Weihnachtsbäume sind knapp

Zurzeit werden wieder an allen Ecken Weihnachtsbäume verkauft. Die Plantagen dafür werden oft von Landwirten auf ihren Flächen angelegt. Über die Situation befragte das LW Wolfgang Stahl, den Vorsitzenden des Arbeitskreises Hessischer Weihnachtsbaum, Morschen.

Wolfgang Stahl
Foto: Hessischer Waldbesitzer-verband

LW: Herr Stahl, wie stellt sich die allgemeine Marktlage für Weihnachtsbäume aktuell dar, und wie werden die Bäume vermark­tet?
Wolfgang Stahl:
In der aktuellen Saison fehlen etwa 2 bis 3 Millionen Bäume. Vor vier bis fünf Jahren gab es eine Überproduktion, und viele Anbauer haben die Pflanzung eingestellt. In Dänemark beispielsweise wurden viele Flächen ob der schlechten Preise umgebrochen, um die Flächenprämien wieder zu erhalten. Außerdem war Saatgut knapp und Hagelschäden haben die vermarktbaren Bäume zusätzlich dezimiert. Diese Mengen fehlen heute am Markt. Daraus resultiert ein Preis-Anstieg von durchschnittlich 10 Prozent für 2009.

Andererseits wurden zum Beispiel im Sauerland viele Flächen, die durch den Orkan Kyrill Anfang 2007 gefallen waren, mit Nordmanntannen bepflanzt. Es wird aber – je nach Witterung – rund drei bis fünf Jahre dauern, bis diese Bäume wieder am Markt erscheinen.

Die Vermarktung ist betriebsindividuell sehr unterschiedlich. Wir verkaufen beispielsweise 70 Prozent der Bäume an den Handel, der Rest wird direkt vermarktet.

LW: Welche Typen werden heute nachgefragt, und wie entscheidet man, welche Arten heute zu pflanzen sind?
Stahl:
Die Nordmanntanne hat einen Anteil am Markt von rund 75 Prozent, der Rest entfällt auf Blaufichte, Fichte und andere Tannenarten. Außerdem werden heute zu über neunzig Prozent Bäume nachgefragt, die 1,75 Meter oder größer sind. Diese sind aber knapp.

Jeder muss für seinen Betrieb entscheiden, was er pflanzt. Wer ausschließlich an den Handel liefert, kann sich etwa auf die Nordmanntanne konzentrieren; bei der Direktvermarktung muss man ein breiteres Sortiment vorhalten.

LW: Wie steht es mit der Wirtschaftlichkeit, und was passiert nach dem Anbau mit der Fläche?
Stahl:
Weihnachtsbäume sind Dauerkulturen und es gibt keinerlei Flächenprämien. Als Sonderkultur ist die Wirtschaftlichkeit unter den gegewärtigen Verhältnissen (niedrige Getreidepreise, knappe Baumbestände) dennoch hoch. Es besteht aber wegen der langen Zeit auf der Fläche ein erhebliches Risiko für Ausfälle, beispielsweise durch Hagelschläge.

Die Flächen werden nach ihrer Aberntung erneut bepflanzt oder rekultiviert für den Ackerbau. KB