Winterfuttergerste zeigt ein breites Sortenspektrum

Sortenempfehlung für die Herbstaussaat 2026

Nach der Veröffentlichung der Landessortenversuche folgt an dieser Stelle die Sortenempfehlung auf Grundlage des Sortengespräches. Folgende Winterfuttergerstensorten werden zur Aussaat im Herbst 2026 für Rheinland-Pfalz empfohlen.

Mehrzeilige Empfehlungssorten

Julia (mz, Zulassung 2022) erzielt in fünf LSV-Prüfjahren in Rheinland-Pfalz hohe und konstante Erträge in beiden Stufen (ohne/mit Fungizid). Auch in der länderübergreifend (südwestdeutsche Mittel- und Höhenlagen) zeigt sie sich ertragsstark. Damit bestätigt die Sorte die hohe Ertragseinstufung des Bundessortenamtes (BSA) mit APS 8/8 im Ertrag in beiden Stufen. Im Sortenvergleich überzeugt Julia mit recht guter Standfestigkeit. Die Anfälligkeit für Halmknicken kann aber etwas höher ausfallen. Gute Blattgesundheit gegenüber Mehltau und Netzflecken; gegen Rhynchosporium, Ramularia und Zwergrost zeigt Julia mittlere Anfälligkeit. Auch bei der Qualität kann die Sorte überzeugen: Die hl-Gewichte lagen 2022 bis 2026 meist über dem vom Handel geforderten Mindestwert von 62 kg. Beim Ährenschieben gehört Julia zu den etwas früheren Typen. Insgesamt präsentiert sie sich als ertragsstarke und -sichere Sorte.

SY Loona (mz, EU-Zulassung , 2021) ist eine mittelspäte Hybride, die sowohl in den mehrjährigen LSV in Rheinland-Pfalz als auch in der länderübergreifenden Auswertung zu den ertragsstärksten Sorten zählt. Hervorzuheben ist die überdurchschnittlich gute Blattgesundheit. Dadurch kann die Sorte auch in der Stufe 1 ohne Fungizide hohe Erträge erzielen. 2026 zeigte sie in Badem und Brecht zudem einen unterdurchschnittlichen Befall mit Ramularia. Bei den Stroheigenschaften ist SY Loona als mittel einzustufen und mit SY Galileoo vergleichbar. Allerdings weist auch sie einen längeren Wuchs auf und kann zu Halm- und Ährenknicken neigen. Bei hoher Ertragserwartung ist eine an Vegetationsverlauf und Standort angepasste Wuchsregulierung empfehlenswert. Die Sorte überzeugt mit hohen hl-Gewichten. Das Tausendkorngewicht (TKG) liegt etwas unter dem Durchschnitt.

SY Colyseoo, Probeanbau (mz, Hybride, Zulassung 2025) ist seit zwei Jahren in Prüfung und erzielte 2025 und 2026 hohe Erträge in beiden Stufen, die leicht über den Erträgen von SY Loona lagen. Überregional liegen für die Höhenlagen bisher allerdings nur wenige Ergebnisse vor. Die Sorte zeichnet sich durch eine gute Blattgesundheit aus. Lediglich gegen Netzflecken besteht eine mittlere Anfälligkeit. 2026 zeigte SY Colyseoo in Badem und Brecht zudem einen unterdurchschnittlichen Befall mit Ramularia. Wie SY Loona zeigt auch SY Colyseoo einen längeren Wuchs und ist im Vergleich bei Standfestigkeit und Strohstabilität etwas schwächer einzustufen (bei der Bestandesführung berücksichtigen). Die Sorte überzeugt mit hohen hl-Gewichten, während das TKG unterdurchschnittlich ausfällt.

KWS Exquis (mz, Zulassung 2022, BYDV) besitzt das Resistenzgen Ryd2 und ist damit tolerant bzw. resistent gegenüber dem Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Bei hohem Befallsdruck bietet die Sorte dadurch eine höhere Ertragssicherheit. Die Sorte wird seit fünf Jahren geprüft. In Stufe 2 liegt der Ertrag der Sorte etwa 3 % unter dem von Julia und SY Loona. Auch in den südwestdeutschen Mittellagen erreicht sie ein etwa 3 % niedrigeres Ertragsniveau als Julia und KWS Chilis. KWS Exquis zeichnet sich durch einen kurzen Wuchs aus und ist deutlich kürzer als andere mehrzeilige Empfehlungs- und Prüfsorten. Gleichzeitig weist die Sorte eine gute Standfestigkeit und Strohstabilität auf. Die Blattgesundheit liegt im guten bis mittleren Bereich. Bei Ramularia kann die Sorte etwas anfälliger sein. 2025 und 2026 wurde an einzelnen Prüfstandorten ein überdurchschnittlicher Ramularia-Befall festgestellt. Die hl-Gewichte sind dagegen hoch und liegen im Bereich des Sortimentsmittels. Für die diesjährige Aussaat sollte ausreichend Saatgut von KWS Exquis zur Verfügung stehen. Für das kommende Jahr ist voraussichtlich mit einer geringeren Verfügbarkeit zu rechnen.

