Maiszünsler mit welchen Strategien bekämpfen?

Informationsveranstaltung von LLH und WBV in Amöneburg

„Strategien zur Maiszünslerbekämpfung“ lautete das Thema einer gemein­samen Veranstaltung des Wasser- und Bodenverbandes Marburger Land mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, dem Pflanzenschutzdienst Hessen und den Organisationen der überbetrieblichen Maschinenverwendung in der vergangenen Woche in Amöneburg-Radenhausen.

Genügend Abstand zwischen dem Fahrgestell und den Maispflanzen ist wichtig. In hohen Maisbeständen werden große Durchfahrhöhen und hoch ausfahrbare Spritzgestänge benötigt.
Foto: Ernst-August Hildebrandt

Rund 50 Teilnehmer verfolgten dazu in der Verbandshalle des WBV „Marburger Land“ den Vortragsteil des Feldtag, den sich parktische Maschinenvorführun­gen anschlossen. LLH-Direktor Andreas Sandhäger, Hans-Dieter Levihn, Präsident des Lohnunternehmerverbandes Hessen und Wer­ner Metke, Verbandsvorsteher des WBV, machten deutlich, dass mit verstärktem Maisanbau vor allem im Bereich der sich ausweitenden Biogasanlagen auch der Maiszünsler eine weitere Ausdehnung erfahren habe, die begünstigt durch bessere Klima­be­dingun­gen immer ausgefeiltere Be­kämpfungsstrategien erfordere. Da gentechnische Lösungen durch eine breite Mehrheit der Gesellschaft abgelehnt werden und somit keine gentechnisch herbeigeführten Maiszünslerresistenzen zum Einsatz kommen dürften, blieben nur Maßnahmen des Ackerbaus und des Pflanzenschutzes, die nach dem neuesten Stand der Möglichkeiten vorgestellt werden sollten.

Schädling auf dem Vormarsch

Michael Lenz vom Pflanzenschutzdienst Hessen beim Regierungspräsidium Gießen referierte über das Gefährdungspotenzial und Behandlungsstrategien beim Maiszünsler. Während der Maiszünslerbefall in den 90er Jahren auf klimatische Gunstlagen in süddeutschen Landesteilen beschränkt war, hat sich der Schädling inzwischen über ganz Deutschland ausgebreitet. Neben Veränderungen zu einem deutlich besseren Klima sieht Lenz auch einen stärkeren Maisanbau – besonders in Regionen mit neu eingerichteten Biogasanlagen – als Ursachen für den Vormarsch des unscheinbaren zimtbraunen bis zu 3 cm großen nachtaktiven Falters, der, abhängig von warmer Witterung, von Mitte Juni bis Ende Juli an den Blattunterseiten des Mais jeweils 12 bis 35 Eiern ablegt, die gerade noch mit freiem Auge zu er­kennen sind. Je nach Temperaturverlauf schlüpfen nach 4 bis 12 Tagen die weißlich-gelben bis gräulichen Larven mit schwarzem Kopf, die sich in das Innere des Stängels oder Kolbens bohren und sich in der Pflanze von oben nach unten fressen. Da die Halmknoten Fraßbarrieren darstellen, bohren sich die Larven nach außen, um unterhalb des Knotens durch ein weiteres Bohrloch wieder in den Stängel einzuwandern, bis sie schließlich die Halmbasis erreicht haben und hier als 2,5 bis 3 cm lange Larve überwintern. Im Mai findet dann die Verpuppung statt.

Warme Witterung begünstigt

Nach circa vier Wochen kommt es zum Schlupf der neuen Zünsler-Generation. Neueste Erkenntnisse im Badischen Raum zeigen, dass dort inzwischen zwei Zünsler-Generationen pro Jahr die Maisbestände befallen, in Frankreich sollen sogar drei Generationen auftreten und die Wirtschaftlichkeit des Maisanbaus in Frage stellen. Zwei bis vier Larven pro Pflanze können im Körnermais Ertragsverluste von 20 bis 40 Prozent zur Folge haben. Die Befallstärke ist allein von den klimatischen Bedingungen des Sommers abhängig. Kühl und nass bedeutet kaum registrierbare Schä­den durch geringe Maiszünslerpopulationen und eingeschränk­ten Zünslerflug, Eiablage und Lar­venentwicklung, während war­me und trockene Bedingungen (sowie in diesem Jahr) ideale Voraussetzungen für ein Maiszünslerjahr sind.

Prognoseverfahren

Zur Maiszünslerbekämpfung setzt der Pflan­zenschutzdienst ein Monitoring- und Prognoseverfahren ein, das die Bestimmung des optimalen Bekämpfungstermins mit Tricho­gramma-Schlupfwespen oder dem einzigen zugelassenen Insektizid „Steward“ zum Ziel hat. Anhand von Temperatursummen, Lichtfallen, Pheromonfallen und Schlupfkäfigen werden der Flugbeginn, der Flughöhepunkt und der Larvenschlupf fest-gestellt und über den Pflanzenschutzwarndienst Bekämpfungshinweise gegeben.

