Ertragspotenzial ausnutzen

Management und Praktiker-Strategien beim FLV-Ackerbautag

Bei hohen Betriebsmittelpreisen durch geringeren Einsatz von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln zu sparen versuchen, könne schnell durch Mindererträge und entsprechend geringere Einkünfte „ins Negative gehen“. So der Vorsitzende des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins (FLV), Karlheinz Gritsch, bei der Eröffnung des FLV-Ackerbautages.

Ertragsdepressionen dürften ebenso wenig eintreten wie Eigenkapitalverringerung, weshalb „Angepasstes Produktionsmanagement“ und „Praktiker-Strategien“ als aktuelle Vortragsthemen gewählt worden seien. Von den Referenten – Frank Brunn, N.U. Agrar GmbH, Schackenthal, und Dipl.-Ing.agr.Martin Umhau, Oschatz, – würden Anregungen zur Ausschöpfung des Ertrags­potenzials der Böden und Erfahrungen über betriebliche Strategien erwartet. Dass in einigen Ge­­bieten Deutschlands tatsächlich seit Jahren an der falschen Stelle gespart wird, verdeutlichte Frank Brunn zu Beginn seines Referates über das Thema „Angepasstes Produktionsmanagement – Strategien zur optimalen Ausnutzung des Ertragspotenziales des Bodens“. Bei seit etwa 1990 um rund 20 kg niedrigerem, aber mit rund 110 kg N je ha gleich bleibendem Stickstoffverbrauch in Deutschland sind P2O5- und K2O-Gaben seitdem von rund 70 auf rund 25 kg je ha gesunken. In diesem Zeitraum ist der P2O5-Vorrat auf den Ackerbaustandorten in Deutschland um 400 kg je ha, das sind 9 mg je 100 g Boden, abgebaut worden, bei K2O um 486 kg, was 10 mg je 100 g Boden entspricht. Im Trend sinkende Winterweizenerträge, so seit 2000 in Schleswig-Holstein, führt Brunn darauf zurück.

Spurennährstoffe und pH-Wert

Wesentlichen Einfluss auf Erträge und Inhaltsstoffe haben neben den Grundnährstoffen die Spurennährstoffe. Deren Verfügbarkeit hängt vom pH-Wert ab und der Ziel-pH-Wert wiederum von der Bodenart. Im FLV-Gebiet sollte er zwischen 6,2 und 6,8 liegen, bei „einem pH-Wert über 7 muss man sich über die Verfügbarkeit der Spurennährstoffe Gedanken machen“. Bei Molybdän dagegen senkt ein zu niedriger pH-Wert die Verfügbarkeit. Generell wird der pH-Wert über das Magnesium stärker beeinflusst als über Kalzium. „Eine Pflanzenanalyse gibt die besten Aufschlüsse über die Nährstoffverfügbarkeit“, so der Referent zusammenfassend, denn sie gibt die Relation aller relevanten Nährstoffgehalte der Pflanzenmasse zu deren Ertrags-Grenzwert wieder:

  • So zeigt der Ertragsgrenzwert eines Nährstoffes unter 50 Prozent dessen akuten Mangel mit Ertragsminderung an.
  • Höherer Prozentsatz bis 100 zeigt Mangel mit Ertragsminderungen nur bei Witterungs- oder Krankheitsstress an.
  • Grenzwerte über 100 Prozent deuten auf optimale Versorgung auch bei intensivem Wachstum hin.

Optimale Nährstoffversorgung

Aussagen über die „optimale“ Nährstoffversorgung der Böden, so Brunn weiter, sind nur unter Berücksichtigung von Standort, Bodeneigenschaften, Wassergehalt sowie Witterungsgegebenheiten und –verlauf annähernd sicher möglich. Da Nährstoffe nur aus 2 bis 3 mm Abstand von den Feinwurzeln nachfließen, lässt sich feststellen, dass:

  • bei schlechter Bodenstruktur höhere Nährstoffgehalte notwendig sind, da nur ein geringer Bereich von den Wurzeln erschlossen wird, und
  • bei einer guten Bodenstruktur die Wurzeln die Nährstoffe gut erschließen können.

