Wertschätzung und Planungssicherheit gefordert

Milchwirtschaftliche Jahrestagung 2019

Der Vorsitzende der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz (Milag) Michael Horper begrüßte zahlreiche Vertreter und Gäste aus den Reihen der Landwirte, der Molkereien und der Politik auf der Milchwirtschaftlichen Jahrestagung Ende November in Bitburg. Er betonte, dass die Landwirtschaft allgemein schwierige Zeiten durchstehen muss und die Milchwirtschaft dabei keine Ausnahme darstellt.

Hochwald Landwirte: Milchkönigin Katharina (3.v.l.), Milag-Vorsitzender Michael Horper (2.v.r.), Staatssekretär Andy Becht (r.), Hochwald-Aufsichtsratmitglied Peter Manderfeld (l.) sowie Hochwald-Landwirtebetreuer Helmut Stuck (3.v.r.) freuten sich mit den ausgezeichneten Landwirten, die Qualitätsmilch an die Molkerei Hochwald Foods GmbH liefern.

Foto: milag

Nichtsdestotrotz existieren in Rheinland-Pfalz noch zwei starke Molkereigenossenschaften, auf denen die Hoffnung der milchwirtschaftlichen Zukunft ruht. Bei einem Rückblick auf das Gründungsjahr der Milag 1949, als noch über 80 Molkereien in Rheinland-Pfalz ansässig waren, stellte er klar, dass die Aufgabe der Milag damals darin bestand, Struktur in die unterschiedlichen Organisationen hineinzubringen und diese unter einem Dach zu vereinen. Heutzutage spielt die Milag eine Schlüsselrolle bei der Branchenkommunikation und ist bei dem immer stärkeren Strukturwandel und den schwierigen Märkten so wichtig wie noch nie.

Die vierte Rheinland-Pfälzische Milchkönigin Katharina Weber ließ bei ihrem letzten offiziellen Auftritt vor der Neuwahl ihre Amtszeit Revue passieren. Besonders hob sie die Veranstaltungen hervor, bei denen sie mit Verbrauchern direkt in Kontakt kam. Insbesondere das Projekt Dialog Milch „Ich bin Milchbauer…Frag´ mich doch“ war sie gerne präsent: „Wer Menschen mit der Landwirtschaft konfrontiert, erzeugt Neugierde, deshalb freue ich mich darauf, die Arbeit der Milag auch nach meiner Amtszeit als Milchkönigin zu unterstützen“, so Katharina Weber.

Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Südstellte fest, dass wir in unruhigen Zeiten leben. Für die breite Bewegung der landwirtschaftlichen Basis ist er dankbar und appelliert daran, dass alle gemeinsam an den vorhandenen Problemen arbeiten. Die Gründe der Unzufriedenheit von Seiten der Landwirte sieht er in der fehlenden Wertschätzung und in der finanziellen Überforderung der Betriebe. Lösungsmöglichkeiten sieht er unter anderem in der Schaffung neuer Kommunikationswege, um die Landwirtschaft erlebbar zu machen.

Heribert Metternich, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, wies darauf hin, dass auch andere Berufsstände, wie Gärtnereien oder Imker, ähnliche Probleme wie die Milchwirtschaft haben. Nun ist es an der Zeit zusammenzuhalten und die Köpfe hoch zu tragen, anstatt sie zu senken. Anerkennende Worte fand er für die Bauerndemos, die schon jetzt Wirkung zeigen.

Wer wertschätzt, der vertraut

Andy Becht, Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, stellte zu Anfang seines Vortrages klar, dass man zwei Dinge benötigt, um gute Agrarpolitik zu machen: Wertschätzung und Planungssicherheit.

Diese Punkte sind zwei Seiten der Medaille, denn wer wertschätzt, der vertraut – wer vertraut, der reguliert nicht über – wer nicht überreguliert, schafft Planungssicherheit. Gerade die Dünge-Verordnung stellt die Landwirtschaft vor eine große Herausforderung. Das Ziel ist, eine neue Praxis zu entwickeln, die über Jahre hält und Ruhe in die prekäre Lage bringt. Noch ist unklar, wie dies aussehen kann, wichtig sei aber, dass die Punkte „richtiges düngen nach fachlicher Praxis“ und „sichere Lebensmittel auf den Tisch bringen“ essentiell sein müssen.

