RWZ gewinnt Marktanteile im Agrargeschäft

Preisbedingt etwas niedrigerer Umsatz

Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG (RWZ) ist mit dem Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres recht zufrieden. Entsprechend äußerte sich der RWZ-Vorstandsvorsitzende Hans-Josef Hilgers letzte Woche auf der Bilanzpressekonferenz in Köln. Der Umsatz des Handelsunternehmens lag 2014 mit 2,5 Mrd. Euro zwar um 6,9 Prozent niedriger als im Jahr zuvor. Dies sei allerdings auf die niedrigeren Preise zurückzuführen, erläuterte Hilgers.

Der Mengenabsatz sei dagegen um 3,8 Prozent gestiegen, so dass die RWZ zusätzliche Marktanteile insbesondere bei Düngemitteln, Pflanzenschutz, Getreide/Ölsaaten und Kartoffeln gewonnen und damit ein wichtiges Unternehmensziel erreicht habe.

Leicht gestiegen ist auch die Eigenkapitalquote, und zwar auf 22 Prozent, bei einer Bilanzsumme von 610 Mio. Euro und 133 Mio. Euro Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote ist Dauerthema bei der drittgrößten Agrarhauptgenossenschaft, weil sie im Jahre 2002 auf einem Tief von 10 Prozent stand. Bei der immer noch relativ niedrigen Quote müsse man beachten, dass das Unternehmen über ein hohes Umlaufvermögen (370 Mio. Euro) verfüge, das sich in Form von Pflanzenschutzmitteln, Dünge- und Futtermitteln leicht veräußern lasse, so Hilgers.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag bei 9,3 Mio. Euro, nach Einkommens- und Ertragssteuern verbleibt ein leicht über dem Vorjahr liegender Jahresüberschuss von 5,4 Mio. Euro. Die im Handel sehr niedrigen Umsatzrenditen verzeichnet demnach auch die RWZ. Das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz liegt laut Hilgers bei knapp 0,4 Prozent.

70 Prozent des Umsatzes mit Agrargütern

Die RWZ ist nach wie vor ein Agrarhandelshaus, das rund 70 Prozent des Umsatzes im Landwirtschaftsgeschäft erzielt. Im Handel mit Düngemitteln dehnte das Unternehmen seinen Mengenabsatz um 40 000 Tonnen auf 758 500 Tonnen aus. Wertmäßig lag der Umsatz mit 177 Mio. Euro auf dem Vorjahresniveau. Das Düngemittelgeschäft ist heikel, wie Hilgers darstellte. „Wir müssen im Herbst einlagern und verkaufen erst im Frühjahr.“ In der Zwischenzeit können sich die Preise erheblich ändern. Allerdings steigen sie seit dem Frühjahr 2014. „Wir haben aber auch Jahre gehabt, in denen wir Geld verloren haben“, so der RWZ-Vorstand.

Mit einem deutlichen Umsatzzuwachs von 8,8 Prozent auf 146 Mio. Euro entwickelte sich das Pflanzenschutzgeschäft laut Hilgers ebenfalls sehr zufriedenstellend. Das Saatgutgeschäft schloss mit einem Umsatz von 46,2 Mio. Euro in etwa auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Im Futtermittelgeschäft fiel der Mengenabsatz um 18 Prozent auf 750 000 Tonnen und wertmäßig um rund 20 Prozent auf 232 Mio. Euro.

Erntebedingter Rückgang beim Kellereibedarf

Im Geschäftsfeld Weinbau-/Kellereibedarf machte sich die geringe Weinernte im Jahr 2013 bemerkbar. Die RWZ verkaufte in Folge weniger Flaschen und Ausrüstungsgegenstände bei gleichzeitig sinkenden Preisen für Glas und Stahl. Der Umsatz ging so um 10 Prozent auf 65,3 Mio. zurück. Im Profi-Gartenbau hat die RWZ nach eigenen Angaben ebenfalls Marktanteile gewonnen und den Umsatz um 2,2 Prozent auf rund 32 Mio. Euro gesteigert. Das Geschäft mit Agrartechnik wuchs im vergangenen Jahr weiter, und zwar um 3 Prozent auf 238 Mio. Euro. Dabei wurden laut Hilgers etwa Tausend Traktoren der Marken Fendt, Claas und Massey Ferguson verkauft.

