Umweltverträglich und wirtschaftlich

VDLUFA-Kongress zur standortgerechten Landnutzung

Der jährlich wiederkehrende Kongress des Verbandes Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA) ist eine Plattform für die angewandte landwirtschaftliche Forschung in Deutschland. In diesem Jahr widmeten sich Mitte September etwa 350 Teilnehmer aus Wissenschaft, Untersuchungswesen, Beratung und Agrarverwaltung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Freising) dem Generalthema „Standortgerechte Landnutzung – umweltverträglich und wirtschaftlich“.

Der Kongress beinhaltete Plenartagung und Workshop und wurde durch mehrere öffentliche Sitzungen abgerundet, in denen Ergebnisse aus der aktuellen angewandten landwirtschaftlichen Forschung in Deutschland und im benachbarten Ausland vorgestellt wurden. Im Folgenden werden einige wichtige Beiträge aus dem Bereich Pflanzliche Produktion kurz umrissen.

Vielfältige Agrarlandschaft durch Nutzung erhalten

Auf der Plenartagung spannte zunächst Prof. Hansjörg Küster von der Leibnitz-Universität Hannover in seinem Vortrag über die „Entwicklung von Landnutzungssystemen in Raum und Zeit“ einen weiten Bogen vom Beginn der agrarischen Landnutzung in Mitteleuropa vor 7000 Jahren, dem Übergang vom Wanderfeldbau zur Dreifelderwirtschaft, der Intensivierung der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert durch die Einführung der Mineraldüngung bis hin zur modernen Landnutzung, wie sie sich nach dem 2. Weltkrieg entwickelte. Diese ist auf der einen Seite durch eine verstärkte Intensivierung (Mechanisierung, synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel), andererseits durch die Aufgabe der Nutzung auf Grenzertragsstandorten gekennzeichnet. Die Bewahrung der uns vertrauten und vielfältigen Agrarlandschaften sei nur durch Nutzung möglich, so eine zentrale Schlussfolgerung des Referenten. Prof. Johannes Isselstein von der Georg-August-Universität Göttingen stellte sich in seinem Vortrag die Frage „Rinderhaltung – dort wo der Mais, oder dort wo das Gras wächst?“. Hintergrund dieser Fragestellung ist, dass die Rinderhaltung zunehmend auf der Futterbasis des Ackerbaus betrieben wird (Mais, Kraftfutter), entweder weil Grünland in Ackerland umgewandelt wurde oder weil Grünlandstandorte aus der Nutzung genommen wurden. Ein Weg zum langfristigen Erhalt von Dauergrünland ist dessen Intensivierung und Nutzung für die Milchproduktion, wobei eine möglichst hohe Milchleistung aus dem Grünlandaufwuchs erzielt werden sollte.

Standortangepasste Nutzung ist nachhaltig

Prof. Thomas Ebertseder von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf widmete sich in seinem Vortrag schließlich dem Thema „Standortgerechte Form und Intensität der Landnutzung“. Nach seinen Ausführungen zeichnet sich eine standortgerechte Landnutzung durch die Nutzung der Leistungsfähigkeit des Standortes (Optimierung von Fruchtfolge, Produktionstechnik, Intensität) bei gleichzeitiger Minimierung der Belastungen für die Umwelt im Hinblick auf Nährstoffausträge, Pflanzenschutzmittelausträge sowie Beeinträchtigungen von Bodenfunktionen und der Biodiversität auf das tolerierbare Maß aus. Besonders gefährdet sind Standorte mittlerer Güte, wenn diese sehr intensiv mit komplexen Betriebssystemen bewirtschaftet werden. Benötigt werden integrierte Ansätze nicht nur im Hinblick auf den Pflanzenschutz, sondern auch auf das Nährstoffmanagement, die Tierhaltung und die Tierernährung. Entsprechende Bewirtschaftungssysteme sollten ökonomisch stabil und langfristig erfolgreich sein, eine hohe Spezialisierung bei hoher Heterogenität sowie eine kleinräumig standortoptimierte Intensität aufweisen, sie sollten Tier- und Pflanzenproduktion verbinden, eine optimale Verwertung der eingesetzten Nährstoffe gewährleisten und sich durch Tierwohl-optimierte Haltungsformen auszeichnen. Nicht zuletzt sollte dem Betreibleiter und gegebenenfalls den Mitarbeitern ausreichend Arbeitskapazität für alle Produktionsbereiche zur Verfügung stehen, insbesondere sollte in Veredlungsbetrieben keine Vernachlässigung der Außenwirtschaft in stattfinden.

