Auf die richtige Mischung kommt es an

Wie die Fütterung von Geflügel in kleinen Beständen gestalten?

Zukauffutter oder Eigenmischung? Das ist eine oft gestellte Frage an die Beratung. Viele Kleinerzeuger und somit meist Direktvermarkter von Mastgeflügel oder Legehennen überlegen, ob sie ihre Tiere alternativ per Eigenmischung, aber dennoch bedarfsgerecht ernähren können. Hintergrund ist das Einsparen von Zukauffuttermitteln und auch ein zusätzliches Verkaufsargument gegenüber dem Kunden, das Futter „auf dem Hof“ selbst mit heimischen Futtermitteln hergestellt zu haben. Oder sollte doch das Zukauffutter genommen werden, das insbesondere für Kleinmengen sehr praktikabel ist und keine Mahl- und Mischtechnik auf dem Betrieb verlangt? Zur Beantwortung dieser Fragestellung gibt Dr. Peter Hiller, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, im folgenden Tipps.

Hühner gehören zu den Allesfressern und brauchen zudem Beschäftigung. Es ist deshalb gundsätzlich davon abzuraten, hohe Mengen eines einzigen Futtermittels für die überwiegende Haltungsperiode zu verwenden. Frisches Gras, Zwiebeln, Möhren, Runkeln und Kartoffeln werden neben Getreide gerne gefressen und sorgen für Abwechslung.
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Mais, Weizen und Gerste eignen sich als kohlenhydratreiche Futtermittel für alle Geflügelarten, sei es für Puten, zur Mast von Hähnchen und für die Haltung von Legehennen. Dabei ist Mais für Geflügel optimal, er hat die höchste Energiestufe (13,4 MJ ME), besitzt eine gute Stärkestruktur sowie einen positiven Einfluss auf die Dotterfarbe. Auch Gerste, die in Geflügelmischungen in letzter Zeit wenig eingesetzt wurde, ist ein ausgezeichneter Energielieferant mit einer guten Rohfaserstruktur. Weizen ist ein hervorragender Energielieferant. Auf Triticale sollte in der Legehennenhaltung verzichtet werden.

Grundsätzlich sollte Mais im Geflügelfutter mit 30 bis 40 Prozent als Hauptfaktor in jeder Mischung sein, es folgt Weizen mit 20 bis 30 Prozent anschließend Gerste mit bis zu 15 Prozent in jeder Mischung, ob zum Eierlegen oder Fleischerzeugen.

Eiweißkomponenten dürfen nicht fehlen

Da das Geflügel ein Allesfresser und in freier Wildbahn bis zu 12 Stunden mit der Futtersuche beschäftigt ist, dürfen Eiweißkomponenten nicht fehlen. Es gibt Eiweiße pflanzlicher und tierischer Herkunft. Das bekannte Sojaextraktionsschrot besitzt mit 41 bis 48 Prozent Rohprotein (Standard- und HP- Soja) einen hohen Lysinanteil (dies ist eine wertvolle Aminosäure) und ist daher in fast jeder konventionellen Zukaufmischung vorzufinden. Soja ist jedoch eine Bohne, also eine Pflanze, die zudem einen Hemmstoff enthält, der durch Toasten reduziert werden muss. Es sollte daher einmal darüber nachgedacht werden, ob andere Eiweißquellen gleichwertig geeignet sind. Fischmehl, Blutmehl und Fleischknochenmehl sind tierische Eiweißquellen, die ernährungstechnisch hervorragend, jedoch durch die BSE-Problematik in Verruf geraten sind. Hochwertiges Fischmehl und Hämoglobinpulver sind exzellente Eiweißträger und haben dagegen nach wie vor ihre Daseinsberechtigung in optimalen Futtermischungen.

Alternativ zu diesen Eiweißen können Magermilchpulver, Molkenpulver, Eipulver und insbesondere Bierhefen verwendet werden. Bierhefe ist eine hochinteressante Eiweißquelle. Sie hat etwa 40 Prozent Eiweiß, wertvolle Aminosäuren, viele B-Vitamine und wertvolle Spurenelemente, außerdem macht Bierhefe den Organismus widerstandfähiger. Bierhefe würde der Autor zu 2 bis 3 Prozent und Milchpulver/Molkenpulver zu 2 Prozent in jeder Mischung, ob Mast – oder Legerichtung einsetzen.

