2009 – ein Weinjahr mit Happy End

Eine kleine, aber feine Erntemenge sorgt für positive Marktsignale

Der Weinjahrgang 2009 wird – vergleichbar wie 2003 und 2007 – als qualitativ großer Jahrgang in die Jahresanalen der Weingeschichte eingehen. Trotzdem standen die Voraus­setzungen über die Vegetation hinweg nicht immer unter einem guten Stern. Auf einige weinbauliche Besonderheiten des diesjährigen Jahrganges soll im Folgenden eingegangen werden.

Was die Pfalz betraf, so zeichneten sich die Anfang Januar prognostizierten Frostschäden im Nachhinein als weitgehend unbedeutend ab. Einzelne Au­gen­schäden konnten durch kräftigeren Triebwuchs ausgeglichen werden. Bis auf wenige Ausnahmen bei empfindlichen Sorten in Frostsenken, traten lediglich Augenschäden und keine Stamm­­schäden auf. So gab es nur ganz wenige Junganlagen mit schlechter Holzreife, die nachhaltige Stammschäden aufzeigten und durch Neutrie­be neu aufgebaut werden mussten. An Spätfrostschäden sind tief liegende Lagen gerade nochmal vorbeigeschrammt, das Thermometer zeigte in Senken in der Nacht zum 5. Mai 2009 Lufttemperaturen von nur + 1°C an.

Sehr früher, aber verstockter Austrieb

Der frühe Austrieb, bereits in der zweiten Aprildekade, überraschte manchen, der mit Schnitt und Biegearbeiten zeitlich in Verzug war, so mussten einige Anlagen Ende April mit bereits be­grün­ten Ruten gebogen werden, was sich aber nicht negativ auf die weitere Rebentwicklung auswirkte, sofern durch besondere Achtsamkeit die jungen Triebchen nicht abgedrückt wurden.

Allgemein auffällig war, dass Einzelaugen verspätet austrieben, teilweise waren dies verspätet ausgetriebene Haupt­augen, teils auch Nebenaugen, die wohl infolge des geschädigten Hauptauges dann durchgetrieben sind. Folge war eine sehr unterschiedliche Entwicklung der Trauben am Stock, die sich bis zur Reife hinzog. So hatten früh entwickelte und spät entwickelte Trauben einen Vegetationsunterschied von zehn Tagen und mehr.

Auch die verzettelte Blüte hat diese Unterschiede noch gefestigt statt nivelliert, sodass sehr qualitätsbetont orientierte Betriebe bereits mit einer gestaffel­ten Ernte rechneten. Dass dies letztlich nur in wenigen Ausnahmefällen erforderlich war, war der guten Endreife und dem mode­raten Traubenbehang zu verdanken. Auch hat die hervorragende Traubengesundheit dazu beigetragen, dass bereits hochreife Trauben nicht in Fäulnis übergingen und die Reife aller Trauben am Stock abgewartet werden konnte.

Chlorose zeigte sich hartnäckig

Als Ursache für die Chlorose kommen verschiedene Einflüsse in Frage: Kalte, nasse Böden zum Austrieb, zeiti­ger, eigentlich zu früher Austrieb mit nachfolgend kühler Witterung, das Problem Kalkböden auf typischen Chlorosestandorten, hohe Erträge und niedriger „Energiestatus“ der Reben aus den Vorjahren. Auffällig war, dass die ersten Chlorosesymptome eher spät, dann aber umso hefti­ger und dauer­hafter aufgetreten sind. Die dann einge­leiteten intensiven Gegenmaßnahmen mittels Eisenchelaten brachten nicht immer den erhofften Erfolg. Besonders Blattspritzungen schlugen weniger gut an als kombinier­te Blatt-Bodenbehandlungen.