Nährstoffentzug oft unterschätzt

Oft unterschätzt wird das Ausmaß der Nährstoffentzüge mit dem Erntegut. Bei einer Fruchtfolge Raps (45 dt je ha Ertrag) und zweimal Weizen (110 und 90 dt je ha) werden 235 kg P2O5, 165 kg K2O und 88 kg MgO entzogen (Nettoentzüge). Bei Zuckerrüben und zweimal Weizen sind es 216, 362 und 101 kg je ha, die innerhalb von drei Jahren wieder zugeführt werden müssen, um nicht „in eine niedrigere Gehaltsklasse abzurutschen“. Heftig diskutiert wurde die Frage, ob eine re­du­zierte Bodenbearbeitung die Grundnährstoffverteilung über die Bodentiefe be­­einflusst. Vor allem in nieder­schlags­armen Gebieten oder Vege­tationsjahren, so war man sich ei­nig, kann es bei pfluglos wir­tschaftenden Betrieben zu Pro­blemen kommen. Die Bodenschich­ten unterhalb der Grubberarbeitstiefe können an Nährstoffen verarmen. Denn auf sommertrockenen Standorten sind die oberen 2 bis 3 cm Boden an rund 80 bis 100 Tagen trocken, 3 bis 10 cm tiefe Schichten an 20 bis 30 Tagen. Dadurch herrscht in den oberen 10 cm nur eine nutzbare Feldkapazität von 40 Prozent, was zu 40 Prozent geringerer Aufnahmen von Phosphor und 50 Prozent geringerer Aufnahme von Kali führt. Streifen-/Tiefendüngung mit speziellen Scharen ist eine neue Technik, die den Dünger in größere Tiefen brin­gen soll. Dabei sei aber, so der Referent, „Fingerspitzengefühl nötig und der Spaten anzuwenden“, um die Bodenfeuchtigkeit im erforderli­chen Maße beurteilen zu können. Denn Schachtbildung durch Tiefschare muss vermieden werden.

Strategien für den Erfolg

Die verschiedenen Phosphatdüngerformen und ihr Einsatz ebenso wie der von Kali in Abhängigkeit von Bodenversorgung und Bodenstruktur und die Stickstoffdüngung zu Getreide waren weitere Vortragsthemen. Sie wurden unter Leitung vom FLV-Vorsitzenden Karlheinz Gritsch intensiv diskutiert und mit eigenen Versuchsergebnissen verglichen. „Es gibt keine Art von Krise, die ökonomische, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge ungültig macht sowie deren Nichtbeachtung rechtfertigt“. Dies erklärte Martin Umhau, Bewirtschafter eines 540-Hektar-Ackerbaubetrie­bes in Oschatz, Sachsen. Die derzeitige Krise dürfe also keine Aus­wirkungen auf seine betrieblichen Entscheidun­gen haben. Insofern hätte das Vortragsthema „Praktiker-Strategien in der Krise“ für ihn keine außerordentliche Bedeu­tung. Denn es herrsche derzeit „nur“ eine Relation zwischen Kosten und finanziellen Erträgen, wie sie in vergangenen Jahren auch schon festzustellen gewesen wäre. Für die Entwicklung des 1991 von der Treuhand – genauer: der BVVG – mit 80 Hektar und entsprechendem Gebäudebestand übernommenen Betriebes gelten für Umhau an Hauptstrategien:

  • Produktion von Kartoffeln in höchster Qualität für ein Premium-Qualitätsprogramm,
  • Minimierung der Kosten der Arbeitserledigung,
  • Einsatz der größtmöglichen standortangepassten verfügbaren Technik.

Den eigenen Betrieb hat er auf 540 ha Flächenumfang ausgebaut (270 ha Weizen, 130 ha Raps, 100 ha Kartoffeln, 40 ha Zuckerrüben), die pfluglos bewirtschaftet werden. Die Kartoffeln werden in vorher angelegte Dämme aus abgesiebtem und damit entsteintem Boden gelegt. Dies ermögliche Rodung im Schichtbetrieb ohne Auslesepersonal. Für einen nahe gelegenen Abpackbetrieb als Marktpartner ist Umhau dadurch „ein nicht austauschbarer Rohwarenlieferant“. Er erreicht damit Wettbewerbsfähigkeit durch Qualitätsführerschaft. Die Erledigung von 300 ha Kartoffellegen als Lohnarbeit sorgt für bessere Auslastung der Spezialmaschinen. Seine Strategie, durch hohen technologischen und logistischen Aufwand den Anforderungen des Marktpartners zu entsprechen, gilt für alle Erzeugnisse.

Betriebsorganisation und Technik

Seine die Betriebsorganisation und die Technik betreffenden Strategien werden ihm helfen, die kommenden Entwicklungen zu verkraften, so die:

  • steigenden Betriebsmittelpreise durch deren Kopplung an steigende Energiekosten,
  • sinkende Flächenprämien durch abnehmende gesellschaftliche Akzeptanz und Umlenkung in Umweltprogramme,
  • Wechsel der relativen Vorzüglichkeit einzelner Kulturarten.

Man müsse sich angesichts der Perspektiven, die nichts mit einer gesellschaftlichen Krise zu tun hätten, stets fragen, „wo ich mit meinem Betrieb stehe“, meint Umhau. Eine der Antworten ist seine Entscheidung, sich als einer von drei Gesellschaftern an einer GbR zu beteiligen, die 2800 ha Landwirtschaftsfläche, 300 Milchkühe, 1600 Mutterschafe, eine 500-kW-Biogasanlage, einen Handelsbetrieb (Grünmarkt, Baustoffe) mit insgesamt 40 Mitarbeitern umfasst. In dieser GbR, die auch Saatgutwirtschaft und Gräservermehrung betreibt, ist er für die gesamte Feldwirtschaft zuständig.