Hausbanken sind gefordert

Liquiditätshilfe könnte noch besser angenommen werden

Seit Anfang Juli können Landwirte über ihre Hausbank ein zinsverbilligtes Darlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank im Rahmen des Liquiditätshilfeprogramms beantragen. Bis Mitte vergangener Woche wurden rund 250 Anträge in Hessen (in Rheinland Pfalz 180 bis Mitte dieser Woche) gestellt. Bei 22 000 Betrieben in Hessen und 24 500 in Rheinland-Pfalz ist diese Zahl steigerungsfähig. Das LW hat den Betriebswirtschaftler und stellvertretenden Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes, Dr. Hans Hermann Harpain, nach seiner Einschätzung gefragt.

Dr. Hans H.Harpain.
Foto: HBV

LW: Wie attraktiv sind die Liquiditätshilfedarlehen Ihrer Ansicht nach?
Dr. Hans H. Harpain:
Grundlage ist bekanntermaßen ein zinsgünstiges vierjähriges Darlehen, das die Rentenbank aufgelegt hat und der Bund sowie das Land Hessen nochmals um jeweils 1 Prozentpunkt verbilligen (in Rheinland-Pfalz 1 Prozent für tierhaltende Betriebe). Somit reichen die Zinssätze für den Kreditnehmer in den sieben Preisklassen aktuell von nominal 0,50 bis 3,35 Prozent. Diese Bandbreite in den sieben Preisklassen, die sich nach Bonität und Besicherung richten, wird nach Aussagen der Rentenbank und der Vertreter von Sparkassen und Volksbanken auch ausgeschöpft. Insgesamt sind dies hervorragende Konditionen. Der Betrieb kann hierdurch insbesondere teure Kontokorrentkredite ablösen, die teilweise mehr als 12 Prozent Zinsen kosten.

LW: Allerdings gibt es Meldungen, dass schon im Vorfeld Kredite von den Hausbanken abgelehnt werden. Kann eine staatliche Bürgschaft da helfen?
Harpain:
Die Finanzkrise hat zu einem hohen Maße an Verunsicherung auf den Kapitalmärkten geführt. Unsicherheiten erschweren immer Entscheidungen, auch Entscheidungen zur Kreditgewährung. Auch das Vertrauen der Banken untereinander, im so genannten Interbankengeschäft, ist angeschlagen. Mit Garantien versuchen die Regierungen Vertrauen zu schaffen. Da bislang die Hausbanken das Kreditausfallrisiko tragen, wäre eine staatliche Bürgschaft, wie sie der Bauernverband fordert, auch im Rahmen dieses Programms hilfreich, um Unsicherheit zumindest abzumildern. Für eine objektive Bewertung bleibt jedoch festzuhalten, dass sich die Landwirtschaft auch in dieser Krise bislang als stabiler Wirtschaftssektor zeigt. Nach wie vor sind die Risiken für Banken bei der Finanzierung der Landwirtschaft relativ gering. Ausfälle von Krediten an landwirtschaftliche Unternehmen sind eher selten. Zusätzlich vermindern vergleichsweise hohe Eigenkapitalanteile und verwertbare Sicherheiten Ausfallrisiken. Eine restriktive Kreditgewährung an landwirtschaftliche Unternehmen ist daher nicht begründet.

LW: Was empfehlen Sie dem Landwirt für die Vorbereitung eines Gesprächs über ein Darlehen mit der Hausbank?
Harpain:
Bei dem Gespräch geht es darum, beim Kreditgeber Vertrauen dafür zu erzeugen, dass der gewährte Kredit vereinbarungsgemäß zurückgezahlt wird. Deshalb ist eine offene Informationspolitik wichtig. Bei ihrer Beurteilung der Kreditwürdigkeit beziehungsweise beim Rating greifen die Banken immer auf betriebswirtschaftliche Kenngrößen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung aber auch auf Ertrags- und Liquiditätsplanungen, Betriebsorganisation und Marktumfeld zurück. Deshalb sollte man aktuelle aussagefähige Unterlagen vorlegen. Arbeitskreisauswertungen und horizontale Betriebsvergleiche sind hervorragend zum Nachweis geeignet. Der Kreditnehmer muss glaubwürdig dokumentieren, dass er den Betrieb im Griff hat und das Darlehen zur Überbrückung vorübergehender Liquiditätsengpässe erforderlich ist.

LW: Die derzeitigen Marktgegebenheiten, vor allem die niedrigen Milchpreise, dürften die Hausbanken vor einer Kreditvergabe aber eher abschrecken.
Harpain:
Mit dem Auflegen und Umsetzen des Liquiditätshilfeprogramms haben der Bund, das Land Hessen und die Landwirtschaftliche Rentenbank erhebliche Anstrengungen zur Abmilderung von Liquiditätsengpässen in landwirtschaftlichen Betrieben unternommen. Die Hausban­ken sind jetzt gefordert, das Pro­gramm zum Nutzen der Landwirtschaft möglichst wirk­sam umzusetzen. Ein Verweis darauf, dass in verschiedenen Produktionsbereichen zu gegenwärtigen Preisen eine Vollkostendeckung nicht immer erreicht wird, entbindet Banken nicht von ihrer Aufgabe zur Finanzierung der heimischen Wirtschaft, auch in schwierigeren Zeiten. Man sollte auch nicht vergessen, dass der Megatrend, also ein weiterer Anstieg des Lebensmittelbedarfs durch weltweites Bevölkerungswachstum, Verknappung der Flächen und die Änderung der Ernährungsgewohnheiten in den Entwicklungs- und Schwellenländern durchaus für ein gutes Marktumfeld sprechen. Die Fragen stellte Cornelius Mohr