Immer mehr Leistung bei Hackern und Spaltern

Agritechnica bot zahlreiche Neuheiten für Privatwald

Es war kein gutes Agritechnica-Jahr für die Aussteller auf dem Freigelände: Bei zumeist schmuddeligem Novemberwetter zog es die Besucher eher in die Hallen. Und der Platz, etwas versteckt liegend hinter Halle 26 statt wie zur Ligna prominent vorm ExpoDach, bezeichneten einige Firmen zu Recht als „stiefmütterlich“. Doch wer Interesse hatte, wurde auch fündig.

Etwa bei Komptech. Ein Jahr nach der Markteinführung des traktorbetriebenen Chippo 510 C hat der österreichisch-deutsche Hersteller die Chippo-Reihe komplettiert. Jüngster Vertreter ist der Lkw-betriebene Chippo 5010 C direct, der auf der Agritechnica auch im Einsatz zu sehen war. Die Maschine erreicht eine Durchsatzleistung bis zu 220 Schüttraummeter pro Stunde. Angetrieben wird sie über einen 480 PS starken Lkw-Motor. Der Chippo 5010 C direct, der auf den wachsenden Markt der holzverarbeitenden Lohnunternehmer aus Land- und Forstwirtschaft abzielt, komplettiert damit das Hackerprogramm von Komptech. Vor einem Jahr führte das Unternehmen den traktorbetriebenen Chippo 510 C für Schlepper mit einer Antriebsleistung bis 500 PS ein. Nun bietet Komptech Maschinen dieser Leistungsklasse auch als Lkw-betriebene Aufbauvarianten an. Die momentan größte Maschine der Baureihe, der Chippo 7010 C, ist mit einem eigenen, 710 PS starken Aufbaumotor Caterpillar C18 ausgestattet und erreicht einen Durchsatz bis zu 300 Schüttraummeter pro Stunde.

Zapfwellhacker für 400 PS Schlepper

Nur wenige Meter entfernt ließ das Petershagener Unternehmen Jenz seine Hacker rattern. Im Mittelpunkt dabei der HEM 820, den es jetzt auch als Zapfwellenvariante (HEM 820 Z) für die allerorten auf der Messe zu bestaunenden Supertraktoren der 400-PS-Klasse gibt. Denn diese Traktoren eröffnen den land- und forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen neue Möglichkeiten nicht nur hinsichtlich der Transportleistung, sondern auch mit Blick auf die damit möglichen Maschinenkombinationen. Der neue HEM 820 Z nutzt nach Firmenangaben die Zapfwellenleistung der neuen Supertraktoren optimal aus und setzt diese in Hackleistung um. Bei einer Einzugsöffnung von 1.200 x 800 zerkleinert die Maschine Stammholz bis 700 mm. Der neue Helix-Rotor mit zwei Reihen spiralförmig versetzt angeordneter Wechselklingen soll bei einem Eigengewicht von etwa zwei Tonnen und einem Durchmesser von 1.040 mm für einen vibrationsfreien Hackvorgang sorgen. Um die Beschickung zu vereinfachen, wurde der klappbare Einzugstisch gegenüber der Baureihe HEM 500 auf rund 2 100 mm verlängert. Der untere Einzug verfügt über zwei fest zupackende Einzugswalzen, die für einen sauberen, gleichmäßigen Materialeinzug sorgen. Der Einzugstisch kann bei Bedarf in der Neigung bis zu sieben Grad herabgelassen werden - damit wird die Beschickung mit Langholz erleichtert. Besonderes Augenmerk wurde bei der Entwicklung nach Firmenangaben auf die Optimierung der Maschinenhandhabung gelegt. Dazu gehört insbesondere die ausgeklügelte hydraulische Verriegelung des Einzugstisches, der Rotorhaube und damit im Zusammenhang stehend ein werkzeugloser Siebkorbwechsel. Dies alles wird mit nur einem Hydraulikkreislauf erledigt. Damit können die wichtigsten Arbeiten zum Vor- und Abrüsten des Hackers auf der Baustelle von der Traktorkabine aus erledigt werden, ohne dass diese zuvor verlassen werden muss – und dadurch die Rüstzeiten verkürzt. Zur Minimierung des Schadenrisikos bei Fremdkörpern verfügt der neue Hacker über eine IPS-System (Impact-Protection-System), das im Notfall einen Sicherheitsspalt von zirka 150 mm öffnet. Der HEM 820 Z verfügt über eine Schwenkdeichsel, die sowohl für die Untenanhängung als auch für die konventionelle Zugmaul-Anhängung geeignet ist. Das Fahrgestell ist so konstruiert, dass die Stützlast durch Verschieben der Achsen verändert werden kann. Für den Materialaustrag ist als Sonderausrüstung ein höhenverstellbares und seitlich schwenkbares Austragsförderband lieferbar. Die neue 161 XL-Reihe (60 kN Zugkraft) der Seilwinden von Schlang und Reichart wurde ebenfalls auf der Agritechnica vorgestellt.