Letztlich ergrünten viele Einzelstöcke in Problemparzellen erst wieder im Spätsommer. Schwachwuchs und weitgehender Ertragsausfall an diesen Stöcken waren unangenehme Begleiterscheinungen und wirken noch länger nach. Erste mögliche Ausfallerscheinun­gen kann ein starker Winter mit sich bringen. Eine hohe Stockbelastung sollte an vorgeschädigten Stöcken auf alle Fälle vermieden werden. Beim Anschnitt sollte darum äußerst verhalten vorgegangen werden, besser ist es, hier einen Kurzstrecker oder gar nur einen zweiäugigen Zapfen anzuschneiden. Besonders das Zellertal und die Gegend um Grünstadt waren traditionell stärker betroffen. Eine Sanierung mittels Eisenbodendünger sollte möglichst vor dem kommenden Austrieb in stark vorgeschädigten Beständen erfolgen. Auf kalkhaltigen Böden muss unbedingt auf kalkfeste Unterlagen wie SO4, 125 AA oder Binova geachtet werden.

Die Sortenempfindlichkeit ist bei der Blüte enorm differenziert

Die Blüte verlief „mit einem lachen­den und einem weinenden Auge.“ Blütestabi­le Sorten wie Dornfelder, Portugieser, Morio-Muskat zeigten sich gewohnt robust und anfänglich befürch­tete Verrieselungsschäden stellten sich bald als unbegründet heraus. Über­raschen­derweise waren selbst die sonst als sehr blüteinstabil eingestuften Sorten Riesling und Huxelrebe gut durch die kühle Witterung Anfang Juni gekommen. Dies betraf zumindest die vitalen jünge­ren Anlagen. Schwächere Anlagen, oft gepaart mit hartnäckiger Chlorose sowie virusbelastete Bestände, zeigen an etlichen Rielsingparzellen jedoch eine hohe Verrieselung.

Sehr unterschiedlich verlief die Blüte bei den ebenfalls empfindlichen Sorten Rieslaner, Lemberger und Gewürz­traminer. Oft war es die Lage, die den Blütezeitpunkt wesentlich bestimmte. Auch die Wüchsigkeit war ausschlaggebend für den späteren Flächenertrag. Anlagen mit zu hoher oder zu schwacher Wuchskraft, letzteres oft durch eine Überbelastung der Vorjahre verursacht, hatten eine stärkere Verrieselung zur Folge. Eine hohe Wuchskraft darf nicht automatisch mit kompakten Trauben in Verbindung gebracht werden, dies gilt nur in Jahren mit stabiler Blüte. Auch die These, dass schwächer wüchsige Reben (oder Unterlagen) stets lockerbeeriger sind, kann nicht durch Versuche bestätigt werden. Zwar kann ein schwächerer Wuchs die Beerenentwick­lung bremsen, einen Einfluss auf die Blüte (induzierte Lockerbeerigkeit) ist aber nicht gegeben. Am ehesten kann sich die verminderte Triebkraft – weniger Laub bedeutet eine bessere Belichtung und Durchlüftung – positive Auswirkungen auf die Traubengesundheit herbeiführen. Somit ist die Wahl der Sorte und des Klones entscheidender für die Traubengesundheit als die Unterlagenwahl oder Pflanzdichte.

Starke Verrieselung bei allen Burgundersorten 2009

Burgundersorten hatten etwas unter der Blüte gelitten, aber die Folge waren sehr gesunde und hochreife Trauben. Über die ganze Burgunderfamilie hinweg, einschließlich Schwarzriesling, Auxerrrois und St. Laurent, trat eine selten bekannte Lockerbeerigkeit auf, die direkt auf den Blüteeinfluss zurückzuführen war und zuletzt 1997 in vergleichbarem Ausmaß beobachtet werden konnte. Warum die ansonsten blütestabile Burgunderfamilie so stark verrieselte, kann nicht geklärt werden. Die Verrieselung war jedoch der Grundstein der hohen Reife bei gleichzeitig gesundem Lesegut. Durch die günstige Menge-Güte-Relation und aufgelockerte Trauben sowie den günstigen Reifeumständen konnte bereits im September hochwertiges Burgunderlesegut eingebracht werden, wie dies in anderen Jahren nur durch aufwendi­ge Vorarbeit durch ertragsbegrenzende und Trauben auslockernde Maßnahmen möglich ist. Somit hat uns die Natur ein Geschenk bereitet, teils wurden Spätburgundertrauben mit 100 °Oe direkt vom Stock weg gelesen. Auffällig war, dass trotz hoher Zuckerwerte die Beerenhäute noch sehr stabil waren, auch dies schützte vor Beerenfäulnis.

