Defizit in Gülle und Gärresten ausgleichen

Mais-Unterfußdüngung ist meht als N und P

Die Unterfußdüngung ist im Mais, insbesondere Körnermaisanbau, weit verbreitet. Ob die Novellierung der Düngeverordnung ihr einen weiteren Schub verleiht, wird im folgenden Artikel diskutiert.

In zahlreichen Versuchen konnte immer wieder die Vorzüglichkeit der Unterfuß- (UF-) Düngung im Körnermais heraus gestellt werden. Seit drei Jahren führt die ZG Raiffeisen Karlsruhe auch einen Silomaisversuch im Raum Donaueschingen durch. Allen Varianten wurden einheitlich 30 m3 Gülle und 80 kg K2O verabreicht. Die NP-UF-Variante brachte gegenüber der Breitenausbringung mit Einarbeitung einen Mehrertrag von 13 dt TS. Einen zusätzlichen Ertragseffekt gab es durch die Kombination NP und Kieserit.

Struvit-Effekt verhindert P-Festlegung

Bei der kombinierten Gabe von NP und Kieserit bildet sich unter Einfluss von Feuchtigkeit Ammonium-Magnesium-Phosphat (Struvit). In einer wissenschaftlichen Arbeit am Institut für Pflanzenernährung der CAU Kiel konnte dieser Effekt gezeigt werden. Unmittelbarer Kontakt der beiden Dünger ist dabei nicht zwingend erforderlich. Schon einprozentige Lösungen der beiden Dünger reichen zur Struvitbildung. Der P-Mg-Komplex verhindert die Phosphatbindung an Calcium und damit Festlegung, was vor allem auf frisch gekalkten und Böden mit viel freiem Kalk von Vorteil ist.

Die im Struvit enthaltenen Nährstoffe N, P und Mg bleiben für einen längeren Zeitraum pflanzenverfügbar. Vor allem in der Jugendentwicklung, in der der Mais bekanntlich ein sehr schlechtes Aneignungsvermögen für die Nährstoffe P und Mg, hat, kann ihm so auf die Sprünge geholfen werden.

Neue Wege bei der Unterfußdüngung

Die Zeit der reinen DAP-Düngung unter Fuß sollte in viehhaltenden Betrieben oder im Maisanbau für Biogasanlagen mit Rückfluss des Gärrestes Geschichte sein. Die Phosphatfrachten durch die zurückgelieferten Güllemengen sind je nach Menge und Ausgangssubstrat bei Biogasanlagen relativ hoch. So werden bei einer Schweinegülle aus P-reduzierter Düngung mit 25 m³/ha schnell über 70 kg P2O5 gedüngt.

Beim Entzug von lediglich 90 bis 100 kg P2O5 kommt es beim Einsatz der praxisüblichen, ergänzenden NP-Unterfußdüngung recht schnell zur kritischen Überschreitung der P-Bilanz. So beträgt die Phosphatmenge von 1 dt DAP/ha 46 kg P2O5, bei 2 dt/ha sind es bereits 92 kg/ha. Problematisch ist die einfache Reduzierung der Gabenhöhe: Durch das stark zum Phosphat verschobene N-P-Verhältnis würde dann zu wenig Stickstoff unter Fuß gedüngt.

Weniger Phosphat unter Fuß

Moderne Unterfußdünger weisen ein ungefähr ausgeglichenes N-P-Verhältnis auf und enthalten mehr als nur Stickstoff und Phosphat. Oftmals werden weitere Hauptnährstoffe wie Magnesium und Schwefel sowie Mikronährstoffe wie Bor und Zink mit eingearbeitet. Der Vorteil von solchen Mehrnährstoffdüngern ist, dass die reduzierte Phosphatmenge durch Wurzelwachstum-fördernde Nährstoffe wie Bor aufgewogen wird.

Verschiedene Versuche haben gezeigt, dass mit weniger Phosphat unter Fuß die gleichen Erträge erwirtschaftet werden können, wenn Mikronährstoffe im frühen Jugendstadium angeboten werden. Außerdem hilft der Pflanze die Tatsache, dass bis zum 6-Blattstadium nur 10 Prozent des gesamten Phosphatbedarfs des Maises benötigt werden. Die Maispflanze wird in die Lage versetzt, das breitflächig durch den organischen Dünger bereitgestellte Phosphat in ihrer Hauptwachstumsphase zu nutzen.

Unterfußdüngung nicht weglassen

Die Vorteile einer gezielten Unterfußdüngung liegen vor allem in der sicheren Jugendentwicklung der Maisbestände. Somit sichert diese Maßnahme Erträge ab, die unmittelbare Auswirkung auf die Düngeplanung haben. Denn bessere Erträge bedeuten mehr Entzug an Nährstoffen, die im „Düngebudget“ gebraucht werden.

Selbst bei Böden der Gehaltsklasse E sollte eine kleine Menge an Phosphat (hier reichen 10 kg je ha) bereitgestellt werden. Laut Auslegung der DüV durch das DLR, den LLH und die

Lk Saarland darf bei Böden in Klasse E Phosphor noch der Entzug über Düngung ersetzt werden.

Dieser Sachverhalt trägt der Tatsache Rechnung, dass N und P in den organischen Düngern nicht trennbar vorliegen. Eine mineralische Düngung des Entzuges ist unter diesen Bedingungen demnach auch denkbar, ist aber nicht praxisrelevant. Aber es ist die Möglichkeit gegeben, auch unter diesen Bedingungen kleinste Mengen an Phosphat Unterfuß düngen zu dürfen.

Wegen seiner sehr guten Verwertung werden Silomais große Gaben an organischen Düngern verabreicht. Als stark N- und K-lastige Nährstoffquellen entsteht jedoch sehr schnell ein Missverhältnis zu Magnesium. Da Mg im Gegensatz zu Kalium nur passiv aufgenommen wird, verstärkt sich dieser Effekt bei Störung des Wasserflusses durch Verdichtungen und bei Trockenheit bis hin zum Kalium-Magnesium-Antagonismus.

Fazit: Unterfußdüngung muss auf den Prüfstand

Insbesondere die Maisunterfußdüngung sollte aufgrund der novellierten Düngeverordnung auf dem Prüfstand stehen. Verschiedenste Möglichkeiten zur Erhöhung der P-Effizienz stehen zur Verfügung. Ein Weiter so wie bisher, wird in vielen Fällen zu Problemen in der P-Bilanz führen.

Roland Stamm, YARA GmbH, Erwin Niederländer, K+S KALI GmbH, LAD Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland – LW 15/2018