Robuste Seilwinden

Weil in der Praxis an die mittlere Seil­windenklasse nicht mehr ausschließlich Schlepper bis zu 80 PS, sondern auch mal bis 150 PS gehängt werden, wurden die Winden noch robuster gebaut. So ist beispielsweise das Seilwindenaggregat in einem Stahlkäfig untergebracht. Konzipiert sind die Winden, die es als 120-Meter-Variante (mit 12er Seil) und als 140 Meter-Variante (11er Seil) gibt, für den täglichen Profi-Einsatz. Weil im Bereich der Funkfernsteuerung zwar hochwertige, aber günstigere Komponenten verwendet worden seien, sei die Winde jetzt günstiger und somit auch für den Privatwaldbesitzer bezahlbarer geworden. Ausgestattet ist die Winde außerdem, wie demnächst gefordert, mit einem Not-Aus. Außerdem kann bei einer leeren Funkfernsteuerung die Winde auch direkt am Gerät per Hand gesteuert werden.

Interessierte Blicke und sogar eine DLG-Silbermedaille erntete die neue Stihl-Motorsäge MS 441 C-M: Das vollelektronische Motormanagement stimmt den Zündzeitpunkt und die Kraftstoffdosierung auf den jeweiligen Betriebszustand der Maschine ab. Dem Benutzer steht dadurch bei der Arbeit immer die volle Motorleistung zur Verfügung – auch direkt nach einem Kaltstart. Hintergrund: Um unter allen Rahmenbedingungen wie Temperatur, Höhelage und Kraftstoffqualität eine immer optimale Motorleistung zu erzielen, führte bisher kein Weg an manueller Vergasereinstellung vorbei.

Elektronische Gemischbildung

Mit der MS 441 C-M sind diese Zeiten vorbei, denn das M-Tronic-System regelt die Gemischbildung vollelektronisch. Und das bei allen Betriebszuständen des Motors: Start, Leerlauf, Teil- und Volllast. Durch die automatische Kalt-/Warmstarterkennung gibt es bei der MS 441 C-M nur noch eine Startposition am Kombihebel. Auch bei einem Kaltstart erreicht die Motorsäge nach Firmenangaben innerhalb weniger Sekunden das optimale Leistungsniveau. Wenn der Motor abgestellt wird, merkt sich M-Tronic über einen Mikroprozessor die zuletzt gefahrenen Systemwerte zeitlich unbegrenzt und ruft sie nach dem erneuten Anwerfen der Maschine wieder ab. Dadurch steht bei jedem Neustart unter gleichen Außenbedingungen sofort die volle Motorleistung zur Verfügung. Auf den Markt kommt die Säge im Frühjahr 2010.

Mit weniger Kraftstoff sägen

Ebenfalls innovativ ist die neue efco-Motorsäge MT 4400 (vertrieben auch als GS 440 von oleo-Mac) mit e-Jet, die durch Direkteinspritzung auf 40 Prozent weniger Kraftstoffbedarf und 75 Prozent weniger Emissionen kommt. Sie ist mit 43 ccm und 2,9 PS eine ideale Brennholz- und Durchforstungssäge.

Überhaupt gab es für Brennholzselbstwerber, die sich ja zuhauf unter den agrarisch geprägten Agritechnica-Besuchern fanden, einiges zu sehen. So stellte die Bretzfelder Scheifele GmbH ihre neue WP 700-Profi-Kreissäge vor. Die hydraulische Wippsäge fährt nach dem Sägevorgang automatisch zurück, was die Produktivität beim Brennholzsägen steigern soll. Der Clou: Das Kreissägeblatt fährt nicht erst am hintersten Punkt zurück, sondern bereits dann, wenn das Holzscheit durchtrennt ist – gerade bei dünnerem Holz ein großer Vorteil. Die Zapfwellenmaschine wird nicht direkt, sondern über Keilriemen angetrieben – dadurch werden auf die Maschine wirkende Schläge und Stöße abgefangen und schlagen nicht direkt aufs Getriebe durch. Ausgestattet ist die Säge außerdem mit einem vier Meter langen Teleskop-Förderband.

