DLG meldet rund 450 000 Besucher

Ein Messerundgang zeigt die Breite der Landtechnikbranche

Mit 2 907 Ausstellern und 450 000 Besuchern, darunter mehr als 100 000 aus dem Ausland, hat die Agritechnica das Ergebnis von 2013 wieder erreicht, so die veranstaltende DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) zum Abschluss der internationalen Landtechnikmesse am 14. November 2015 in Hannover. Weiter heißt es in der aktuellen Pressemitteilung, dass die Stimmung auf den Messeständen deutlich positiver gewesen sei als erwartet. Das zeigte auch ein Messerundgang der LW-Redaktion.

In Halle 20 präsentierte AGCO seine fünf Marken Fendt, Valtra, Challenger, Massey Ferguson und GSI.Foto: Becker

Die Investitionsbereitschaft der Landwirte und Lohnunternehmer ist höher als im Vorfeld erwartet. Das zeigte sich in Gesprächen mit zahlreichen Ausstellern und auch eine Besucherumfrage der DLG, wonach mehr als zwei Drittel von ihnen in den nächsten beiden Jahren investieren wollen.

Aussteller zeigen sich sehr zufrieden

Marc Suchy, Class Deutschland, sprach von einem sehr guten Messeverlauf mit vielen Kundengesprächen. Insgesamt bewege man sich auf Vorjahresniveau. Schwerpunkt am Stand des Herstellers war unter anderem die Bereitung Shredlage-Silagen. Diese sollen in den USA durch die sehr hohe Stärkeverfügbarkeit die tägliche Milchleistung um bis zu zwei Liter pro Kuh steigern können.

Michael Meilwes erläuterte am Claas-Stand die neue Corncrackerwalze MCC Shredlage (MCC=Multi Crop Cracker), deren Technologie vom amerikanischen Hersteller in Lizenz erworben wurde. Diese ermögliche eine intensive Aufbereitung im extremen Langhäckselbereich von 26 bis 30 Millimetern. „Die Shredlage-Walzen weisen ein Sägezahnprofil mit einer gegenläufiger Spiralnut auf. Damit können Spindelstücke vollständig zerkleinert und die Körner zerrieben werden, um sie komplett aufzuschließen. Darüber hinaus werden die Stängel auch in Längsrichtung sehr gut aufgefasert und die Rinde durch das spezielle Walzenprofil abgeschält.

Claas erwirbt Lizenz für Shredlage

Auch Traktoren können mit Sonderausstattungen glänzen, so wie hier der Deutz-Fahr 7250 TTV Warrior.

Die Technologie wurde vom amerikanischen Unternehmen Shredlage L.L.C. entwickelt. Viele Milchviehhalter in den USA und zum Teil auch in Deutschland verfütterten Shredlage-Silage bereits erfolgreich, hieß es in Hannover. Die Shredlage-Walzen wird Claas in Lizenz in Paderborn selbst fertigen. Der MCC Shredlage werde optional ab Werk oder zur Nachrüstung verfügbar sein für die JAGUAR Modelle 870 und 950 bis 980. Auch andere Häcklser-Produzenten haben auf diesen Trend reagiert und bieten Lösungen zur besseren Zerkleinerung der Körner teils auch mit größerer Häcksellänge an. Bei John Deere beispielsweise heißt der entsprechende Corncracker „Kernelstar“.

Valtra mit neuer N-Serie

Valtra stellte auf der Agritechnica die neue 4-Zylinder N-Serie vor, deren Vorführmaschinen auch schon bei den Händlern Probe gefahren werden können. Die vierte Generation der Valtra N-Serie mit sechs Modellen hat ein komplett neues Design und reicht von 115 bis 185 PS. Vier Ausstattungsvarianten HiTech, Active, Versu (5-fach Lastschaltgetriebe) und Direct (Stufenlosgetriebe) bieten für jeden Kunden die richtige Auswahl.

