Trockenheit bedingt frühe Gerstenernte

Ergebnisse der Öko-Landessortenversuche Wintergerste 2026

Der Anbau von Wintergerste spielt in vielen Ökobetrieben bisher keine tragende Rolle. Insbesondere für Betriebe mit innerbetrieblicher Verwertungsmöglichkeit als Futtergetreide ist sie dennoch eine interessante Kultur. Aber auch für Ackerbaubetriebe mit einer entsprechenden Futter-Mist-Kooperation beziehungsweise einer guten Vermarktungsmöglichkeit bietet die Wintergerste pflanzenbauliche Vorteile. Durch die generell frühere Abreife gegenüber anderen Getreidearten können Arbeitsspitzen in der Erntezeit entzerrt werden.

Starker Besatz der Versuchsparzellen mit Wicken, aufgenommen vor der händischen Entfernung am 10. Juni 2026.

Foto: Phieler

Die zeitige Ernte erlaubt zudem auch eine frühere Aussaat einer Zwischenfrucht, was der Etablierung eines Bestandes mit hohen Biomasseaufwüchsen durchaus zuträglich ist. Zur Regulierung von etwaigen Problem­unkräutern kann das Zeitfenster von der Ernte bis zur folgenden Saat auch für mehrere Bodenbearbeitungsgänge genutzt werden. Bei einer nicht zu späten Aussaat kann die Wintergerste in ihrer Vorwinterentwicklung noch freie Nährstoffpotenziale nach einer tragenden Vorfrucht wie mehrjährigem Klee- oder Luzernegras oder auch einer Körnerleguminose gut ausnutzen.

Aussaat, Düngung und Unkrautregulierung

Wintergerste kann ab Ende September mit Aussaatstärken von 300 bis 380 Körnern pro m2 (je nach Sortentyp (mz oder zz) und Zeitpunkt) ausgesät werden. Saatzeiten bis Mitte Oktober sind durch generell mildere Wetterlagen im Herbst durchaus möglich und bieten für Standorte mit einem gewissen Ungrasdruck auch pflanzenbauliche Vorteile. Ein gut abgesetztes Saatbett mit guter Befahrbarkeit ist ein Grundstein für einen erfolgreichen Gerstenanbau.

Hinsichtlich der Düngung ist die Gerste für eine Startgabe – Befahrbarkeit des Ackers vorausgesetzt – mit organischen Wirtschaftsdüngern mit einem gewissen Anteil an schnell pflanzenverfügbarem Stickstoff (Gülle, Gärrest) zu Vegetationsbeginn durchaus dankbar.

Zur Unkrautregulierung sollte, je nach Unkrautdruck auf der Fläche und vorherrschenden Boden- und Witterungsverhältnissen, ein oder eventuell auch zwei Striegeldurchgänge im Herbst eingeplant werden. Im Frühjahr sind die Unkräuter in den Gerstenbeständen oftmals schon zu weit entwickelt, um noch effektiv mit dem Striegel bekämpft werden zu können.

Marcel Phieler, LLH, Beratungsteam Ökologischer Landbau – LW 33/2026