Zucht und Leistung auf hohem Niveau

Heimische Milcherzeuger ausgezeichnet

Ende Februar fand die Mitgliederversammlung der Bezirkszüchtervereinigung Rheinhessen-Pfalz-Saar in Kaiserslautern statt. Der Vorsitzende Dr. Gerd Karch begrüßte die Mitglieder und Ehrengäste und verabschiedete Wilhelm Remmers, der nach 41 Jahren die Geschäftsführung niederlegte.

Doch letztmals war es die Aufgabe von Geschäftsführer Wilhelm Remmers den Geschäfts- und Kassenbericht 2018 zu präsentieren. Dabei gab er einen Rückblick auf die Entwicklungen der letzten 40 Jahre, siehe Tabelle.

Dass die Mitglieder der Bezirkszüchtervereinigung auch im Jahr 2018 mit viel Engagement Schauen und Ausstellungen beschickt, enorme Leistungen gemolken und sich bei Veranstaltungen stark engagiert haben, zeigte Remmers bei seinen Ausführungen über das Geschäftsjahr 2018. Bei der Färsenschau der Rinder-Union West in Fließem konnten die Zuchtstätten Schreck, Diehl, Karch und Knobloch hervorragende Platzierungen erzielen. Die Südwest-Rinderschau war ein voller Erfolg. Neben einem hervorragenden Schaukontingent beeindruckte die hohe Beteiligung beim Bambinowettbewerb.

Die Herdbuchkühe aus Rheinhessen-Pfalz und dem Saarland gaben durchschnittlich 9 362 kg Milch, die Schwarzbunt HB-Kühe aus Rheinhessen-Pfalz lagen mit durchschnittlich 9 526 kg noch 200 kg darüber. Die höchsten Herdendurchschnittsleistungen erreichten die Betriebe Ostermann, Nonnweiler, mit 12 095 kg Milch bei 884 FE-kg, gefolgt von Gebr. Karch, Börrstadt, mit 11 429 kg Milch bei 871 FE-kg. An dritter Stelle rangiert der Betrieb Diehl GbR, Erzenhausen, mit 11 554 kg Milch mit 851 FE-kg.

Wilhelm Remmers wies daraufhin, dass die BZV neben der Beratung vor Ort auch konkrete finanzielle Unterstützung anbietet: Beim Ankauf von Embryonen, Top-Kälbern oder Rindern, beim Embryotransfer und bei genomischen Tests bei Kälber und Rindern, die mindestens einen RZG von 140 aufweisen.

In diesem Jahr konnten die Züchter für insgesamt 21 Kühe, die im abgelaufenen Milchkontrolljahr die Lebensleistung von 100 000 kg überschritten haben, eine Urkunde aus der Hand des Vorstandsmitgliedes der Rinder-Union West eG, Alfred Bormann, in Empfang nehmen. Im gesamten BZV-Gebiet summierte sich die Zahl der 100 000 kg-Kühe damit auf 41.

Dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Ökonomierat Norbert Schindler, wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, gemeinsam mit Maike Schunck, Landwirtschaftskammer des Saarlandes, und Wilhelm Remmers einige verdiente Züchter auszuzeichnen. Für ihre besonderen Leistungen in der Rinderzucht, Schaubeschickung, Milchleistung und Vermarktung wurden zahlreiche Züchter geehrt (Foto).

Der Landeskontrollverband Rheinland-Pfalz-Saar (LKV) nutzte die Gelegenheit, seine Vertreter für die Region Rheinhessen-Pfalz zu wählen. LKV-Geschäftsführer Dr. Norbert Wirtz erklärte, dass der LKV in Zukunft die Absicht habe, die gut angenommen Trächtigkeitsuntersuchen über Milchproben selber durchzuführen, um noch schnellere Ergebnisse für seine Mitglieder bereitstellen zu können.

Erfolgreich Züchten durch regelmäßigen Zukauf

Mit Spannung wurde das Referat vom Abteilungsleiter Zucht der Rinder-Union West, Hartwig Meinikmann, erwartet. Neben den züchterischen Grundlagen erläuterte er verschiedene Strategien für klassische Züchter sowie für Milchviehbetriebe ohne Zuchtambitionen. Meinikmann empfiehlt Zuchtbetrieben den regelmäßigen Zukauf und die Vermehrung von Embryonen oder geeigneter Tiere. Dabei sollten sie sich am zukünftigen Markt orientieren, Risikobereitschaft zeigen und nach Alleinstellungsmerkmalen (z.B. hornlos, Top-Exterieur, Beta-Kasein/Kappa-Kasein) suchen.

Kommerzielle Milchviehbetriebe sollten unbedingt das Werkzeug der Herdentypisierung nutzen, auch Herdscan genannt. Die Herdentypisierung ist nach Aussage von Meinikmann ein Muss für jeden modernen Milchviehbetrieb mit knappen Ressourcen. Er verglich die Herdentypisierung mit anderen revolutionären Entwicklungen wie der Künstliche Besamung, Futtermischwagen, Automatischen Melksystemen oder Brunsterkennungssystemen.

In einem Fazit betonte er, dass mit der genomischen Zuchtwertschätzung, der genomischen Selektion, den Milchviehbetrieben im züchterischen und im Herdenmanagement ein „Porsche“ zur Verfügung gestellt werde. Auf der weiblichen Seite werde der Zuchtfortschritt durch die genomischen Zuchtwerte versechsfacht, auf der männlichen Seite vervierfacht. „Es kommt nur darauf an, was der Betrieb daraus macht“, sagte Meinikmann. Der Porsche fahre nur bis zum dritten oder vierten Gang: Weibliche Tiere werden oft nicht konsequent genug oder nach falschen Kriterien selektiert. Als Denkanstöße zur Selektion gab er den Züchtern folgende Fragestellung mit auf den Weg:

  • Nutzung der nicht sichtbaren Merkmale, wie Fruchtbarkeit-RZR, Gesundheit-RZgesund, Nutzungsdauer-RZN, Melkbarkeit-ME und der genetischen Besonderheiten (Hornstatus, Rotfaktor)
  • Welche Kälber ziehe ich auf? Welche Kälber verkaufe ich?
  • Welche Jungrinder werden gesext besamt?
  • Welche Tiere werden mit Fleischrassen belegt?
  • Wird der Zuchtfortschritt der jungen genomischen Bullen genutzt?

Aktuelles zur Blauzungenkrankheit

Dr. Heidrun Mengel vom Landesuntersuchungsamt informierte ausführlich über Grundlagen und den aktuellen Stand der Blauzungenkrankheit. Der Blauzungen-Typ 8, gegen den derzeit bei uns geimpft wird, zeige fast keine klinischen Erscheinungen. Aus ihrer Sicht ist eine Impfung jedoch dringend zu empfehlen, um Handelsrestriktionen zu vermeiden. Allerdings sei die Impfdichte derzeit noch sehr gering, sie liege bei rund 18 Prozent der Rinder. Dr. Heidrun Mengel wies darauf hin, dass die erleichterte innerstaatliche Verbringungsregelung zur Blauzungenkrankheit (Virus-PCR Untersuchung) bis zum 31. März 2019 verlängert wurde.

Klaus Knobloch – LW 11/2019