Außenhaltung der Mutterkühe als Alternative?

Besichtigung eines Offenfrontstalls und Fachvorträge

Interessierte Mutterkuhhalter informieren sich über Öko-Mutterkuhställe, Investitionsförderung und Bauen im Außenbereich sowie Möglichkeiten und Grenzen der Winteraußenhaltung. Eingeladen hatten der LLH, Naturland und der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Paul Neubauer vom Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises begrüßte rund 40 Landwirte zur Besichtigung des Offenfrontstalls von Walter Brede in Fronhausen.

An dem im Jahr 2004 bezogenen, nach Süden ausgerich­teten Gebäude fällt die Traufhöhe von 5 m auf. Vorgesehen für den Einbau eines automatischen Einstreusys­tems erweist sich das hohe Dach von Vorteil beim Ausmisten mit dem Frontlader.

Foto: Kornelia Schuler

Das 60 Meter lange Gebäude bietet ausreichend Platz (gemäß Öko-VO) für 60 Mutterkühe samt Nachzucht und Mastbullen. Der großzügige, dem Stall vorgelagerte Auslauf von 600 m², wo­ran sich der Futtertisch anschließt, erlaubt die Stallhaltung der Mastbullen und -rinder auch im Sommer, wenn die Mutterkuhherde auf der Weide ist. An dem im Jahr 2004 bezogenen, nach Süden ausgerich­teten Gebäude fällt die Traufhöhe von 5 m auf (siehe Fo­to). Vorgesehen für den Einbau eines automatischen Einstreusystems, erwies sich das hohe Dach bereits jetzt von Vorteil beim Ausmisten mit dem Frontlader. Da das Ab­schie­ben des Auslaufs mit dem Schlepper durch das nötige Wegsperren der Rinder und Wegklappen der Abtrennungen ziemlich aufwen­dig ist, denkt der Betriebsleiter über den Einbau eines Schie­bers nach. Ein Dach, bis zu 50 Prozent Ãœber­­dachung des Aus­laufes ist gemäß Öko-VO möglich, würde den Regenwasseranfall auf der Fläche reduzieren und das Futter am Futtertisch schützen. Die ebene Ausführung des Stalls mit Ausnah­me der Stufe zum Futtertisch erleichtert eine spätere flexible Nutzung des Gebäudes. Der Land­wirt nutzt die im Laufhof anfallende Gülle, die im 600 m³ großen Güllesilo gesammelt wird, zeitgerecht als Dünger für den Getreideanbau. Gefördert wurde der Stallbau im Rahmen der einzelbetrieblichen Investitionsförderung mit etwa 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Damit ist unter anderem eine zwölfjährige Bindung bezüglich der Nutzung verbunden.

Nicht nur „Robustrassen“ für die ganzjährige Freiland-Haltung

Die anschließenden Fachvorträ­ge fanden im Rittersaal des benach­barten Hofguts Friedelhausen statt. Die Rentabilität ei­nes Mut­ter­kuhstalles ist, wegen der Nutzung in nur fünf Monaten eines Jahres, schwierig darzustellen. Ob und unter welchen Bedingungen die Außenhaltung der Mutterkühe im Winter eine Alternative ist, war Thema des Vortrags von Dr. Hans-Joachim Herr­mann vom Beratungsteam Tierproduktion des LLH. Grund­sätzlich sind dafür alle Rinderrassen geeignet, nicht nur die so­genannten „Robustrassen“, wesentlicher sei die Anpassung der einzelnen Tiere. Wichtig ist, dass sie gesund und mit Reserven den Winter im Freien beginnen. Dazu ist im Regelfall von Kalbungen im Freien abzusehen, auch müssen die Rinder durch den rechtzeitigen Beginn der Außenhaltung ein Winterfell haben.

Besichtigung des Offenfrontstalls von Walter Brede.

Foto: Kornelia Schuler

Weitere Voraus­setzungen sind leichte, wasser­durch­lässige Böden ohne Stau­­­nässe, dazu ein Witterungsschutz, zumindest eine Wand in Hauptwindrichtung und eine eingestreute Liegefläche, oder ein Weideunterstand mit Dach und mindestens einer offenen Seite. Ohne Zufütterung geht es nicht, wenn stationär, dann ist ein Dach von Vorteil, auch gibt es die Möglichkeit, die Tiere direkt am Fahrsilo fressen zu lassen oder Futterbänder an wechselnden Standorten auszulegen. Dies setzt die Befahrbarkeit der Fläche voraus. Ausreichend Tränke in guter Qualität ist sicherzustellen, vorzugsweise frostsicher und stationär, bei sehr langem Frost kann die Wasserversorgung durch zwei­maliges Tränken pro Tag geschehen, wobei sich die Tiere jeweils satt trinken können sollten. Die rechtlichen Vorgaben sind relativ unbestimmt, wohl einer der Grün­de für die teilweise recht unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Veterinärämter. Maßgeblich für das Gelingen des Verfahrens ist die Anpassung an die Erfordernisse der Tiere. Mängel in nur einem Teilbereich, wie Trän­ke oder Witterungsschutz, können bereits das ganze System Au­ßen­haltung gefährden. Fazit des Referenten: „Außenhaltung macht die Rinder nicht gesünder, bei rich­tiger Umsetzung aber auch nicht krank. Mit Freilandhaltung lassen sich Ziele der Wirtschaftlichkeit, Tiergerechtheit, Umwelt­verträglichkeit sowie des Na­tur­schutzes und der Land­schaftspflege miteinander verbinden. Der am stärksten limi­tierende Faktor bei der Verbreitung ist die mangelnde Akzeptanz der Öffentlichkeit und Unwissenheit.“

Paul Neubauer vom Fachdienst Landwirtschaft informierte über Möglichkeiten und Bedingungen der Förderung und beant­wortete Fragen zum Bauen im Au­ßen­bereich. Schuler, LLH