Neue Pflanzenschutzmittel binnen 4 Monaten zulassen

Syngenta-Symposium 2009 in Fulda zu aktuellen Fragen

Ist die Landwirtschaft für die Zukunft gerüstet? Stellt die Agrarindustrie genügend Werkzeuge im Pflanzenschutz bereit? Wie können Schädlinge weiterhin auch bei einem steigenden Insektendruck aufgrund des Klimawandels beziehungsweise, wie können Ungräser sowie Unkräuter wegen zunehmender Resistenzbildung weiterhin erfolgreich bekämpft werden? Mit diesen Fragen eröffnete Dr. Hans Theo Jachmann, Geschäftsführer Syngenta Agro, das Syngenta-Symposium 2009 vorige Woche in Fulda, an dem circa 150 Teilnehmer aus der Forschung sowie der amtlichen, privaten und industriellen Fachberatung teilnahmen.

Aus Sicht von Pflanzenschutzmittelherstellern begann die Ver­an­staltung mit einem Paukenschlag: Dr. Wolf­gang Zorn­bach vom Bundeslandwirtschaftsminis­te­ri­um berichtete in seinem Vortrag zu dem Thema „Neue EU-Pflan­zenschutzvorgaben und deren Um­­­­setzung und Auswirkungen in Deutschland“, dass die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln künftig beschleunigt werden solle und binnen vier Monaten erfolgen müs­se. Dies habe man im Ko­a­li­tions­vertrag der neuen Bundesregierung, der auch wichtige Aussagen zum Pflanzenschutz enthalte, am 21. Oktober 2009 unterzeichnet.

Ferner führte Zornbach aus, dass die Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie des Europäischen Parlamentes und des Rates über einen Aktionsrahmen in der EU am 24. September 2009 vom Rat der Europäischen Union verabschiedet worden sei und erläuterte, dass diese bis Sommer 2011 in Deutsch­land umgesetzt werde. Große Änderungen durch diese Richtlinie erwartet Zornbach für die deutschen Bauern aber nicht, weil das deutsche Pflanzenschutzrecht weitestgehend in der Richtlinie übernommen worden sei.

Der Regierungsdirektor meinte sogar, dass die Regelung für die deutsche Landwirtschaft von Vorteil sei, weil künftig auch die Land­wirte in anderen Ländern einen Sachkundenachweis benötigten, beziehungsweise ihre Pflanzenschutzgeräte dann ebenso regelmäßig prüfen lassen müssten. Jedoch müsse bis zum Jahr 2012 ein nationaler Aktionsplan auf den Weg gebracht werden, der Zielvorgaben und Zeitpläne zur Verringerung von Ri­siken und Auswirkungen bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln enthalte. Dem integrierten Pflanzschutz komme dabei eine wichtige Rolle zu wie auch der Förderung der Sachkunde durch Fort- und Weiterbildung im Pflanzenschutz. Die nationalen Aktionspläne zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln müssten künftig von allen Mit­gliedstaaten erarbeitet werden. Die Vorbereitung zur Änderung des Pflanzenschutzgesetzes und der betreffen­den Verordnun­gen laufe bereits.

