Schwache Erträge und niedrige Rohproteingehalte
Landessortenversuche Sojabohne 2025
Die Sojabohne bleibt in Deutschland ein Exot, der sich bisher auf die wärmeren Lagen in Süddeutschland konzentriert, jedoch mit einer langsamen Ausweitung in die nördlichen Bundesländer. Die Züchter bringen Sorten auf den Markt, die auch unter kürzeren Vegetationsperioden und kühleren Temperaturen anbauwürdig sind. Dr. Benjamin Klauk vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen erläutert die Ergebnisse der Landessortenversuche (LSV).
Foto: Klauk
Die Sojabohne ist die einzige Leguminose, die weltweit zu den fünf Kulturen mit der größten Anbaufläche gehört. Ihre günstige Aminosäurenzusammensetzung und ihr hoher Proteingehalt machen sie unter anderem zu einem wichtigen Futtermittel, insbesondere in der Mast. Neben der Tierfütterung wird Soja in vielen Fleischersatzprodukten als wichtige Proteinquelle verwendet, um die wachsende Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen in der Humanernährung zu decken. Neben dem Protein wird auch das Öl der Leguminose genutzt, beispielsweise in der Industrie.
Potenziale der Sojabohne ausschöpfen
Seit 2010 ist die Anbaufläche in Deutschland kontinuierlich angestiegen, aktuell werden mehr als 40 000 ha kultiviert. Der Deutsche Sojaförderring zitiert eine Studie von Roßberg und Recknagel, in der unter Einbeziehung der Boden- und Klimaverhältnisse eine mögliche Anbaufläche von rund 787 000 ha in Deutschland beziffert wird. Die Studie kalkulierte eine theoretische jährliche Produktion von rund zwei Mio. t Sojabohnen. Es besteht folglich noch ein großes Potenzial für diese Kultur im deutschen Ackerbau.
Besonderen Reiz für den Anbau von Sojabohnen bieten die bestehenden Wertschöpfungsketten, die sich in den letzten Jahrzehnten etabliert haben und nicht erst aufgebaut werden müssten. Diese Wertschöpfungsketten werden jedoch hauptsächlich durch Importe bedient, sodass der heimische Anbau in direkter Konkurrenz zum Weltmarkt steht. Die Produktionsweise in Übersee ist geprägt von Kostendegressionen, die durch den Anbau gentechnisch veränderter Sorten in Kombination mit Totalherbiziden und Direktsaatverfahren erreicht werden. Solche Anbausysteme sind in Europa (bislang) gesellschaftlich und damit politisch unerwünscht, sodass europäische Landwirte andere Systeme heranziehen müssen.
Bei Betrachtung der Deckungsbeiträge ist die Sojabohne ohne innerbetriebliche Verwertung oder Prämien für GVO-freie Ware nicht konkurrenzfähig zu anderen Druschfrüchten. Eine Vermarktung über den Landhandel zu Weltmarktpreisen erscheint daher nicht attraktiv. Ein wichtiger Grund für die niedrigen Deckungsbeiträge ist die fehlende Nachbauregelung bei Sojabohnen, die zu hohen Saatgutkosten führt.
Neben den niedrigen Deckungsbeiträgen ist ein weiterer Grund für die geringe Anbaufläche in Deutschland die Zeit, die benötigt wird, um eine an die Umweltgegebenheiten angepasste Sortenbasis zu etablieren, die entsprechende Ertragspotenziale generieren kann. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl verfügbarer Sorten gestiegen, insbesondere im frühen und sehr frühen Segment. Es sind weitere Anstrengungen der Züchter zu erwarten, um auch für höhere Lagen Sorten bereitzustellen, die eine sichere Abreife bei ansehnlichem Ertrag garantieren.
Durch weiteren züchterischen Fortschritt und eine höhere Entlohnung für heimische, GVO-freie Ware in der Human- und Tierernährung könnte der Sojaanbau attraktiver gestaltet werden, um das Anbaupotenzial dieser Kultur in Deutschland weiter auszuschöpfen.
– LW 5/2026
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