Von der Rinderzucht zum Bio-Ziegenmilchbetrieb

Eigene Käserei und Konzept der sozialen Landwirtschaft in Momart

Hans Trumpfheller bewirtschaftet in Bad König-Momart einen Bio-Ziegenmilchbetrieb mit zurzeit etwa 200 Ziegen. Außerdem hält er 40 Mutterkühe mit Nachzucht. Der Betrieb der Familie Trumpfheller ist ein Integrationsbetrieb und bietet Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung die Chance, an einem normalen Arbeitsplatz zu arbeiten.

Hans Trumpfheller betreibt seit vergangenem Jahr eine Milchziegenhaltung mit hofeigener Käserei. Darüber hinaus hält er einige Mutterkühe. Zurzeit werden im Biobetrieb 200 Ziegen der Rasse Bunte Deutsche Edelziege und Thüringer Waldziege auf großen Weiden und im umgebauten Stall gehalten.
Foto: Krämer

Vor einigen Jahren gab es konkrete Pläne der Familie Trumpfheller, nach Kanada auszuwandern, ihre Milchkühe zu verkaufen und in Kanada Mutterkühe zu halten. Kurzfristig sprang der Verkäufer jedoch ab, und somit entschieden sie sich für die Haltung von Mutterkühen auf ihrem heimatlichen Betrieb. Da die Mutterkuhhaltung wirtschaftlich nicht optimal war, entschied sich die Familie Trumpfheller, in die Milchziegenhaltung einzusteigen. Nach zwei Jahren Vorarbeit wurde der Milchviehstall zu einem Ziegenstall umgebaut, in dem in Zukunft 200 melkende Ziegen Platz finden. Die Nachzucht wird im Nebengebäude gehalten.

Etwa 60 Ziegen werden zweimal täglich gemolken

Im Frühjahr 2014 kaufte Hans Trumpfheller die ersten 50 weiblichen Ziegenkitze, die im späten Herbst belegt wurden und im Frühjahr letzten Jahres das erste mal ablammten. Nach einem weiteren Zukauf melkt der Betrieb aktuell etwa 60 Ziegen der Rassen Bunte Deutsche Edelziege und Thüringer Waldziege, mit einer durchschnittlichen Milchleistung von etwa 2 Litern pro Tag. Nachdem die Tiere zunächst aufwendig mit der Hand gemolken wurden, steht jetzt für die Ziegen ein Melkstand mit zwölf Melkzeugen zur Verfügung. Zweimal monatlich erfolgt eine Qualitätskontrolle der Milch durch den HVL. „Die Ziegen haben tagsüber die Möglichkeit, auf große Weiden zu gehen, nachts sind sie im Stall untergebracht, in dem sie Heu und Kraftfutter bekommen“, sagt Hans Trumpfheller. Den Bedürfnissen der Ziegen angepasst ,sind sowohl im Stall als auch auf den Weiden zahlreiche Klettermöglichkeiten für die Tiere vorhanden.

Produktionspause in der Ziegenkäseherstellung

In der hofeigenen Käserei stellt Käsemeisterin Anja Schnellbeck verschiedene Ziegenkäsezubereitungen her. Diese werden seit Frühling des Jahres täglich an die Kunden des Hofes, die zum Teil von weit her kommen, um den laut Trumpfheller einzigen regionalen Bioziegenkäse in Südhessen zu kaufen, vermarktet. Da Ziegen saisonal ablammen, entsteht während der Trockenstehzeit, die etwa kurz vor Weihnachten ist, eine Pause in der Frischkäseherstellung, die mit dem Angebot von Hartkäse überbrückt werden soll. Dieser wird Ende des Jahres nach einer monatelangen Reifung erstmals zum Verkauf stehen. Wenn die Tiere tragend sind, lässt die Milchleistung etwas nach. „Das Trockenstellen der Tiere ist bedingt durch die geringe Milchleistung in dieser Zeit relativ einfach, die Melkzeiten werden von zwei auf eine reduziert, und später wird nur noch alle paar Tage einmal gemolken, bis die Tiere keine Milch mehr haben“, erklärt Hans Trumpfheller. Die Kitze bekommen zur Aufzucht teilweise Milchaustauscher, teilweise bleiben sie bei der Mutter, bis sie abgesetzt werden können.

Neben den 200 Ziegen hält Trumpfheller, der seinen Betrieb mit 100 ha Grünland seit acht Jahren biologisch bewirtschaftet, etwa 40 Mutterkühe der Rasse Fränkisches Gelbvieh mit Nachzucht. Da es ein reiner Grünlandbetrieb ist, passt die Kombination der Ziegenhaltung und der Mutterkuhhaltung gut zusammen. „Die Kühe bekommen im Winter den ersten Schnitt, die Ziegen den zweiten, und im Sommer bekommen die Rinder das erste Gras auf der Weide, bevor die Ziegen raus kommen“, so Trumpfheller.

Das Konzept der „sozialen Landwirtschaft“

Bei der Planung des Ziegenstalls hörte Hans Trumpfheller von dem Konzept der „sozialen Landwirtschaft“ und war sofort begeistert davon. Er knüpfte Kontakte mit der Integra, einer gemeinnützigen Gesellschaft für die Integration und Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen im Odenwaldkreis, und schloss einen Kooperationsvertrag mit ihnen ab. Mittlerweile arbeiten acht Beschäftigte mit psychischer oder körperlicher Beeinträchtigung mit den Tieren zusammen. Die Mitarbeiter werden von einem festangestellten Betreuer, einem gelernten Landwirt, angeleitet. Die Käsemeisterin wurde als Betreuerin von der Integra im Betrieb eingestellt. Die Beschäftigten arbeiten jeweils sechs Stunden am Tag und fünf Tage die Woche im Zwei-Schichtbetrieb und versorgen die Tiere, reinigen den Stall, melken, füttern und helfen bei der Verpackung des Käses in der Käserei. Trumpfheller bezahlt den Beschäftigten ihr Gehalt, die Sozialabgaben werden von der Integra übernommen.

„Mir ist es wichtig, dass die Bevölkerung einen direkten Anteil an der Erzeugung der Lebensmittel hat, wovon sie mittlerweile leider weit entfernt ist. So hat nun wenigstens ein kleiner Teil der Bevölkerung einen Einblick, wie Lebensmittel in der Landwirtschaft hergestellt werden“, sagt Trumpfheller. Die Arbeit mit seinem Team macht ihm Spaß, auch wenn er sich zunächst auf die vielen verschiedenen Persönlichkeiten einstellen musste. Außerdem mussten einige Aufwendungen wie Sozialräume, Duschen und Sanitäranlagen für die Beschäftigten errichtet werden. Mit dem Umbau des Stalles, der Käserei inklusive Reiferäumen, Sozialräumen und Sanitäranlagen wurden etwa 650 000 Euro in dieses Projekt investiert.

Vermarktung in Zukunft über regionale Biomärkte

Momentan werden die Ziegenkäseprodukte nur über die hofeigene Käserei vermarktet, in der nächsten Zeit ist geplant, einen Hofladen zu eröffnen und die Produkte auch über regionale Biomärkte zu verkaufen. Alnatura soll dabei der Hauptabnehmer der Ziegenkäseprodukte werden, die von Camembert über verschiedene Frischkäsezubereitungen und Käse nach Feta-Art bis zu Hartkäse reichen.

jk – LW 31/2016