Anhänger mit Kran in allen Varianten

Ebenfalls bei Scheifele wurde eine unscheinbar wirkende, aber dennoch tolle Erfindung vorgestellt: Ein Adapter, der das Anhängen eines Hängers an einen Ladekran ermöglicht. Bisher gibt es nach Firmenangaben keine zuverlässige und genehmigte Möglichkeit, Rückeanhänger an separate, an der 3-Punkt-Hydraulik angebrachte Ladekräne zu hängen, da dafür die wirkenden Kräfte zu groß sind. Scheifele bietet jetzt ein zum Patent angemeldetes Zwischenstück an, das ans Zugmaul des Schleppers angehängt und in dessen Zugmaul wiederum der Rückeanhänger gehängt werden kann. Auf dieses Zwischenstück wird dann der Scheifele-Ladekran aufgebaut.

Kleine Ursache, große Wirkung: Einen Hilfsanschlag für Wippkreissägen stellte die italienische Firma Ricca Andrea vor. Der Anschlag, gegen den das Scheitholz gedrückt wird, fährt beim Sägevorgang zurück und wieder vor, wenn das Scheitholz durchgesägt wurde. Dadurch sollen die Gefahren, die von Kreissägeblättern ausgehen, weiter minimiert werden.

Mit und ohne Schlepper transportieren

Für Brennholzselbstwerber hatte auch Gert Unterreiner etwas im Programm: Er bietet einen 1-Achs-Rückewagen (RW 5 mit Kran FK 5100) an, mit dem klassische Fixlängen, aber auch Meterholz gerückt werden können. Dazu ist der als 25- und 40-km/h-Variante erhältliche Hänger mit Holzboden ausgestattet, der das Durchrutschen des Holzes verhindert sowie mit umsteckbaren Rungen. Für den Hänger, der nur etwa 40 bis 50 PS Schlepperleistung erfordert, sind verschiedene Kräne verfügbar.

Auch für Selbstwerber, die über keinen Schlepper verfügen, gibt es Lösungen zum Holzrücken. Neher Forstgeräte zeigte einen 3,5-Tonnen-Autoanhänger (max 80 km/h, Ladefläche 1,4 mal drei Meter) mit Ladekran zum Holzladen. Der Benzinmotor-Kran und das Hydraulikaggregat sind abnehmbar, sodass der Hänger auch zu anderen Arbeiten genutzt werden kann. Der 3,8-Meter-Kran hebt an der Spitze 300 Kilogramm und direkt neben dem Hänger 500 Kilogramm, sodass er für die gängigen Brennholzsortimente tauglich ist.

Durchmesser immer höher

Bei BGU wurde der neue Brennholzspaltschneideautomat KSA 450 vorgestellt. Die zu verarbeitende Stärke wurde um acht Zentimeter auf jetzt 45 Zentimeter gesteigert. Außerdem ist er serienmäßig mit einem achtfach-Spaltkreuz ausgestattet, zudem ist ein 12er Kreuz erhältlich. Die Maschine, die seit diesem Jahr auf dem Markt ist und über 24 Tonnen Spaltdruck verfügt, schafft bis zu zwölf Raummeter Brennholz pro Stunde.

Einen neuen Vollautomaten stellte auch Posch vor. Der K-540, das jüngste Modell der Spaltfix-Familie, spaltet nunmehr mit 35 Tonnen Spaltkraft Holz bis zu einem Durchmesser von 55 Zentimetern und bis zu einem halben Meter Länge: In einem Arbeitsgang können so bis zu 15 Scheite produziert werden. Das Doppelzylindersystem sorgt für einen doppelt so schnellen Rücklauf und somit für eine höhere Stundenleistung. Die Maschine kann sowohl mobil als auch stationär betrieben werden und ist als Benzin-, Elektromotor- und Zapfwellenvariante erhältlich.

Der Querförderer ist klappbar, was für den schnellen Schleppertransport von Vorteil ist. Bei allen für Waldarbeit verwendeten Maschinen und Geräte sollten die Käufer darauf achten, dass diese sicher arbeiten – und dass das idealerweise auch dokumentiert ist. Etwa durch das KWF-Gebrauchswertabzeichen oder die FPA-Prüfung. Diese Gebrauchswertprüfung prüft persönliche Schutzausrüstung, Werkzeuge, Geräte und Maschinen für den forstlichen Einsatz auf Wirtschaftlichkeit, Arbeitssicherheit, Ergonomie und Umweltverträglichkeit.

Die Anforderungen der Institutionen entsprechen dabei immer dem aktuellen Stand der Technik. Alle zwei Jahre erscheint ein aktualisiertes FPA-Verzeichnis, in dem alle geprüften Produkte aufgeführt werden. Wie so eine Prüfung abläuft, zu der jährlich bis zu 80 Maschinen, Werkzeuge und Geräte angemeldet werden, präsentierte das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik. Heimlicher Star am KWF-Stand: Das Pflanzhäckchen nach Dr. Gottfried Reissinger, das vor 60 Jahren eines der ersten FPA-geprüften Produkte war und noch heute im Handel erhältlich ist. Christian Mühlhausen, Göttingen