Lieber ein guter Streit als schlechte Harmonie

Bestehende Störungen in der Beziehung beheben

Ostern ist eines der großen Feste im Jahreslauf, reich an Symbolik für Tod und Wiederauferstehung. Große Feste laden dazu ein, harmonisch im Kreis der Familie zu feiern und so die Liebe gefestigt zu sehen. Was aber, wenn die Liebe nicht lebendig ist? Peter Jantsch, Diplom-Agraringenieur und systemischer Coach, ermutigt im Folgenden dazu, etwas zu wagen, nämlich einen guten Streit, um der Beziehung zu etwas Auferstehung zu verhelfen.

Es besteht Redebedarf. Das sollte man nicht aufschieben.
Foto: imago images/Andreas Krohne

Andrea bereitet das Osterfrühstück vor. Gleich werden Dirk und seine Eltern aus dem Stall kommen, die Kinder aus ihren Zimmern. Die Familie liebt das Osterfrühstück und Andrea bemüht sich, den Tisch besonders festlich zu decken. Dirk wird es freuen. Er wird glücklich auf den Ostertisch und seine große Familie blicken. Dabei ist Andrea schon seit Wochen enttäuscht und wütend auf Dirk. Seit der Stall gebaut wird, gibt es keinen Moment mehr, in Ruhe mitei­nander zu reden. Dabei gäbe so vieles zu klären und gemeinsam zu besprechen. Stattdessen wortloses Nebeneinander. Und jetzt ist Ostern. Andrea legt ein Marzipan-Herz auf Dirks Teller. „Auferstanden von den Toten“ singt es aus dem Radio. Halleluja.

Schweigen kann viel bedeuten

Wenn in einer Beziehung verletzender Streit oder ratloses Schweigen herrscht, ist das ein Zeichen dafür, dass im Fundament der Beziehung etwas fehlt. Schweigen kann einvernehmliches Verständnis ohne Worte sein. Schweigen kann aber auch vorwurfsvoll, trotzig oder bestrafend sein, aus eigener Verletzung heraus oder weil man beleidigt ist. Schweigen kann man auch aus Angst vor einer Auseinandersetzung.

 – LW 16/2019