Intensivierung senkt die Artenvielfalt

Auf dem Workshop wurde die Thematik der Plenartagung vertieft. Dr. Thomas Döring von der Humboldt-Universität zu Berlin stellte in seinem Vortrag das Spannungsfeld zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Naturschutz dar. So sei seit mindesten fünf Jahrzehnten belegt, dass mit einer zunehmenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion ein Rückgang von Arten in der Kulturlandschaft einhergeht. Daran hätten auch Agrarumweltmaßnahmen nichts Wesentliches geändert. Der Referent schlug als möglichen Ansatz zur Lösung des Zielkonflikts zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Naturschutz die Diversifizierung der Pflanzenproduktion, das heißt die Etablierung von Systemen mit Gemengeanbau, Zwischenfruchtanbau, Sortenmischungen und Agroforstsysteme vor. Ein zweiter Ansatz sei die Revision der durch die Landwirtschaft verfolgten Ziele, insbesondere die Hinterfragung des Ertrages als Primärziel der landwirtschaftlichen Produktion, welches durch übergeordnete Ziele, wie die menschliche Gesundheit ergänzt werden sollte.

Greening wirkt sich kaum positiv auf Artenvielfalt aus

Dr. Annette Freibauer von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit den Ansprüchen und Auswirkungen des Greenings auf die Landnutzung in Bayern. Sie kam zu dem Schluss, dass das Greening die Landnutzung nur gering verändert und entsprechend geringfügig die Biodiversität und andere Ökosystemleistungen gefördert hat. Diese Einschätzung decke sich auch mit dem Bericht der Europäischen Kommission vom März 2017. Professor Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der optimierten Nutzung von Mooren. Moore haben einen großen Einfluss auf die Bindung und Freisetzung klimarelevanter Gase (Kohlendioxid, Methan, Lachgas). In naturnahen Mooren wird parallel zur Bindung von Kohlendioxid das stark klimawirksame Gas Methan freigesetzt.

Landwirtschaftliche Nutzung von Mooren

Werden Moore entwässert und genutzt, werden Kohlendioxid und Lachgas freigesetzt, wobei die Emission von Methan zurückgeht. Nichtsdestotrotz ist die Inkulturnahme von Mooren in Mittel- und Nordeuropa der wichtigste Faktor für die Emission klimarelevanter Gase durch Landnutzungsänderungen. Der Referent erläuterte, dass für den Klimaschutz die Renaturierung von Mooren, die klassische Bewirtschaftung unter nassen Bedingungen oder die Paludikultur geeignet sind. Paludikultur ist die landwirtschaftliche Nutzung von nassen oder wiedervernässten Mooren, beispielsweise durch den Anbau von Röhrichten, der Energiegewinnung aus Schilfbiomasse oder der Kultivierung von Torfmoosen als Torfersatz. Der Workshop wurde mit einer Podiumsdiskussion abgeschlossen, auf der als Voraussetzungen für eine standortgerechte Landnutzung unter anderem Transparenz im Hinblick auf Leistungen und Kosten der Landnutzung, die Information von Handel und Verbrauchern, die Erfassung und Honorierung von Ökosystemdienstleistungen durch die Landbewirtschaftung, die bedarfsorientierte Produktion und die Berücksichtigung der Lebensmittelqualität genannt wurden. Nicht zuletzt sollten die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft hinterfragt und Ökobilanzen erstellt werden.

N- und P-Düngestrategien immer wieder anpassen

Die öffentlichen Sitzungen spiegelten die Schwerpunkte der aktuellen angewandten Agrarforschung in Deutschland wider. So beschäftigten sich mehrere Referenten mit Fragen der P-Bodenuntersuchung und der P-Düngeempfehlung. Dabei kristallisierte sich heraus, dass zur Erzielung von Optimalerträgen insgesamt deutlich niedrigere lösliche P-Gehalte im Boden (CAL-lösliches P) erforderlich sind als bisher empfohlen wurde, dass hinsichtlich der P-Verfügbarkeit aber zusätzliche Standortsfaktoren wie die Witterung berücksichtigt werden sollten. Der VDLUFA ist dabei, diese Thematik in einem überarbeiteten Standpunkt über die „Phosphordüngung nach Bodenuntersuchung und Pflanzenbedarf“ zusammenzufassen. Weitere Schwerpunktthemen der öffentlichen Sitzung waren N-Düngungsstrategien zu Acker- und Sonderkulturen, N-Austräge aus landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie der Einsatz von Nitrifikations- und Ureasehemmstoffen zur Verminderung von Lachgas- und Ammoniakemissionen. Die Vorträge werden im VDLUFA-Kongressband veröffentlicht und können ab Januar 2018 auf der Homepage des VDLUFA abgerufen werden.

Prof. Franz Wiesler, LUFA Speyer – LW 45/2017