Regen ist durch nichts zu ersetzen

Beregnung im Hessischen Ried läuft auf vollen Touren

Das Hessische Ried zwischen Rhein und Odenwald gehört zu den niederschlagsarmen und warmen Regionen Deutschlands. Inmitten dieser flachen ehemaligen Auen-Landschaft bewirt­schaften Werner und Mario Wald einen Ackerbaubetrieb mit Getreide- und Erbsenvermehrung sowie Raps- und Zuckerrübenanbau. Die Beregnungstechnik stellt vor allem in Jahren wie diesem einen wichtigen Faktor zur Ertragssicherung dar.

Auch im Getreide wird bei Werner Wald in diesem Jahr trotz hohem Aufwand beregnet.

Foto: Becker

Der Vorstufenvermehrungs-Betrieb Werner und Mario Wald GbR bewirtschaftet in Riedstadt-Leeheim 360 ha lehmige Tonböden mit 50 bis 65 Bodenpunkten komplett pfluglos. Vermehrt werden Braugerste, Erbsen, Wintergerste und Winterweizen; weitere Fruchtfolge­glieder sind Raps, Zuckerrüben und im Flächentausch mit einem benachbarten Gemüsebaubetrieb Zwiebeln. Im Ried fallen weniger als 500 mm Niederschlag pro Jahr, die Durchschnittstemperatur liegt bei 10,8 °C und die Sommertemperaturen sind sehr hoch bei ausgeprägter Vorsommertrockenheit.

Geringe Niederschläge und gesunkene Grundwasserstände

„Mit geringen Niederschlägen hatten wir im Ried schon immer zu kämpfen, aber als in den sechziger Jahren der Grundwasserspiegel durch die Entnahmen der Kommunen und der Industrie absank, wurde im Rahmen der Flurbereinigung ein Beregnungsverband gegründet. Ausgestattet mit Wasserrechten wurden im Abstand von etwa 180 Metern über 100 Bohrungen vorgenommen. Diese bis 14 m tiefen Brunnen mit einem Durchmesser von 60 cm werden von uns bis heute genutzt.“

Natürlich haben im Laufe der Zeit immer wieder Ersatzbohrungen durchgeführt werden müssen, in diesem Jahr beispielsweise schon an neun Stellen, wo die alten Brunnen nicht mehr funktionstüchtig seien. In das Bohrloch kommt dann ein Filterrohr mit 30 cm Durchmesser, der Zwischenraum wird mit Schotter gefüllt. Die Wasserentnahme erfolgt mit einem Saugrohr in sechs Meter Tiefe.

„Das entnommene Grundwasser kommt hauptsächlich vom im Osten gelegenen Odenwald und fließt von dort in Richtung Rhein ab, der bei niedrigem Pegelstand das Grundwasser regelrecht unter dem Ried abzieht“, so Wald.

Trockenheit bringt Beregnung an ihre Grenzen

„Der Deutsche Wetterdienst, der auf unseren Flächen einige Messstationen betreibt, hat für dieses Jahr – also Januar bis Anfang Juni – ein Niederschlagsdefizit von 255 mm gegenüber normalen Jahren ermittelt. Das kann man auch mit Beregnungsgaben nicht ausgleichen“, betont Wald. Ürsprünglich sei die Beregnungstechnik für die Zuckerrübenproduktion angeschafft worden, aber in den letzten Jahren wurde auch immer öfter Getreide beregnet.

„Grundsätzlich sind alle unsere Flächen beregnungsfähig, aber auch das hat seine Grenzen. Die Pumpen müssen betankt und die Regner zweimal täglich umgesetzt werden. Die Betreuung, Wartung und Pflege der Geräte sowie immer wieder auftretende Defekte machen die Beregnung sehr arbeits- und kostenintensiv. In diesem Jahr ist ein Mitarbeiter ausschließlich damit beschäftigt, die Beregnung am Laufen zu halten.

Wir geben deshalb fast nur unseren Weizenflächen in arrondierten Lagen Zusatzwasser. Schwerpunkt der Beregnung sind aber immer noch Zuckerrüben und die Erbsen. Das beste Beregnungsjahr ist immer noch das, in dem nicht beregnet werden muss, auch wenn dann natürlich weiterhin Kosten für die Finanzierung beziehungsweise Abschreibungen entstehen“, stellt Wald fest.