Lenz zieht aus den bisherigen Beobachtungen und Erfahrungen das Fazit: starker Befall entwickelt sich häufig aus unbehandelten Monomais-Einzelflächen, an warmen und flachgründigen Südhang­lagen sowie auf schweren, nicht pflügbaren Böden mit Körnermaisanbau und auf Berg- und Hügelplateaus.

Schwacher Befall tritt hingegen auf, wenn nach der Maisernte eine optimale Stoppelbe-arbeitung (mulchen) durchgeführt wurde, eine konsequente Bodenbearbeitung mit dem Plug (25 cm) durchgeführt wird und der Anbau in Höhenlagen oder Wiesengründen mit feuchten und kühlen Abenden oder Nächten durchgeführt wird.

Ackerbauliche Maßnahmen

Michael Lenz vom Pflanzenschutzdienst Hessen erläuterte am Schlupfkäfig das Zünslermonitoring zur Prognose der günstigsten Bekämpfungszeitpunkte.
Foto: Ernst-August Hildebrandt

Zu den ackerbaulichen Maßnahmen der Maiszünslerbekämpfung nahm Dr. Marco Schneider vom LLH-Landwirtschaftszentrum Eichhof Stellung. Da die Lar­ven am Stängelgrund überwintern, komme es darauf an, die Maisstoppel so tief wie möglich abzuschneiden und zu zerkleinern, bzw. zu zerspleißen. Der Referent stellte anhand von Beispielen die gängige Technik vor und erläuterte deren Wirkung. Günstige Ergebnisse liefert der Schlegelmulcher, der in Kombination mit einer Scheibenegge und Mulchsaat eine vergleichbare Zünslerprophylaxe wie der Pflugeinsatz (25 cm) erreicht, aber 30 Prozent der Kosten einsparen kann. Schneider weist darauf hin, dass Schlegelmulcher häufig von Maschinenringen oder Lohnunter­nehmern angeboten werden und zur Zerkleinerung der Stängel un­bedingt eingesetzt werden sollten. Um auch die Stoppel zu erreichen, die sich den Geräten durch Radspuren entziehen wird vorgeschlagen, die Zerkleinerungseinrichtungen direkt mit dem Maisge­biss des Ernters zu kombinieren. Ob dies technisch umsetzbar ist, bleibt abzuwarten.

Technische Anforderungen

Problematisch bei der Insektizid-Behandlung des Maises ist die Wuchshöhe der Pflanzen während der erforderlichen Applikationszeiten. Da die Pflanzen zum Termin des Larvenschlupfs bis zu zwei m hoch sein können, scheiden die üblichen Anbau- und Anhängespritzen wegen zu geringer Durchgangshöhen aus. Vier Hersteller von Selbstfahrspritzen erläuterten die Möglichkeiten und Vorzüge ihrer Fahrzeuge mit Brühebehältern bis zu 12 000 Litern und Gestängebreiten bis zu 42 m. Die Geräte wurden am Nachmittag auch im Feldeinsatz gezeigt. Die Firmen AGCO-Challenger, Bräutigam, Hardi und Dammann zeigten aus der breiten Palette ihrer Selbstfahrspritzen die neuesten Typen mit sehr umfangreichen technischen Ausstattungen. AGCO-Challenger stellte den neuen Typ Rogator 600 mit einem 4 000 Liter Aufbaubehälter und 36-m-Spritzgestänge vor. Die Maschine kann auf verschiedene Spurweiten von 1,80 bis 3,05 m und Überfahrhöhen zwischen 75 cm bis 1,40 m eingestellt werden. Die selbstfahrende Pflanzenschutz­spritze Hydrotrac Typ 200-40 von der Firma Bräutigam verfügt über drei lenkbare Antriebs­achsen und einen Brühebehälter von 10 000 Li­tern. Bei der Feldvorführung war sie mit einem 30 m Spritzgestänge ausgerüstet. Das Trägerfahrzeug kann auch für andere Auf­bauten wie Düngerstreuer etc. verwendet werden. Der Alpha Vari Trac von der Firma Hardi verfügte beim Feld­tag als Sonderausstattung über ein Luftstrahl unterstütztes Spritzgestänge, das bei höheren Fahrgeschwindigkeiten oder bei Wind exaktere Applikationsergebnisse zur Folge hat. Der Highlander der Firma Dammann verfügt über hydraulisch einstellbare Spurweiten von 2,25 m bis 3,05 m und variable Über­fahrhöhen bis zu 1,80 m. Durch die Hubeinrichtung ist es möglich, bei Hangfahrten einen Nivellierausgleich zu aktivieren, der das Trägerfahrzeug in Waage hält. Das Spritzgestänge wird wie beiden anderen Vorführfahrzeugen durch eine Automatik immer in der voreingestellten Höhe parallel zum Bestand geführt. Alle Selbstfahrsprit­zen sind in der Regel mit GPS-geführte Teilbreitenschaltungen ausgestattet und kön­nen den verschiedensten Kunden­­wünschen angepasst werden. Generell werden hydrostatische Fahrantriebe mit mehreren Geschwindigkeitsstufen bis zu 40 km/h, Allradlenkungen, zum Teil auch mit Hundeganglenkungen angeboten. Dr. Hildebrandt, LLH