Schlachthof Büdingen Bio-zertifiziert

Bio-Tiere werden in eigenem Arbeitsgang geschlachtet

Bio-Tierhalter im Wetteraukreis profitieren davon, dass sich die Modellregion Ökolandbau Wetterau für die Vermarktung von Bio-Fleisch einsetzt. Kürzlich hat der genossenschaftliche Schlachthof in Büdingen sein Bio-Zertifikat für die Schlachtung von Rindern, Schweinen und Schafen erhalten, wie der Landkreis Wetterau mitteilt.

Einige Bio-Tierhalter aus der Wetterau und den benachbarten Landkreisen nutzen den genossenschaftlichen Schlachthof Büdingen bereits. Wöchentlich werden dort bis zu 15 Bio-Tiere geschlachtet. Bislang musste der Schlachthof als Lohnschlachtbetrieb jeweils einzeln bio-zertifiziert werden. Mit einem Öko-Zertifikat für den Schlachtbetrieb werden die Bio-Landwirte von Bürokratie entlastet. Dass langfristig die Zahl der geschlachteten Bio-Tiere zulegt, erwarten die Betreiber der Schlachthausgenossenschaft Büdingen eG und Mathias Walther, Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent. Derzeit wird zudem in der Ökomodellregion ein Projekt rund um die regionale Fleischvermarktung bis in die Außerhausverpflegung von Kitas und Schulmensen vorangetrieben, wie aus der Pressemitteilung hervorgeht.

Verbraucher interessieren sich verstärkt dafür, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie diese verarbeitet werden. Hier spielt die Zertifizierung eine Schlüsselrolle für Fleischerzeugnisse in der transparenten Abbildung von regionalen Wertschöpfungsketten.

„In regionalen Netzwerken aus Landwirten, handwerklichen Verarbeitern wie dem Schlachthof und Verbrauchern können wir verlässliche Absatzwege für lokale Fleischqualitäten schaffen, die nach höchsten Tierwohlkriterien in der Wetterau erzeugt werden“, sagt Walther.

Claudia Zohner, Koordinatorin der Modellregion Ökolandbau Wetterau, betreute die Metzgermeister Heiko Nagel, Klaus Frühling und den kürzlich verstorbenen Gerd Jöckel der Schlachthausgenossenschaft Büdingen eG bei der Vorbereitung und Umsetzung der Bio-Kontrolle. Die Zertifizierung eines Schlachtbetriebs nach Ökorichtlinien beinhaltet die Sicherstellung, dass die Bio-Tiere in einem eigenen Arbeitsgang, getrennt von konventionellen Tieren, geschlachtet und verarbeitet werden. Dies wird durch die Erstellung von Ablaufschemata, genauer Dokumentation und Kennzeichnungen der Schlachtpartien sowie der Gerätschaften und Bereiche, die ausschließlich für Bio-Tiere angedacht sind, gewährleistet. Zum morgendlichen Arbeitsbeginn werden zuerst die Tiere, die nach ökologischen Richtlinien gehalten wurden, geschlachtet. Danach folgen die konventionell aufgezogenen Tiere. Nach Beendigung der Arbeiten erfolgt die obligatorische Grundreinigung der Schlachträume.

„Die Bio-Landwirte transportieren ihre Tiere nach Absprache am Vortrag der Schlachtung nach Büdingen. Wir verfügen über Stallungen auf dem Betriebsgelände, das Futter stellen die Halter. Zwei gekennzeichnete Boxen stehen für die Bio-Nutztiere zur Verfügung“, erklärt Metzgermeister Heiko Nagel.

Mittelständischer und leistungsfähiger Betrieb

Der Schlachthof Büdingen wurde 1895 von der eigens dafür gegründeten Genossenschaft erbaut. Acht Genossen, darunter drei aktive Metzgerbetriebe, bilden gegenwärtig die Genossenschaft. Die Schlachthausgenossenschaft Büdingen betreibt einen mittelständischen und leistungsfähigen Betrieb zur tierschutzgerechten Schlachtung, der die strengen EU-Hygienevorschriften erfüllt. Der Schlachthof ist einer der letzten größeren Lohnschlachtbetriebe zwischen Fulda und Aschaffenburg. Mit dem neuen Angebot der zertifizierten Bio-Dienstleistungsschlachtungen wird die Schlachtstätte in Büdingen für weitere ökologisch wirtschaftende Betriebe attraktiv. Interessierte Landwirte können sich mit dem Fleischermeister Klaus Frühling unter 06042/2130 oder metzgereifrueling@t-online.de in Kontakt setzten.

LW – LW 28/2019