrikani­schen Urform. Auf 400 Euro, 500 Euro gingen die Gebote hoch, auf einmal schien Geld kein Problem mehr. Bei 620 Euro war die Kalahari Red schon verkauft, da reklamierte ein Züchter sogar, sein Gebot sei übersehen worden. Also: „Nochmal zurück in den Ring“ und bei 640 Euro fiel dann endgültig der Hammer. Da verschlug es selbst dem Auktionator fast die Sprache: „Der Wahnsinn hat einen Namen“, meinte Linscheid. Eine andere Spezialität ging dann wieder vollkommen leer aus. Drei junge Burenziegen mit hellen Ohren, obschon alle mit 1a bis 1f prämiert, bekamen kein einziges Gebot. Für den Züchter wirken hier immer noch die Handelsbeschränkungen der Blauzungenkrankheit, die den vorher florier­enden Export aus dem Vo­gels­berg auf die Insel Reunion weiterhin untersagen. „Die Käufer aus Réunion hätten die alle mitgenommen“, sagt Her­mann Fehrentz, aber in Deutschland sind weiße Burenohren offenbar nicht verkäuflich.

Butzbach ist guter Auktionsplatz

Letztlich schaut man – ebenso wie an der Aktienbörse – auch bei einer Ziegenauktion auf jene Kennzahl, die aussagt, ob ein Auk­tionsplatz funktioniert oder nicht: Umsatz und Liquidität. Finden die Käufer, was sie suchen und geben sie dafür auch Geld aus? Für Butzbach lauten die Zahlen in diesem Jahr: 16 020 Euro wurden umgesetzt, von 77 angebotenen Tieren wurden 48 verkauft, das Angebot damit zu 62 Prozent abgesetzt. Der Durchschnittspreis lag bei 334 Euro pro Tier. „Ein hervorragendes Ergebnis“, fand Helmuth Lange, Zuchtberater beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Jedem Auktionator ist im Übrigen ein flüssiger Absatz bei ordentlichen Durchschnittspreisen lieber, als wenige teure Ausrei­ßer nach oben, währenddem andere Tiere unverkauft stehen bleiben. Schlag