Die Maschinen mit Lastschaltgetriebe lassen sich nach Herstellerangaben wie ein stufenloser Schlepper fahren. Die Lastschalt-Traktoren bieten außerdem die Hillhold Berganfahrhilfe, den patentierten Hydraulikassistenten und die ASR Antischlupfregelung. Wie in Autos regelt das System die Motorleistung falls das Verhältnis von Radar und theoretischer Reifengeschwindigkeit (Schlupf) einen eingestellten Wert überschreiten. Ziel ist es, die beste Kraftübertragung und Kraftstoffeffizienz zu erreichen und dabei gleichzeitig einen Schaden am Boden zu verhindern. Der AGCO Power Motor (4,4 oder 4,9 Liter) mit der reinen SCR-Lösung ist mit einem verbesserten Turbo und vielen weiteren Funktionalitäten ausgestattet. Die N-Serie biete außerdem eine Vielzahl an Ausstattungskombinationen.

Regionale Händler als Anlaufstellen

Traditioneller Anlaufpunkt für Kunden sind die Stände der regionalen Vertriebspartner von John Deere auf der Agritechnica, so auch in diesem Jahr. Tina Rathjen, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, freute sich über sehr guten Besuch, der in den ersten Tagen durch Großkunden und ab Mittwoch von landwirtschaftlichen Privatkunden geprägt worden sei. Neben Traktoren, Mähdreschern und Feldhäckslern wurde beispielsweise „JDLink“ gezeigt. Damit wisse man immer, wo sich die Maschinen gerade befindet, was sie macht und könne Leistungs- und Verbrauchsdaten überwachen. „JDLink Connect“ biete darüber hinaus den Display-Fernzugriff und drahtlosen Datentransfer.

Schwarzes Sondermodell und grüner Erdgastraktor

Auch bei Zetor setzen Kundendienstleiter Radomir Brabec und Geschäftsführer Pavel Jahoda auf Design; man hat sich ein Konzeptmodell von Pininfarina entwerfen lassen.

Andreas Holzhammer, Leiter Werbung & Kommunikation bei Same Deutz-Fahr Deutschland, zeigte sich mit dem Messergebnis sehr zufrieden. „Wir haben bisher mehr verkauft als auf der letzten Agritechnica“. Publikumsmagnet am Stand war die Sonderedition 7250 TTV Warrior mit ihrem schwarzen Design und dem Auspuff in Edelstahloptik. Die Warrior-Modelle verfügen auf Wunsch über ein spezielles Beleuchtungspaket von Hella, hydraulische Oberlenkern und Teilledersitz. Auf großes Interesse stieß auch ein Traktor mit Erdgasmotor, der zusammen mit der Uni Rostock und dem Thüneninstitut als Studie vorgestellt wurde. „Biogas, das ins Erdgasnetz einspeist wird, hat die notwendige Qualität, um in diesem Fahrzeug eingesetzt zu werden“, so Holzhammer.

Marktführer aus Tschechien will in Deutschland zulegen

Der tschechische Traktoren-Hersteller Zetor hat auf der Agritechnica die zukünftige Markenstrategie vorgestellt. Die Modellreihen sollen von vier, auf sechs erweitert werden. Neben den bereits eingeführten Modellreihen wie etwa dem Major konnten auf dem Messestand das Konzept „Zetor by Pininfarina“ in modernem Design, der Sechszylinder-Traktor Crystal und Prototypen eines Dreizylinder-Traktors mit 49 PS, der den Grundstein der fünften Modellreihe darstellt, in Augenschein genommen werden. Wie der Geschäftsführer des tschechischen Marktführers, Pavel Jahoda, betonte, sucht man in Deutschland derzeit nach weiteren Vertriebspartnern, um mittelfristig einen Marktanteil von 2 Prozent zu erreichen.

