Faszination Landtechnik

Referat zur Technikentwicklung bei FLV-Hauptversammlung

Sein 150-jähriges Bestehen veranlasste den Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein (FLV) bei seiner „Jubiläums-Jahreshauptversammmlung“ den Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums Hohenheim, Dr. Klaus Herrmann, über „Faszination Landtechnik – die revolutionäre Entwicklung seit Vereinsgründung“ – also 1860 – referieren zu lassen.

Außer Zweifel stehe, so Herrmann zu Beginn seines Vortrages, dass Frankfurt die Entwicklung der Landtechnik in den vergangenen 150 Jahren „ordentlich gefördert“ habe. Bereits 1865 hat der FLV in Frankfurt eine erste Landmaschinenschau organisiert, weitere folgten unter anderem 1868 und 1874. Richtig in Blickfeld der Öffentlichkeit trat Frankfurt 1887, als die DLG hier ihre erste große Leistungsschau veranstaltete. Mehrfach sei Frankfurt auch in der Folge Austragungsort von besucherstarken DLG-Ausstellungen gewesen. Zum einen war dies die Landwirtschaftausstellung 1948, die besondere Beachtung verdiene. Eine wohldurchdachte Maschinenschau zum Thema Selbsthilfe in Technik und Bauwesen sei es im Zeichen der allgegenwärtigen Zerstörungen nach dem zweiten Weltkrieg gewesen. 1985 unternahmen DLG und die Landmaschinen- und Ackerschlepper-Vereinigung, beide in Frankfurt ansässig, den Versuch, eine reine Landtechnikmesse zu etablieren. Es war die Agritechnica, die bis 1993 als weltweit führende Landtechnikmesse ihren Standort in Frankfurt hatte. Auch als Produzent von Landmaschinen und Traktoren leistete Frankfurt seine Beiträge: Ansässig waren hier die 1872 gegründete Firma Philipp Mayfarth, die über Jahrzehnte hinweg mit zeitweise über 1 000 Mitarbeitern Landmaschinen herstellte, und die Firma Franz H. Erkelenz Landmaschinenbau, die kleine Traktoren mit Knicklenkung, verstellbarer Spurweite und schwenkbarem Sitz baute.

Arbeitsalltag auf dem Land

Überaus bescheiden, so Herrmann, sei der landtechnische Standard um die Zeit der Gründung des FLV gewesen. Menschen, Arbeitstiere und einfache Gerätschaften bestimmten weitgehend den Arbeitsalltag auf dem Lande. Doch schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts hätte es qualifizierte landtechnische Hilfsmittel gegeben. Bei den Geräten der Bodenbearbeitung, den Maschinen für Saat und Pflege, den Erntemaschinen sowie den zahlrei­chen Geräten und Maschinen der Innenwirtschaft waren teilweise revolutionäre Fortschritte gelungen. So ermöglichten beispielsweise Eisenpflüge im Vergleich zu den traditionellen Holzpflügen eine intensivere Bodenbearbeitung, was allein schon die Arbeitstiefe zeigte. Geradezu revolutionär stellte sich die Situation bei der Getreideerntetechnik dar, wobei vor allem amerikanische Kons­trukteure wie McCormick die Entwicklung vorantrieben. Nach mit einem Gespann gezogenen Mähmaschinen folgten Getreidemäher mit Selbstablage und die selbstbindende Mähmaschine, der Bindemäher. Mehr noch wurde der Dampfpflug zum Aushängeschild der mechanisierungswilligen Landwirtschaft Ausgangs des 19. Jahrhunderts. Seine wirtschaftliche Bedeutung blieb aber auf Großbetriebe begrenzt.

Hatte Nikolaus August Otto 1876 den ersten praxisreifen Viertaktmotor für flüssige Brennstoffe vorgestellt, so dauerte es doch fast ein Vierteljahrhundert, ehe der Einsatz von Verbrennungsmotoren in der Landwirtschaft wirksam wurde. Ausgehend von Nordamerika gelang der Sieg des so genannten Traktors über die Dampfmaschine erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts.

Traktor zur Leitmaschine

Zur wichtigsten Leitmaschine der landtechnischen Entwicklung nach 1945 wurde der Traktor, dessen Produktionszahlen in den 1950er und 1960er Jahren explodierten. Die Entwicklung im Traktorenbau seit dem 2. Weltkrieg steht repräsentativ für den Weg der Landwirtschaft insgesamt. Hatte man es anfangs mit Schleppern mit 12 bis 15 PS Leistung zu tun, so ging die Entwicklung bald hin zum leistungsstarken, mit Beleuchtung, Hydraulik und Kabine ausgestatteten Großtraktor. Als zweite landwirtschaftliche Leitmaschine hat sich in der Nachkriegszeit der Mähdrescher etabliert. Zunächst in der vom Traktor gezogenen Variante mit Zapfwellenantrieb und ab Mitte der 1950er Jahre als Selbstfahrer entwickelte er sich zur bestimmenden Maschine der Getreideernte. Hydraulisch zusammenklappbares Schneidwerk für große Arbeitsbreiten, Korntank und Hangausgleich waren seine weiteren Entwicklungsstufen.

Neben der Mechanisierung ganzer Arbeitsketten, der Entwicklung von Vollerntern beispielsweise zur Kartoffel- und Zuckerrübenernte, der Mechanisierung der Halmfutterernte und der Stallarbeiten ist die landtechnische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, so Herrmann abschließend, durch vermehrten Einsatz von Kunststoffen und den Vormarsch der Elektronik geprägt. Insbesondere beim Pflanzenschutz und der Gülleausbringung ermögliche dies exaktes und umweltschonendes Arbeiten.

Langjährige Mitglieder geehrt

Bei seinem Jahresbericht im Rahmen der Jahreshauptversammlung vor dem Landtechnikvortrag stellte FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch fest, dass 2009 ein breites Spektrum von Fachveranstaltungen stattgefunden hätte. Die Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 150-jährigen Bestehens der FLV im Frankfurter Römer sei „eine gute und eindrucksvolle Demonstration des Wirkens des Vereins“ gewesen. Nach den Vereinsregularien und der Vorstellung der vorgesehenen Veranstaltungen fanden Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft und Mitarbeit am Vereinsleben statt. Für 50-jährige Mitgliedschaft erhielten Urkunden und Medaillen in Gold Peter Sulzbach, Oberursel, Oswald Kunz, Eschborn, Armin Krausgrill, Frankfurt/M., und Günter Engel, Sulzbach, für 40-jährige Mitgliedschaft Urkunden und Medaillen in Silber Günter Frankenbach, Oberursel, und Heinrich Burger, Maintal, sowie für 25-jährige Mitgliedschaft in Bronze Karl August Kliem, Karben. Eine besondere Ehrung wurde Oskar Winfried Kunz, Eschborn, für 60 Jahre Vereins­zugehörigkeit zuteil.