KWS Chilis, Probeanbau (mz, Zulassung 2025, BYDV) besitzt das Ryd2-Resistenzgen und damit eine entsprechende Resistenz gegenüber dem Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Die Sorte wird seit zwei Jahren geprüft. In Stufe 2 erzielt sie vergleichbare Erträge wie KWS Exquis. Länderübergreifend zeigt sie sich jedoch um etwa 3 % ertragsstärker als KWS Exquis. Auch in den Höhenlagen liegt KWS Chilis mit rund 4 % über KWS Exquis und erreicht damit das Ertragsniveau von Julia. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass für die Höhenlagen eine geringere Datenbasis vorliegt, da hier weniger Versuchsergebnisse zur Verfügung stehen. KWS Chilis ist eine längere Züchtung, wodurch das Lagerrisiko erhöht ist. Zudem weist die Sorte eine starke bis sehr starke Anfälligkeit gegenüber Zwergrost auf. Bei Ramularia zeigt sie nach den zwei Jahren hingegen eine überdurchschnittliche Widerstandsfähigkeit. Das hl-Gewicht entspricht den Anforderungen der Vermarktung.

Zweizeilige Empfehlungssorten

Almut (zz, Zulassung 2021) wird seit sechs Jahren geprüft und erzielt in Stufe 2 ein etwa 2 bis 4 % niedrigeres Ertragsniveau als KWS Tardis und KWS Andris. Sie zeichnet sich durch eine gute Standfestigkeit und gute Stroheigenschaften aus. Zudem zeigt sie eine gute Blattgesundheit bei Netzflecken und Rhynchosporium. Die Anfälligkeit gegenüber Mehltau, Ramularia und Zwergrost liegt im mittleren Bereich. Die hl-Gewichte fallen im Vergleich zu KWS Tardis und KWS Andris schwächer aus, erfüllen jedoch die Anforderungen für die Vermarktung.

KWS Andris (zz, Zulassung 2024) erzielt nach drei Prüfjahren relative Erträge von 100 bis 103 % in Stufe 2. Länderübergreifend erreicht sie sowohl in den Mittel- als auch in den Höhenlagen konstant gute, durchschnittliche Erträge. Die Sorte zeichnet sich zudem durch gute Stroheigenschaften aus. KWS Andris verfügt über eine ausgeglichene Blattgesundheit und zeigt vor allem bei Ramularia eine gute Widerstandsfähigkeit (APS 4). Die hl-Gewichte sind hoch und stellen eine weitere Stärke der Sorte dar.

KWS Tardis (zz, Zulassung 2022) erzielt nach fünf Prüfjahren relative Erträge zwischen 97 % im Prüfjahr 2025 und 102 in den Jahren 2023 und 2024. Mehrjährig liegt die Sorte im Ertrag der Stufe 2 knapp 2 % hinter KWS Andris. Länderübergreifend zeigt sie sich in den Mittellagen geringfügig ertragsschwächer als KWS Andris; in den Höhenlagen erreicht sie dagegen ein vergleichbares Ertragsniveau. KWS Tardis zeichnet sich durch eine gute Standfestigkeit und Strohstabilität aus. Bei der Blattgesundheit ist sie bei Mehltau, Ramularia und Zwergrost jeweils um eine BSA-Note schwächer eingestuft als KWS Andris. Die hl-Gewichte sind, wie bei KWS Andris, hoch.

Organa, Probeanbau (zz, Zulassung 2025, BYDV) erweitert das noch kleine Segment der zweizeiligen Wintergersten mit Toleranz beim Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Grundlage dafür ist das yd2-Gen. Nach hohen Erträgen im ersten Jahr erreicht die Sorte im zweiten Prüfjahr 2026 nur einen unterdurchschnittlichen Relativertrag von 95 %. Länderübergreifend positioniert sie sich in den südwestdeutschen Mittelgebirgslagen auf dem Ertragsniveau von KWS Tardis. Für die Höhenlagen ist die Datenbasis derzeit noch relativ gering. Hinsichtlich der Standfestigkeit ist Organa anfälliger für Lager als die bereits aufgeführten Empfehlungssorten. Auch Ramularia kann etwas stärker auftreten.

Katja Lauer, Dienstleistungszentrum Lheinhessen-Nahe-Hunsrückändlicher Raum (DLR) R – LW 39/2026