Kompakte Traktoren-Baureihe Optum CVX

Case IHC stellte in Hannover die neue kompakte Baureihe Optum CVX vor, die im September in Produktion gegangen ist. Die Schlepper mit 270 beziehungsweise 300 PS Nennleistung bieten Vierfachzapfwelle im Heck serienmäßig und optionale Zweifach-Frontzapfwelle, ein neues vierstufigen CVT-Getriebe und hervorragende Traktion, so der Hersteller. Die Optum CVX Baureihe umfasst zwei Modelle mit kompakten 6,7 Liter Efficient Power NEF Motoren von FPT Industrial, die bei einer Nenndrehzahl von 2100 U/min eine Leistung von 270 PS beziehungsweise 300 PS liefern, wobei das größere der beiden Modelle eine Höchstleistung von 313 PS bei 1800 U/min erreicht.

Da diese Motoren die Emissionsauflagen der Stufe IV ohne zusätzliche Komponenten wie Partikelfilter erfüllen, biete die neu gestaltete Motorhaube ausgezeichnete Sicht nach vorn, und die kompakten Motoren sorgten für einen niedrigen Kraftstoffverbrauch.

Saatgutkörner pro Quadratmeter ohne Abdrehprobe einstellen

Einen neuen Saatgutsensor präsentierte Väderstad am Stand in Halle 12. Wie Maria Redwanz erläuterte, stellt „SeedEye“ eine neue und Technik für die Sämaschinen Spirit R 300-400S, Rapid A 400-800S und Rapid A 600-800C dar. Damit könne der Landwirt die Zahl der Saatgutkörner pro Quadratmeter ohne Abdrehprobe ganz einfach einstellen. SeedEye sei eine weitere Funktion von E-Control, dem bereits etablierten Kontrollsystem von Väderstad.

Maria Redwanz zeigt, wie der Väderstad-Saatgutsensor „SeedEye“ die Zahl der Saatgutkörner ermittelt.

„Auch Bei unterschiedlichen Saatgutsorten muss die Sämaschine nicht neu eingestellt werden. Denn SeedEye nimmt die Änderung selbstständig automatisch vor, wenn der Fahrer den Wert am Display ändert. Die Sensoren hierfür sind in den Saatgutschläuchen positioniert. Das Saatgut strömt an den Sensoren vorbei, die mit sechs Foto-Transistoren bestückt sind. So kann die Ausgabemenge mit hoher Genauigkeit angegeben werden beispielsweise mit 99-prozentiger Genauigkeit bei Raps. „SeedEye“ ist vom Herbst 2016 an verfügbar.

Radlader bringt knapp 14 Tonnen auf das Silo

„Mit dem neuen Radlader 435s stellen wir unseren König der Silomiete vor“, sagte Martin Thelen zur JCB-Präsentation auf der Agritechnica. Mit über 13 Tonnen Gewicht, 230 PS, spritsparenden Tier-4-Final-Motoren, 6-Gang-Lastschaltung und einer Höchstgeschwindigkeit von 48 km/h sei dies ein sehr leistungsfähiges Gerät für Arbeiten im Fahrsilo. Hier hat man große Priorität auf die Bedienfreundlichkeit gelegt, sowohl in der Ausstattung der Kabinen als auch bei der Handhabung. Auch Thelen berichtete über einen sehr guten Kundenzuspruch während der Messetage.

Stroh zweimal schneiden, nasse Ballen markieren

Auch New Holland präsentierte ein breites Spektrum an Landtechnik. Gerd Gerdes wies besonders auf die Mähdresche mit der Möglichkeit zum flexiblen Hochschnitt hin. Das New Holland Dual Stream ermögliche eine bis zu 15 cm höheren Schnitthöhe, was eine bis zu 20 Prozent höhere Durchsatzleistung des Mähdreschers, weniger Maschinenbelastung, weniger Sprit- und Trocknungskosten sowie eine gleichbleibend hohe Kornqualität bedeute. Durch ein Doppelmessersystem werde die Stoppel auf das normale Maß gekürzt und eine optimale Verteilung des „Doppelstoppels“ auf der gesamten Arbeitsbreite erreicht.