Die laufenden Kosten betragen rund 100 Euro pro Hektar für eine Gabe

Zu den Kosten führt Wald aus, dass neben den Investitionskosten von rund 25 000 Euro für einen Großregner 25 bis 27 Cent pro m3 Wasser zu Buche schlagen. Sechs Großregner laufen zurzeit im Betrieb. Ein Pumpenaggregat (Dieselmotor + Pumpe) wird mit rund 15 000 Euro veranschlagt; fünf davon sind im Betrieb, ein Regner muss daher bei Bedarf an die Ringleitung des Wasseraufbereitungswerkes Biebesheim angeschlossen werden. Für eine Beregnungsgabe von 30 mm/m2, das sind 300 m3 Wasser pro Hektar, rechnet Wald mit Kosten von rund 100 Euro inklusive Dieselverbrauch zum aktuellen Agrardieselpreis.

Der Diesel treibt mobile Pumpaggregate an, welche die Beregnungsmaschinen mit Wasser unter 8 bar Druck versorgen. Dieser Wasserdruck bewegt auch den Einzug des Regners über die Schlauchtrommel.

In Zuckerrüben ist die Beregnung am effektivsten.

Foto: Becker

Die gleiche Sorte im LSV auf dem Betrieb Wald links ohne und rechts mit Beregnung.

Foto: Becker

Ein anderes Abrechnungsmodell habe der benachbarte Bensheimerhof von Karl-Heinrich Kraft, mit dem Wald eng zusammenarbeitet. Hier erfolgt die Beregnung über die im Boden verlegte Ringleitung des Wasseraufbereitungswerkes Biebesheim, die zentral mittels einer Elektropumpe mit Druck versehen wird. Vergütet wird dies durch 50 Euro/ha Fixkosten und im Durchschnitt 16 Cent/m3 Wasser. Das 1989 gebaute Aufbereitungswerk, das Rheinwasser fast auf Trinkwasserqualität aufbereitet, stellt neben knapp 40 Mio. Kubikmetern Wasser für die Infiltration zur Anhebung des Grundwasserspiegels auch 5 Mio. m3 über die Ringleitung zur Beregnung von etwa 6000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche bereit.

Nächtliche Beregnung verringert die Wasserverluste

Wie Wald auf einem Rübenschlag erklärt, braucht der Regner für einen Hektar etwa zehn Stunden. Dabei legt er bei einer Wurfweite von gut 80 m 13 m Strecke/h zurück, indem er vom Schlauchwagen am Schlauch eingezogen wird. Wald: „Bei der gegenwärtigen Wetterlage muss man besonders auf die Windrichtung achten, denn der überstrichene Bereich wird dadurch stark verformt.“ Außerdem komme bei Hitze verbunden mit stetigem Wind ein Teil, des Beregnungswassers gar nicht erst an der Wurzel an. „Wir beregnen daher gerne nachts, dann ist auch der Temperaturunterschied zwischen Wasser und Pflanze nicht so groß.“

Angestrebt wird, jährlich etwa 70 mm Zusatzwasser zu geben, was bedeutet, dass jede Fläche zweimal beregnet werden muss. „Im aktuellen Anbaujahr müssen wohl eher 100 mm angepeilt werden. Bis jetzt haben wir zweimal 35 mm gegeben und es ist wohl noch eine dritte Gabe angezeigt“, so Wald.

Entwässert werden die Flächen über ein Grabensystem zum Rhein hin. Diese Gräben können über Schieber aufgestaut oder abgelassen werden. Im Januar hatte man wegen der Überflutung etlicher Schläge noch die Schieber geöffnet. „Im Nachhinein wären wir jetzt froh, noch einiges von diesem Wasser in den Gräben zu haben, aber hinterher ist man immer schlauer“.

Es kann auch nach hinten losgehen

Der Betriebsleiter weist aber auch darauf hin, dass die Beregnungstechnik nur helfen kann, Versorgungslücken zu schließen: „Wenn kein Regen kommt, war auch die Beregnung letztendlich für die Katz´, beziehungsweise hat zusätzliches Geld gekostet, vor allem im Getreide. Bei Rüben kann man eher noch was retten.

Wir haben schon erlebt, dass Weizenbestände in einem Trockenjahr dreimal beregnet wurden und dadurch zunächst gut da standen, letztendlich aber doch eingebrochen sind und wegen mangelnder Wurzelausbildung noch weniger Ertrag brachten als unberegnete Schläge“. KB