Zusätzlich zu den politischen Maßnahmen müssen auch die Landwirte selbst aktiv werden, um ein positives Bild ihrer Berufsgruppe in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wie man an den Bauerndemos sehen kann, ist es möglich, Menschen mit Liebe und Leidenschaft zur Wertschätzung zu bewegen. Während Kinder noch vom Beruf der Landwirtschaft träumen, geht dies auf dem Weg ins Erwachsenenalter verloren. Eine zusätzliche Aufgabe der Landwirtschaft sollte sein, Menschen von ihrer Arbeit zu überzeugen. Wenn statistisch gesehen jeder Landwirt rund 166 Personen ernährt, sollte es auch möglich sein, dass jeder Landwirt 166 Personen die Landwirtschaft näherbringt. Auch wenn die Rahmenbedingungen momentan schlecht sind, ist der Weg ein guter. Deshalb ist das Fazit des Staatssekretärs auch ein positives: „Die Politik reicht Ihnen die Hand, deshalb: Durchhalten und die Bewegungen zusammenführen, dann geht es auch wieder bergauf.“

Das Highlight der diesjährigen Milchwirtschaftlichen Jahrestagung waren die Auszeichnungen und Ehrungen für die Arbeit der Milchwirtschaft in Rheinland-Pfalz. Milch ist nach wie vor das Lebensmittel, das am besten kontrolliert wird und sich durch hohe Standards bei der Gewinnung und der Weiterverarbeitung auszeichnet. Die Ehrungen spiegeln dies auf allen Schritten wider und zeigen dem Verbraucher, dass Milchprodukte in Deutschland sicher sind.

Für die Genossenschaftsmolkerei Hochwald Milch eG wurden ebenfalls zehn Milchviehbetriebe geehrt:

  • Sehn Agrar GbR aus Briedeler Heck (Kreis Cochem-Zell)
  • Anna und Franz Fischer aus Niedersohren (Rhein-Hunsrück-Kreis)
  • Hoffmann GbR aus Sefferweich (Kreis Bitburg-Prüm)
  • Matthias Schanne aus Bruchmühlbach-Miesau (Kreis Kaiserslautern)
  • Gawehns GbR aus Zweibrücken-Hengstbach (Kreis Südwestpfalz)
  • Markus Hammes aus Lutzerath (Kreis Cochem-Zell)
  • Gottfried Perings aus Kalenborn (Kreis Vulkaneifel)
  • Christoph Boermann aus Niedererbach (Westerwaldkreis)
  • Arie Bernhard Verhoef aus Katzwinkel (Kreis Altenkirchen)
  • Roman Fixemer aus Heusweiler-Obersalbach (Stadtverband Saarbrücken)

Die ausgezeichneten Landwirte erhielten eine Stallplakette, die auch für Außenstehende sichtbar macht, dass auf diesen Höfen Qualitätsmilch produziert wird. Leider konnten aus unterschiedlichen Gründen nicht alle Betriebe an der Tagung teilnehmen – die Stallplakette wird nachgereicht.

Arla Foods und Hochwald ausgezeichnet

Außerdem zeichnete die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz die Molkereiunternehmen Arla Foods Deutschland (Pronsfeld) und Hochwald Foods GmbH (Thalfang) für sehr gute Leistungen bei der Sicherung der Qualität der Anlieferungsmilch im Hinblick auf die Unterschreitung der Normen der Europäischen Gemeinschaft und auf die Stärkung der Stellung im Qualitätswettbewerb im Jahr 2018 mit dem Kammerpreis in Gold aus. Kammervizepräsident Heribert Metternich, Milchkönigin Katharina, Milag-Vorsitzender Michael Horper und Staatssekretär Andy Becht überreichten die Auszeichnungen an Stefan Fiedler (Arla) und Peter Manderfeld (Hochwald).

Rheinland-Pfalz sahnte viele Goldsiegel ab

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) prüft Erzeugnisse im überregionalen Qualitätswettbewerb. Mit einem DLG-Siegel in Gold, Silber oder Bronze können die hervorragenden Leistungen der deutschen Milchwirtschaft nachgewiesen werden. Im Prämierungsjahr 2019 – welches sich aus je neun Einzelprüfungen im Herbst 2018 und Frühjahr 2019 zusammensetzt – wurden 89 Erzeugnisse geprüft. 87 Milchprodukte (97,76 Prozent) erhielten einen Goldenen Preis, zwei Produkte (2,24 Prozent) einen Silbernen Preis. Rheinland-Pfalz lag damit erneut an erster Stelle bei den Goldenen Preisen unter den Flächenländern im Bundesgebiet. Dr. Norbert Wirtz als Landesbevollmächtigter der DLG verlieh mit Milchkönigin Katharina und Staatssekretär Andy Becht die Auszeichnungen an die Standortleitungen der Molkereien Arla Foods Jürgen Wolf und Hochwald Foods Herrmann Schares und Markus Kerpen.

milag – LW 51-52/2019