Regent – Pilzfestigkeit nicht (mehr) ausreichend?

Recht auffallend war vielerorts der Peronosporabefall der Rebsorte Regent. Hier wurde offensichtlich, dass die Pilzfestigkeit bei dieser Sorte unter hohem Druck nicht ausreicht, wenn keine vorbeugenden Behandlungen durchgeführt werden. Anlagen, die nicht oder unzureichend behandelt wurden, zeigten oft erheblichen Befall sowohl an Trauben als auch am Blatt. Ganz typisch für pilzfeste Rebsorten sind mosaikfleckenartige Eingrenzun­gen.

Neben aufgetretenen Lederbeeren hatten die Trauben, trotz geringem Ertrag, einen deutlichen Reifeverzug. Oft traten die Lederbeeren erst mit begin­nen­der Reife zutage, somit blieben viele Beeren hart oder hatten einseitige, sonnenbrandähnliche Dellen. Auch die Holzreife solcher Anlagen hat gelitten, da die geschädigten Blätter kaum Ener­giereserven dazu bereitstellen konnten. Solchermaßen beeinträchtigte Reben sollten durch kurzen Anschnitt (Flachstrecker) geschont werden.

Ein völliger Verzicht auf Fungizidmaßnahmen bei Regent ist nach den Erfahrungen kaum noch statthaft, zu­min­dest sollten jeweils zwei Spritzun­gen im Vor- und Nachblütebereich durchgeführt werden, dasselbe gilt für die Oidiumbekämpfung. Gleiches gilt für vergleichbar „pilzfeste“ Sorten wie etwa Johanniter.

Riesling – schon Opfer des Klimawandels?

Die Südpfalz wird zunehmend der Gewinner, die frühen Lagen der Mittel­haardt zeigen sich problematisch – dies kann als knappes Fazit für den Rieslingjahrgang 2009 gelten, zumindest was die Fäulnis betrifft. Wie schon in ver­gleich­bar frühen Jahren beobachtet, zeigt sich Riesling unter warmen Reife­bedingungen als anfällig gegen Fäulnis, vor allem Essigfäule und Penicillium. Verstärkt wird dies noch durch Feuchtig­keit und gute Bodenwasserversorgung. Eine optimale Ausreife erfolgt unter kühlen Bedingungen, besonders die feine Aromenausprägung und der Säure­erhalt profitieren davon. Unter hoher Sonneneinstrahlung wird die Beerenhaut anfällig, was sich im grünen Zustand durch Sonnenbrand bemerkbar macht. Neben Quetschschäden, teils doch kompakt gewordener Trauben, könnte eine porös gewordene Beerenhaut die Ursache für den Fäulnisbefall zu Reifebeginn sein.

Trotz trockener Bedingungen konnte sich Botrytis Ende September weiter ausbreiten, sodass vielfach eine negative Vorselektion durchgeführt werden musste. Zukünftig müssen komplexe Studien zeigen, ob mittels stressmindern­der und reifesteuernder Maßnahmen hier besser gegengesteuert werden kann und wie dies praktikabel gestaltet werden kann. Auch eine Neubewertung, was zukünftig unter einer guten Riesling­lage zu verstehen ist, sollte nicht tabu sein. Tatsache ist, dass ertragsreduzieren­de Maßnahmen aus der Premiumproduk­tion die rasche Abreife und damit die Fäulnisanfälligkeit eher fördern. Besser ist eine gestaffelte Lese. Ein weiterer hoffnungsfroher Ansatzpunkt bietet die Neuausrichtung der Klonenselektion speziell bei Riesling.