Erstmals 1. Mio. Tonnen Getreide in der Ernte erfasst

Tonnagemäßig spielt bei der RWZ das Getreidegeschäft die größte Rolle. Hier dehnte das Unternehmen die Menge auf 2,63 Mio. Tonnen aus und setzte damit 557 Mio. Euro um, 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie Hilgers erläuterte, hat die RWZ viel Geld in die Getreideerfassung gesteckt, unter anderem auch in Worms. „Wir investieren in Anlagen, die fünf Tage, also in der Erntespitze voll genutzt werden“, machte Hilgers deutlich. Ziel sei es, dass die Landwirte und Kunden zügig abladen können und das Getreide schnell in die Lager kommt. Zum Ausdruck kommt die schnelle Annahme auch darin, dass die RWZ im vergangenen Jahr in der Ernte erstmals 1 Mio. Tonnen Getreide erfasst hat.

Das Kartoffelgeschäft habe unter dem Einfluss einer absoluten Rekordernte gestanden, so der RWZ-Vorstand. Die deutsche Kartoffelernte lag mit 11,5 Mio. Tonnen fast 19 Prozent über Vorjahresniveau. Für das Anbaujahr 2015 rechnet die RWZ, nach eigenen Angaben größter Kartoffelhändler Europas, mit einer Flächeneinschränkung von 4 bis 5 Prozent und mit Vertragspreisen, die rund 10 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.

Im Holzhandel hat die RWZ ihren Absatz mit rund 240 000 Festmetern um 14 Prozent gesteigert. Das entspricht laut Hilgers der Ladung von 100 00 Lastzügen und einem Betrag von 18 Mio. Euro.

Die kauffreudigen Konsumenten und die mittlerweile extrem attraktiven Finanzierungsbedingungen für Investitionen sind weiter bestimmend für das Baustoffgeschäft. So lagen die Umsätze im Baustoffhandel mit 72,4 Mio. Euro exakt auf dem bereits hohen Niveau des Vorjahres. Insgesamt erzielte der Geschäftsbereich Märkte einen Umsatzzuwachs um 1,6 Prozent auf 77 Mio. Euro.

Leitungsgebundene Energie mittlerweile ein Standbein

Im Geschäftsfeld Energie setzte die RWZ aufgrund des milden Winters mit 540 Mio. Euro 5 Prozent weniger um als im Jahr zuvor. In der Menge belief sich der Rückgang lediglich um 1,2 Prozent auf 658 000 Tonnen. Zu einer mittlerweile tragenden Säule entwickelte sich laut Hilgers das Geschäft mit regenerativen Energien. So habe die RWZ gemeinsam mit ihren Primärgenossenschaften die Direktstromvermarktung unter der Marke „Landstrom“ flächendeckend im gesamten Vertriebsgebiet ausgebaut. Darüber hinaus bietet die RWZ seit kurzem unter dem Begriff „Landgas“ auch leitungsgebundene Energie an.

Der Wandel der Genossenschaft

Die RWZ war früher reiner Großhändler. Mittlerweile werden nur noch 12 Prozent des Umsatzes im Großhandel erzielt, der Rest wird in rund 200 Standorten im Direktgeschäft getätigt. Gab es in den achtziger Jahren noch rund 850 Mitglieder, sind es derzeit laut Hilgers noch rund 140. Seit drei Jahren können auch landwirtschaftliche Betriebe Mitglieder der Genossenschaft werden.

Organisch weiter wachsen und Rendite steigern

Für das laufende Jahr strebt die RWZ nach Angaben von Hilgers ein weiteres organisches Wachstum und gezielt Zukäufe an, um mindestens 5 Prozent in der Menge zu wachsen. Gesteigert werden soll auch die Umsatzrendite. Mit Blick auf das laufende Jahr konnte Hilgers im ersten Quartal 2015 eine Umsatzsteigerung von 1,5 Prozent vermelden, vor allem bei Energie, Pflanzenschutz, Technik und Saatgut/Holz. Hilgers sieht das Handelsunternehmen in einer „Sandwich-Position“ zwischen den Erzeugern und der verarbeitenden Industrie. Beide würden gerne direkt Geschäfte miteinander machen. „Deshalb müssen wir besser sein.“

Untersuchungen des Bundeskartellamtes

Die RWZ ist wie die anderen Hauptgenossenschaften sowie einige große Händler Ziel von Untersuchungen des Bundeskartellamtes. Es geht um den Verdacht auf verbotene Preisabsprachen beim Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln (LW Nr. 11). Zum Verfahren wollte sich Hilgers nicht äußern. Er gab allerdings den allgemeinen Hinweis, dass gerade bei Pflanzenschutzmitteln ein sehr großer Wettbewerb herrsche, was in den niedrigen Margen beziehungsweise einer niedrigen Umsatzrendite zum Ausdruck komme.

CM – LW 17/2015