Von den 50er Jahren ins Zeitalter der Digitalisierung

Trotz Enge ist die Ausstellung in Nieder-Olm Kult

Im Januar 2018 stehen die Agrartage Rheinhessen unter dem Motto „Die Zukunft hat längst begonnen – Digitalisierung in der Agrarbranche“. Was steht hinter diesem Motto? Jedes Jahr setzt die Agrarwoche Schwerpunkte, die sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Tage ziehen. Kann man Nieder-Olm greifen? Man muss es selbst erleben, denn nur dann spürt man den Hauch, das Flair dieser Tage, die Einmaligkeit dieser Veranstaltung.

Blicken wir 20 Jahre zurück: Es fiel eine Entscheidung für Nieder-Olm. Die Turnhalle mit verdunkelten Fenstern in Oppenheim war nicht mehr zeitgemäß. Die damalige Lehr- und Versuchsanstalt steuerte jedes Jahr ab Mitte Dezember dieser Veranstaltung, dem Highlight im Jahreskalender, entgegen. Jeder einzelne Berater (Weinbau und Kellerwirtschaft) spürte die Anspannung, den „Kick“ vor über 700 Personen in der vollbesetzten Turnhalle zu referieren. Die Ausstellung an der Fährstraße und den Umkleidekabinen der Turnhalle war damals schon die gelungene Kombination von Vorträgen, aktuellen technischen Entwicklungen und Neuerungen.

Die Verantwortlichen der damaligen Weinbauschule Oppenheim hatten im Jahr 1950 die ersten Ideen der Kombination von Vorträgen und Maschinenbesichtigung. Der Turnacker in Oppenheim bildete die Umgebung für Diskussionen und Neuentwicklungen.

Die erste „rheinhessische Weinbauwoche“ von 30. Januar bis 2. Februar 1950 mit Geräteschau am vierten Tag an der Wein- und Obstbauschule in Oppenheim wandelte sich zur „Rheinhessischen Weinbauwoche“ in der Oppenheimer Turnhalle und Geräteschau auf der Fährstraße

Nieder-Olm bot damals Entwicklungspotenzial

1999, pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum wurde die Umsiedlung nach Nieder-Olm und eine Bezeichnungsänderung in „Rheinhessische Weinbau- und Agrartage“ mit 120 Ausstellern durchgeführt. Eine weitere Umbenennung erfolgte im Jahr 2010 in „Agrartage Rheinhessen“. Und im Jahr 2018 sind die Agrartage Rheinhessen zum 20. Mal in Nieder-Olm, nun mit 420 Ausstellern.

Die Umsiedlung der 50. Weinbautage 1999 von Oppenheim nach Nieder-Olm war ein weiterer Schritt in die Zukunft, gestaltete sich in den ersten Jahren aber mehr als schwierig. Die Abläufe von Vorträgen und Ausstellung mussten völlig neu überdacht werden. Die Ludwig-Eckes-Festhalle bildete den würdigen Rahmen. Es wurde ein gemeinsames dreitägiges Paket geschnürt von: Ehemaligenvereinigung, Lehranstalt mit ihren Abteilungen (Hauswirtschaft, Landwirtschaft, Weinbau, Kellerwirtschaft, Marketing, Obstbau) und dem Bauern- und Winzerverbandverband. Der Landfrauenverband kam erst einige Jahre später dazu. Die Integration all dieser Verbände in die Agrartage kann als gelungen bezeichnet werden.

Große Herausforderungen für Aussteller und Anwohner

Die Ausstellung auf dem angrenzenden Schwimmbadparkpatz stellte alle Beteiligten, dazu zählen auch die Anwohner in Nieder-Olm, im ersten Jahr vor große Herausforderungen. Über 120 Aussteller wagten den Neuanfang. Ein Zelt für die Aussteller war ein riesiger Fortschritt gegenüber der Fährstraße. Die nachfolgenden Jahre waren geprägt von Stabilisierung und vom Zusammenwachsen aller Beteiligten. Rheinhessen im Aufwind. Das gilt auch für die Agrartage Rheinhessen.

In all diesen Jahren, bis heute, ist die Kombination von Vorträgen verbunden mit einer Ausstellung für alle Weinbauschulen – ob in Bernkastel-Kues, Neustadt, Oppenheim oder Bad Kreuznach – sowie für alle Anbaugebiete in Rheinland-Pfalz ein wichtiger Mosaikstein in der fachlichen Kommunikation zwischen Beratern, Besuchern und Ausstellern. Es war für alle Neuland, das bestritten wurde, doch kann man nun sagen, dass die ersten Veranstaltungen in Nieder-Olm zur Zufriedenheit abliefen. Es fanden insgesamt 20 Vorträge statt, zuzüglich zweier politischer Themenschwerpunkte beziehungsweise Kundgebungen. Seit der Gründung der Weinbauschule Oppenheim und der Vereinigung Ehemaliger Oppenheimer Wein- und Obstbauschüler vor über 100 Jahren hat sich der Weinbau bis heute in 2018 zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor für das Anbaugebiet entwickelt.

DLR RNH – LW 3/2018