Anfängliche Befürchtungen, dass nach dem Regen die Beeren platzen würden, erwiesen sich Gott sei Dank als nicht zutreffend. Das Gegenteil war der Fall, gesunde Bestände hielten sich bis weit in den Oktober hinein als erstaun­lich lange stabil. Als platzanfälliger erwies sich 2009 die Scheurebe, aber auch Rieslaner. Beide Sorten tragen Rieslingerbgut in sich. Kritisch ist bei geplatzten Beeren die rasche Besied­lung durch Essigfliegen und Penicillium.

Ruhiger Leseverlauf der vollreifen Trauben

Eine Begleiterscheinung der sonni­gen Spätsommerwitterung waren sehr spät aufgetretene Trockenschäden in Junganlagen. In einigen Fällen stag­nierte dabei auch die Reife und die Blätter vergilbten vorzeitig, besonders skelettreiche und sandige Böden waren betroffen. Rückblickend betrachtet, wäre die eine oder andere Wassergabe vor Reifebeginn in Junganlagen bei spät reifenden Sorten sicher sinnvoll gewesen. Jedoch sind solche Trockenphasen in dieser Zeit eher unwahrschein­lich und nicht vorhersagbar. Umgekehrt hätte eine Wassergabe die Fäulnis stark beschleunigt, falls nachfolgend eine län­gere Regenperiode eingetreten wäre.

Ähnlich wie 2007 und 2008 konnten auch 2009 die Winzer sehr entspannt bei der Lese vorgehen und die Vollreife ausreizen. Teils wurden sogar über das Ziel hinausschießende Mostgewich­te erreicht. Daher mussten einige Weiß­weinsorten trotz stabiler Traubengesundheit etwas früher gelesen werden, um überbordende Alkoholgehalte und zu geringe Säurewerte zu vermeiden. Entscheidend ist der spätere Weinstil, der den Lesezeitpunkt erheblich mitbe­stimmt.

Überraschend positiv waren Portu­gie­ser und Silvaner einzustufen, beide Sorten blieben ungewöhnlich lange gesund. Insbesondere Silvaner eignete sich für die späte Federweißerlese im Oktober/November und wird teils sogar für Eiswein vorgesehen. Frühfröste ab Mitte Oktober führten in tiefen Lagen zum Abfrieren des Laubes und damit zur Unterbrechung der Assimila­tion. Zu diesem Zeitpunkt war die Hauptlese bereits beendet, sodass dieser Frost kaum noch Auswirkungen auf die Traubenqualität hatte. Reife Trauben ertragen problemlos einige Grad minus, nur bei unreifen Trauben entwickelt sich der ziehend grasig schmeckende Frostton. Die wenigen noch hängenden Anlagen spätreifender Sorten hatten bereits die nötige Reife, sodass kein weiterer Reifeschub erforderlich war. Auch muss keine verminderte Holzreife befürchtet werden, da die Reben bereits im September weitgehend verholzt waren – von den benannten krankheitsgeschädigten Weinbergen abgesehen. Hierzu hat der son­ni­ge September und die trockene Witterung in Verbindung mit einer moderaten Ertragsbelastung beigetragen.

Zwei bekannte Winzerweisheiten, die nach wie vor richtig sind

  • Ein Jahrgang kann erst bewertet werden, wenn er im Keller ist
  • Die letzten Wochen vor der Lese entscheiden über die Qualität des Jahrgangs

So gab es Jahrgänge, die sich in der Vegetation als sehr unproblematisch erwiesen und im Herbst enttäuschten, genannt sei hier der 2006er. Umgekehrt war es 2009: Hier war der gute Spätsommer und Herbst verantwortlich, dass trotz der genannten Schwierigkei­ten ein insgesamt nach Güte und marktkon­former Menge ein hervorragender Jahrgang eingefahren werden konnte. Wie sich die Fassweinpreise entwickeln, werden die nächsten Wochen zeigen. GerdGötz, DLR Rheinpfalz