Brennnessel als Hauptakteur

Veranstaltung der Landfrauen zu Wildkräutern

Die Landfrauen im Kreisverband Kaiserslautern nutzten die Walpurgisnacht, um Wissen über Wildkräuter unters „Hexenvolk“ zu bringen. Über 70 Teilnehmer waren nach Reichenbach-Steegen ins Bürgerhaus gekommen.

Dinkel-Brennnessel-Fladen war nur eine Köstlichkeit.
Foto: Doris Theato

Kräuterhexe und Wildkräuterkoch, Brennnessel, ein bisschen Löwenzahn, hier noch etwas krautiges Grün, dort ein bisschen was Blühendes wie das Gänseblümchen und eine Moderatorin Else Albrecht, die stellvertretende Kreisvorsitzende mit Hexenhut. Das waren die Zutaten für die Wildkräuter-Veranstaltung „Natur fördern – Vielfalt erhalten“, angeboten von den Landfrauen von Reichenbach-Steegen, dem Kreisverband Kaiserslautern sowie der Landeszentrale für Umweltaufklärung.

Die Energie der Kräuter liegt förmlich in der Luft. Und auf dem Teller strotzen die Kräutergerichte nur so mit gesunder Kraft. Der Brennnessel-Cocktail macht den Anfang, die Suppe mit dem brennenden Kraut legt nach, der Brennnessel-Fladen tritt endgültig den Beweis an, die Natur hat es kulinarisch so richtig drauf.

Im Saal, geschmückt mit Wiesenblumensträußchen, gibt die Agrarwissenschaftlerin und Kräuterfachfrau Maren Renz, ihr Wissen rund um die heimischen Wildkräuter weiter, lässt keine Frage unbeantwortet, während in der Küche das große Messer im Akkord durch die Brennnessel saust. Die Hand am Messer haben die Köche Jochen Laufer und sein Sohn Tim. Kochen mit Wildkräutern ist für Jochen Laufer eine Freude, wie er sagt und für die Landfrauen zu arbeiten, das sei wie die Pflege eines schönen Hobbys.

Unterm Jahr gibt der Koch und Lebensmitteltechniker Jochen Laufer Kochkurse bei den Landfrauen. „Am Anfang haben sie schon gefragt, ob ich das überhaupt kann“, muss er doch lachen. Inzwischen ist er Garant für ein volles Haus, selbst dann, wenn die Teilnehmer gar nicht zum Kochen da sind. So wie in der Walpurgisnacht, wo er den Anwesenden das Hexenkraut auf den Teller brachte.

Im Garten nichts tun, dann Brennnesseln ernten

„Die Brennnessel zählt zu den Hexenpflanzen, war sie doch das Symbol für die hoffnungslose Liebe und Schutz gegen Blitzeinschlag gleich mit“, stellt die kräuterkundige Agrarwissenschaftler Maren Renz, den Hauptakteur des Abends vor. Der bringe im Garten ordentlich Masse zum Ernten, versorge die Insekten, darunter allein 25 Schmetterlingsarten mit Nahrung und er spare Zeit. „Einfach im Garten mal nichts tun und Sie können ernten“, bringt es Maren Renz auf den Punkt, wie es sich mit den Wildkräutern verhalten kann.

Löwenzahn, Gänseblümchen und Brennnessel sind meist gerade noch so bekannt. Es gibt natürlich eine ganze Reihe Wildkräuter mehr, die sich für den Teller, zum Verzehr von der Hand in den Mund oder gar mit heilender Wirkung empfehlen.

Die Kräuterfachfrau Maren Renz hatte viele wertvolle Tipps auf Lager.
Foto: Doris Theato

„Nutzen Sie wirklich nur, was Sie auch kennen“, rät deshalb die Kräuterfachfrau Renz und weist mit Blick auf eventuelle Verunreinigungen auch darauf hin, die Wildkräuter in der Küche genauso zu waschen wie den Salat oder sonstiges Gartengemüse. Von Panik hält Renz aber nichts, auch nicht, wenn es um den Fuchsbandwurm geht. „In Rheinland-Pfalz ist noch nie ein Fall einer Ansteckung beim Menschen beschrieben worden“, sagt Renz und verweist auf Ulm. Dort bestehe durchaus die Gefahr, allerdings auch eher für die Landwirte und nicht für Nutzer von Wildkräutern.

Gut, aber was ist mit der eindeutigen Gefahr; die durch die tückischen Brennhaare an der Brennnessel lauern? „Kurz in eine Tüte stecken, mit dem Nudelholz darüber gehen und dann passiert nichts mehr“, rät Renz. Auch das Kleinhacken mit einem Messer sei ein guter Weg. „Fein hacken oder pürieren und nicht zu lange Stiele lassen“, gibt Koch Laufer mit in die heimische Kräuterküche. Der servierte Brennnessel-Cocktail, der wie einer der grünen Smoothies aus den Supermarktregalen mit der Aufschrift „Superfood“ daher kommt, der ist perfekt und begeistert ob seiner säuerlichen Frische. Auch die von Jochen und Tim Laufer bereitete Brennnesselsuppe, der Kräuterfladen sowie der Gänseblümchen Quark entlocken Zufriedenheit. Zusammen mit der Information, dass in 100 Gramm Brennnessel satte 333 Milligramm Vitamin C stecken, die hochgepriesen Zitrone es zum Vergleich nur auf schlappe 53 mg bringt, steigt das brennende Kraut deutlich weiter in der Achtung der Teilnehmer.

Einfach mal die krautigen Kollegen wie Beinwell, Giersch, Gundermann, Borretsch oder die Ganzjahres Kollegen Löwenzahn, Brennnessel oder das Gänseblümchen im Garten wachsen lassen. Damit wird nicht nur was für die eigene Gesundheit getan, wenn man sie denn isst, sondern auch die Insekten finden Nahrung. Die Aussage von Maren Renz fällt auf sichtbar „fruchtbaren“ Boden im Saal in Reichenbach-Steegen.

Walpurgisnacht, für viele eine gute Gelegenheit auf den Putz zu hauen, Schabernack zu treiben oder einfach in den Mai zu tanzen. Sich dem Thema Hexen- und Wildkräuter widmen, das passt auch. Das Ergebnis ist überwältigend, denn auch die Insekten dürfen sich freuen, viele Teilnehmer wollen den Wildkräutern zukünftig mehr Platz anbieten.

Doris Theato – LW 20/2019