Wohin geht die Zukunft für die Milcherzeuger?

DBV-Vizepräsident baut auf genossenschaftliche Molkereien

Zur Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über die Zukunft der Milcherzeugung in Hessen hat am Dienstag der Kreisbau­ernverband Marburg-Kirchhain-Biedenkopf nach Damshausen geladen. Dort sprach der Vizeprä­sident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, vor rund 30 Land­wirten über die Entwicklung auf den Milchmarkt, die Stellung der heimischen Betriebe und wie diese ihre Position im scharfen Wettbewerb besser behaupten können.

Der Fall der Milchquote macht Bauern Angst: Selbst mit Melkrobotern (Foto) könne nicht mehr rentabel auf den Betrieben in Hessen gewirtschaftet werden, befürchte­ten die Landwirte bei der Veranstaltung des Kreisbauernverbandes in Dautphetal.
Foto: Sascha Valentin

Folgart beurteilte die Aussich­ten am Markt als vorsichtig positiv. Es sei zu beobachten, dass die Milcherzeuger langsam aus dem Preistief wieder herauskommen. Folgart machte aber auch klar, dass viele seiner Berufskollegen nach wie vor um die Zukunft ihrer Betriebe bangen. Vor allem wenn 2015 die Milchquote aufgehoben werde, könnten große Nahrungsmittelkonzerne die Preise diktieren und die bäuerliche Milchprodukt­ion gehe kaputt, meinte daher ein Teilnehmer der Veranstaltung. Genährt wird diese Angst vom Bun­desverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), dessen stellvertretender Vorsitzender, Stefan Mann, ebenfalls an der Diskussion in Damshausen teilnahm und die Haltung des DBV kritisierte. Auch wenn sich der Milchpreis derzeit kurzfristig stabilisiert habe, werde es künftig immer eine Berg- und Talfahrt geben, „wobei die Berge immer kürzer und die Täler immer länger ausfallen werden“, sagte Mann. Als Grund führte er die befürchtete Überproduktion an Milch nach dem Fall der Quoten­regelung an. „Diejenigen Betriebe, die sich an die Quote und Regeln halten, sind da doch die Dummen“, stellte einer der Landwirte fest und forderte mehr Schutz vor solch unsolidarischem Handeln.

Preis-Unterbietungswettkampf ruiniert Betriebe und Molkereien

Folgart sprach sich dafür aus, schon jetzt den Blick auf die Zeit nach 2015 zu richten. Denn: „Die EU-Agrarminister haben den Ausstieg beschlossen und ebenso 14 unserer 16 Bundesländer“, stellte er fest. „Ich sehe jedenfalls keine politische Kraft, die dieses Rad zurückdrehen möch­te“, fügte er hinzu. Bislang reguliere zwar die EU den Milch­markt noch, aber bereits deutlich schwächer als vor Jahren. Langfristig werde sie sich aber ganz aus dem Marktgeschehen zurückziehen. Die Verantwortung für Märkte und Preise würde dann voll und ganz auf die Molkereien und die Milcherzeuger übergehen. Daher würden neue Konzepte für eine wettbewerbsfähige Weiterentwicklung benötigt, so Folgart. Er forderte die Molkereien zu stärkerer Zusammenarbeit und Bündelung ihres Angebots von Milch­­produkten an den Handel auf. Recht gab er den Milchbauern in Damshausen darin, dass die Molkereien in ihrem gegenseitigen Unterbietungswettkampf den Preisverfall der Milch nicht gestoppt hätten. Genau deswegen plädierte Folgart für einen genos­senschaftlichen Zusammenschluss der Molkereien. Viele kleine Molkereibetriebe müssten sich gegenseitig unterbieten, um Aufträge zu bekommen – Zusam­menschlüsse hingegen könnten die Preispolitik eher im Sinne der Milcherzeuger beeinflussen. Der Bauernver­band fordere von der Politik dringend, dass die notwendigen Beschlüsse gefasst würden, die zu einer Trendwende führen könn­ten. Erste Aussichten auf eine Verbesserung des Milchpreises zeichneten sich zwar ab. Umso wichtiger sei jetzt die Un­ter­stützung dieser Entwicklung durch richtige politi­sche Weichenstellungen. Übereinstim­mend zeigte sich Folgart auch darin, dass die Förderung landwirtschaftlicher Betriebe durch die Politik auch künftig fortgesetzt werden müsse. Nicht nur, weil Prognosen da­von ausgingen, dass sich aufgrund des welt­weiten Bevölkerungswachstums in den kommenden 20 Jah­ren die Agrar­produktion verdop­peln müsste, sondern auch Land­­­wirte einen wichtigen Beitrag leisteten, die ländlichen Räume intakt zu erhalten. Mit dem Son­der­programm Milch helfe der Staat den Milcherzeugern in ihrer existenzbedrohen­den La­ge. Es müsse nun alles getan werden, dass dieses Geld zeitnah bei den Betrieben ankomme.

Wirtschaftliche Bedeutung der Landwirte muss Politik erkennen

„Jeder landwirtschaftliche Betrieb bedeutet auch Arbeitsplätze im ländlichen Raum“, so der DBV-Vizepräsident – entwe­der auf dem Hof selbst oder in der weiterverarbeitenden Indus­trie. Darüber hinaus sprach sich Folgart klar für die Nutzung von Bioenergie aus. Dies solle als ein weiteres Einkommensstandbein für die Betriebe gesehen werden. Gerade für Bauern, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlten, könne der Verkauf von Bioenergie für mehr Stabilität sorgen. Hauptaufgabe der Landwirte ist und bleibe weiter die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel. Valentin