Sonnenblumenkuchen beziehungsweise Sonnenblumen-Extraktionsschrot hat in letzter Zeit in der Geflügelfütterung sehr an Popularität hinzu gewonnen. Es hat einen hohen Methioningehalt, eine sehr gute Rohfaserstruktur und ist im Eiweißgehalt gut ausgestattet. Je nach Fütterungsrichtung sind 5 bis 10 Prozent des Sonnenblumenkuchens gut zu verwenden. Den Legehennen kann man ganze Sonnenblumenkörner in die Einstreu (2 bis 5 g/Tier/Tag) geben, insbesondere in der kalten Jahreszeit.

Geflügelfutter variiert in seinem Energiegehalt erheblich, so hat ein Legehennenalleinfutter 11,4 bis 11,6 MJME, ein Putenendmastfutter weist 13,2 bis 13,6 MJ ME Energie auf. Diese Energie wird durch pflanzliches Öl zugeführt. Leinöl, Sojaöl und Sonnenblumenöl sind die Öle/Fette, die ein Geflügelfutter im Energiegehalt aufwerten. Dabei spielt auch das Fettsäuremuster eine wichtige Rolle. Langkettige, ungesättigte Fettsäuren sind wertvoller als kurzkettige. Langkettige und ungesättigte Fettsäuren, Omega-3-Fettsäuren können über das Blut in den Dotter transportiert werden, und der Dotter reichert sich mit diesen hochwertigen Fetten an. So stellt man Omega-3-Eier her und verkauft sie teurer als Nischenprodukt.

Legehennenalleinmehl enthält zu viel Kalzium für Jungmasttiere

Ein wichtiges Futtermittel blieb bis jetzt noch unerwähnt – die Vormischung. Diese besteht aus Kalk, Mengen- und Spurenelementen, Vitaminen und anderen Zusatzstoffen. Während Legehennenalleinmehl bis zu 8 Prozent kohlensauren Futterkalk aufweist, haben Mastfuttermittel nur relativ geringe Kalkanteile von 2 bis 3 Prozent. Wird ein Legehennenalleinmehl an Mastgeflügel verfüttert, so ist dies zwar nicht schädlich, dennoch bekommen die Jungmasttiere durch den hohen Kalziumgehalt Durchfall, der Stall wird feucht und die Tiere könnten austrocknen. Auch ein Futterwechsel der Junghennen auf Legefutter sollte wegen dieses Phänomens ganz langsam und mit einer Futterverschneidung erfolgen.

Nachdem nun die Grundlage der Fütterung erläutert wurde, sollen einige gute Futterrezepturen dargestellt werden: Hier ein Beispiel für ein ausgewogenes Legehennenalleinmehl, was durchaus grob geschrotet verabreicht werden könnte, dabei sollen die Tiere die Futtertröge täglich leer fressen.

Tipp 1: Futtermischung für Legehennen

Eine Futtermischung für Legehennen mit rund 17 Prozent Rohprotein und 11,6 MJME bietet, ist Folgende:

Mais 40 Prozent, Weizen 15 Prozent, Gerste 5 Prozent, Sojaextraktionsschrot 12 Prozent, Sonnenblumenschrot 12 Prozent, Bierhefe 3 Prozent, Sojaöl 2 bis 3 Prozent, Steinkalk 8 bis 9 Prozent, Vormischung 2 Prozent. Diese Eigenmischung kann auch an ältere Masthähnchen und an ältere Mastputen verfüttert werden, wenn der Steinkalk auf 2 Prozent reduziert und dafür die Getreideanteile um 6 bis 7 Prozent erhöht werden.

Legehennen brauchen zur Eischalenbildung Kalk. Austernschalen beziehungsweise Muschelschalen liefern diesen Kalk und auch andere wichtige Mineralstoffe. Diese Produkte sind im Landhandel erhältlich und werden abends breitwürfig in die Einstreu gegeben, die Hühner haben Beschäftigung und verdauen nachts den Muschelkalk zum Aufbau ihrer Eischale, die auch nur nachts gebildet wird.

 – LW 32/2014