Klimawandel bringt Insekten

Mit Szenarien zur Entwicklung von Klima und Umwelt startete Professor Stefan Vidal von der Ge­org-August-Universität Göttin­gen sein Referat über tierische Schäd­linge im Ackerbau der nächsten Jahre. Ein stärkeres Auftreten von Schadinsekten in Europa werde demnach künftig durch zwei Problemfelder ge­kenn­zeich­net. Zum einen führe der Klimawandel zur Erhöhung der Durchschnittstemperaturen – beispielsweise steige die Durchschnittstemperatur in Norddeutschland in 100 Jahren um etwa 2,5 Grad Celsius, hingegen in Süddeutschland „nur“ um circa 1,5 Grad – und damit zum stärkeren Auftreten wär­melieben­der Insekten, zum anderen nimmt durch die Zunah­me der globalen Warenströme (wie per Flugzeug) die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von invasiven Insektenarten beispiels­weise aus Südamerika zu. Viele Schädlinge lieben Wärme und je wärmer es ist, desto stärker vermehren sie sich, so Vidal. Schon heute sei erkennbar, dass Insekten, die bisher als Schädlinge überwiegend im mediterranen Raum verbreitet sind, nach Zentraleuropa vordringen. Das betreffe Motten- und Käferarten in Mais, wie auch Zikaden und Blattläuse in Getrei­de. Höhere Vermehrungsraten wegen günstigerer Klimabedingungen müssen seiner Ansicht nach allerdings nicht unbedingt auch mit höheren Schäden verbunden sein, weil auch die Gegen­spieler (Antagonisten) sich möglicherweise schneller entwickeln. In dieser Frage seien die Insekten­forscher durchaus unterschiedli­cher Meinung.

Sicher sei aber, dass im Mais der Maiswurzelboh­rer künftig ein besonders wichti­ger Schädling sein werde. Dessen Vorkommen sei im Augenblick noch auf Süddeutschland beschränkt, seine Einwanderung in alle deutschen Maisanbaugebiete könne man jedoch nicht stoppen. Landwirte und Industrie könnten eine Schädlingseinwanderung zwar nicht verhindern, so Vidal. Aber außer che­mi­schen Bekämpfungsmaßnahmen bekämen auch ackerbauliche Aspekte, insbesondere die Fruchtfolgegestaltung, künftig für die Schädlingsbekämpfung größeren Stellenwert. Über „Herbizidresistenzen bei Ungräsern und Unkräutern“ infor­mierte Professor Dr. Jan Petersen von der Fachhochschule Bingen. Petersen stellte ebenso heraus, dass Wirk­stoffresisten­zen mit engen Fruchtfolgen an­steigen. Als Beispiel nannte er Glyphosat-Resistenzen und tria­zinresistente Unkräuter im Mais sowie resistenten Ackerfuchsschwanz in Getreide. Ziel der Strategien müsse sein, einseitig starken Unkrautdruck zu redu­zieren, so Petersen.

Beizen und Hybridgerste

Dr. Christoph Steden, Leiter der Saatschutz-Sparte bei Syngenta in Deutschland, ging unter anderem auf die Frage ein, wann insektizide Beizen beim Weizen kommen. Er erläuterte, dass man auf diesem Gebiet bereits über technische Lösungen verfüge, der Einsatz sei aber gesetzlich nicht erlaubt. Außedem meinte Steden, dass in allen wichtigen Kulturen inzwischen Produktformulierungen und Beizrezepturen mit verbesserter Haftung und deutlich reduzier­tem Staubabrieb zur Verfügung stünden.

In enger Zusammenarbeit mit Züchtern und Beizstellen bietet das Unternehmen Hilfestellung an Beizanlagen und Staubuntersuchungen bei Saatgut aus Probebeizungen an. Ziel der Maßnahmen sei, die Verfügbarkeit von Lösungen gegen Krankheiten und Insekten zu sichern und ebenso das Personal, welches mit Beizmit­teln umgehe, zu schützen. Laut Steden können Staub­­abriebwerte bei der Saatgutbehand­lung deutlich gesenkt werden.

Hybridgerste ist auf dem Vormarsch; davon ist Gerhard Wulff von der Firma Syngenta überzeugt. Inzwischen werde Hybrid-Wintergerste auf circa 100 000 ha in Deutschland, Frankreich und England angebaut. Mit ihr sei im Mittel ein um rund 10 Prozent höherer Ertrag zu erzielen. Auch sollen die Erträge stabiler gegenüber der herkömmlichen Wintergerste sein. Allerdings entfalte Hybridgerste nur dann ihre volle Leistungsgüte, wenn sie intensiv geführt werde. Moe