Weiß- und Rotweine werden kontinuierlich verkauft

Weinbestände in Rheinland-Pfalz bleiben stabil

Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz hat die Weinbestände in Rheinland-Pfalz zum Ende des Weinwirtschaftsjahres (31. Juli 2009) veröffentlicht. Die Gesamtbestände – deutsche und inländische Weine – sind gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent oder knapp 0,4 Millionen auf 7 Millionen Hektoliter angestiegen.

Die 7 Millionen Hektoliter Gesamt-Lagerbestände verteilen sich auf Wein deutscher Herkunft (80%), Weine aus anderen EU-Ländern (15%) und Weine aus Nicht-EU-Ländern (5%). Die Bestände von Weinen aus anderen EU-Ländern sind gegenüber dem Vorjahr um 5,5% zurückgegangen.

Dagegen sind die Deutschweinbestände um 308 000 hl oder 5,9% auf 5,6 Millionen Hektoliter angestiegen. Vor allem die Weißweinbestände deutscher Herkunft haben zugenommen, während die Rotweinbestände abgenommen haben (Abbildung 1)

Abbildung 1

Abbildung 2



Abbildung 3

Abbildung 4


Die Gesamtbestände von Wein in Rheinland-Pfalz lagern zu fast gleichen Teilen bei Erzeugern und Handel. Naturgemäß ist der bei Erzeugern lagern­de Anteil bei deutschen Weinen höher Diese Verteilung auf die Lager von Erzeugern (62%) und Handel (38%) gilt gleichermaßen für Weißweine deutscher Herkunft, während der Erzeuger­anteil bei deutschen Rotweinen mit 66% etwas höher ausfällt.

Lagerbestände eine Million Hektoliter unter Erntemenge

Nach der Mengenregulierung 1999 und kleinen Ernten 2003/2005/2006 sind die sehr hohen Lagerbestände bis 2007 kontinuierlich abgebaut worden. Die Mengenregulierung und die Abschaffung der Überlagerungsmöglichkeit haben also ihren Zweck erfüllt.

Die Abbildung 2 zeigt die Korrelation zwischen Erntemenge des Vorjahres und den Lagerbeständen zum jeweiligen Stichtag 31. Juli. Außerdem lässt sich erkennen, wie sich die Differenz zwischen Lagerbeständen und Erntemenge entwickelt hat. Seit 2003 liegen die Lagerbestände wieder deutlich unter den entsprechenden Erntemengen. Gemessen an der überdurchschnittlich hohen Ernte 2007 sind die Lagerbestände 2008 nur unterproportional an­ge­stiegen. Auch die Ernte 2008 war relativ hoch und begründet zum Teil den neuerlichen Anstieg der Lagerbestände im Weinwirtschaftsjahr 2009.

Weißweinbestände deutscher Herkunft steigen

Die Lagerhaltung von deutschen Weiß­weinen hat sich alles in allem seit dem Jahr 2000 etwa halbiert (Abbildung 3). Diese Entwicklung war vor allem durch die flächendeckende Umstellung von Weiß- auf Rotweinsorten der letzten Jahre sowie unterdurchschnittliche Ernten 2003, 2005 und 2006 begründet. Die Weißweinbestände bei Erzeugern und Handel liegen seit Jahren deutlich unter den Erntemen­gen. Die gute Nachfrage nach deutschen Weißweinen im In- und Ausland hat dazu geführt, dass die Lagerbestände bis 2007 kontinuierlich gesunken sind.

In den Weinwirtschaftsjahren 2008 und 2009 hat sich diese Entwicklung umgekehrt. 2009 lagerten 3,46 Millionen Hektoliter deutscher Weißwein in Rheinland-Pfalz. Dies entspricht einem Zuwachs von 417 Tausend Hektoliter oder einem Plus von 13,7%. Dieser Zu­wachs ist, anders als im Vorjahr, nicht mit einer höheren Erntemenge zu erklären, sondern dürfte zum Teil auf schwierige Vermarktungsbedingungen aufgrund der Wirtschaftskrise zurückzu­führen sein. Für diese Theorie spricht, dass 2009 bei vergleichbarer Erntemenge 364 Tausend Hektoliter mehr Weißwein in den Kellern von Erzeugern (insgesamt 2,1 Millionen hl) lagerten als im Vorjahr. Ein Teil dieser Menge konnte nicht an Kellereien verkauft werden. Diese hatten seit Herbst 2008 mit Absatzrückgängen vor allem im Exportgeschäft zu kämpfen. Der Handel hat seine Bestände an weißen deutschen Weinen gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig um 1% auf 1,3 Millionen Hektoliter gqesteigert und versorgt sich zeitnah nach Bedarf auf dem Fassweinmarkt mit Ware. Insbesondere die Lagerbestände von weißen Qualitätswei­nen sind vor diesem Hintergrund gegen­über 2008 um insgesamt 419 Tausend Hektoliter, wovon 345 Tausend Hektoliter auf die Bestände bei Erzeugern entfallen, gewachsen. Die, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau, gestiegenen Lagerbestände von Tafelweinen (+34%) belegen einen Nachfragerückgang 2008/2009. Auch hier ist der Anstieg bei den Erzeugern deutlich hö­her ausgefallen als beim Handel (+197%).

Rotweinbestände leicht rückläufig

Die Rotweinbestände in Rheinland-Pfalz sind 2009 gegenüber dem Vorjahr um 4,1% auf 1,9 Millionen Hektoliter gesunken (Abbildung 4). Dieser Rückgang entspricht in etwa der gegenüber dem Vorjahr ebenfalls gesunkenen Ernte. Zwei Drittel der Rotweine lagern bei Erzeugern und nur ein Drittel beim Handel. Noch stärker als bei Weißwein ist der Handel in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, sich über das Jahr mit roter Ware am Fassweinmarkt zu versorgen. 90% der Rotweinbestände deutscher Herkunft entfallen auf Qualitätsweine, da hier Prädikate eine weniger große Rolle in der Vermarktung spielen als bei Weißweinen. Bemerkenswert ist dennoch, dass die Be­stän­de von rotem Tafelwein beim Handel um 23% zurück gegangen sind, während sie bei Erzeugern um 4% angestiegen sind. Da sich die Lagerbestän­de roter deutscher Weine genauso stabil zeigen wie die Fassweinpreise dieser Kategorie, kann man nach wie vor von einer guten Nachfrage ausgehen, die den Markt stabilisiert.

Fazit

Die Ernte 2009 wird deutlich unter den Vorjahresmengen liegen, was dazu führen könnte, dass in den Kellern la­gern­­­de Weißmengen aus dem Vorjahr verkauft werden können. Derzeit werden auf dem Fassweinmarkt bereits wieder Weine aus dem Jahrgang 2008 nachgefragt. Insgesamt sichert die Bestandslage eine kontinuier­liche Belieferung der Märkte mit Weiß- als auch mit Rotweinen. Wenn sich zudem die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbe­dingungen weiter aufhellen, könnte das den Exportmarkt wieder beleben. Es gibt also gute Gründe auch für die nächs­ten Monate mit einem stabilen Absatzmarkt für rheinland-pfälzische Weine zu rechnen. Karin Rheinschmidt, DLR R-N-H, Dienstsitz Oppenheim