Eine einfache und effektive Methode zur Kennzeichnung nasser Bereiche an großen, rechteckigen Ballen ist laut Gerdes der Der New Holland Bale Marker. Das Markiersystem ist mit dem Monitor der Serie 600 kompatibel. Der 12 Liter Tank wird in Nähe der Ballenkammer mit den Sprühdüsen an der Seite oder oben an der Ballenkammer montiert. Es ist einfach auffüllbar und einfach in der Wartung und ein Tank Farbstoff kann für einen vollen Tank CropSaver- Heukonservierungsmittel reichen und lässt sich zwischen 8 und 72 Prozent Feuchtigkeit einstellen. Wenn der Hochfeuchtigkeitsalarm aktiviert wird, sprüht das System rote Farbe in Lebensmittelqualität genau auf die Nassstelle im Ballen.

Smart Drive Control der intelligente dreiachsige Antrieb

In einem gemeinschaftlichen Forschungsprojekt mit John Deere hat Fliegl Agrartechnik Smart Drive Control entwickelt, ein System, das drei Komponenten kombiniert und aufeinander abstimmt: Traktorgetriebe, Anhänger und Triebachse. Innerhalb dieser Kooperation liefert Fliegl einen leichten Alu-Tec Anhänger inklusive Triebachse und einen ISOBUS-Rechner, der wichtige Informationen an den Traktor überträgt. Ein integriertes Gyroskop hilft, gefährliches Überschieben in Kurven zu vermeiden. Das Gespann biete so jederzeit optimale Traktion und punkte zudem mit einem erheblichen Nutzlastvorteil. „Dank der Smart Drive Control kommen Traktoren mit geringerer Motorleistung und geringerem Eigengewicht aus (ca. 2 t), hieß es in Hannover. Zusätzlich generiere Fliegls Alu-Tec Konstruktion eine Gewichtsersparnis von etwa 3 t. In der Summe bedeutet das gut 5 Tonnen mehr Beladungsspielraum, ohne das zulässige Zuggesamtgewicht von 40 Tonnen zu überschreiten. Zudem bedeutet Smart Drive Control mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

 

Neue Generation selbstfahrender Futtermischwagen

Mit dem SelfLine 4.0 stellte Siloking eine neue Baureihe selbstfahrender Vertikal-Futtermischwagen vor. Diese verfügen über Volvo-Motoren mit der Abgasstufe 4 , 143 bis 218 PS und sind sparsam im Dieselverbrauch. Wie Vertriebsleiter Sascha Behrend in Hannover feststellte, fragen viele Landwirte solche Maschinen nach. „Mehr als ein Drittel der Besucher an unserem Stand wollen in den nächsten drei bis vier Monaten investieren“, sagte er. Selbstfahrer seien hocheffektiv und könnten so zur Kostenreduktion im Betrieb beitragen. Ziel sei es, mit der tatsächlich vorgelegten Ration möglichst nahe an die berechnete heranzukommen.

Siloking-Vertriebsleiter Sascha Behrend im neuen SelfLine 4.0 Futtermischwagen.

Mit derr optionalen 50-km/h-Zu- lassung sei der 500+ Selbstfahrer ein Allrounder für Hof- und Straßenfahrten. „Das ist vor allem für Betriebe interessant, die an zwei Standorten Futter vorlegen müssen“, so Behrend.

Milchbauern derzeit abwartend, Pflüge nachgefragt

Rainer Krug, Kuhn-Gruppe, Spezialist für Bodenbearbeitung, Sätechnik, Futtererntemaschinen und Fütterungstechnik, stellte eine gute Investitionsstimmung bei den Messebesuchern fest, „allerdings sind Milchbauern derzeit abwartend“. Bei der Bodenbearbeitung würden wieder deutlich mehr Pflüge nachgefragt und auch Strip-Till-Systeme stünden bei Mais- und Rübenanbauern weiter hoch im Kurs.

Für Betriebe im LW Gebiet seien die Profile-Plus-Futtermischwagen der Kompaktklasse interessant, die neben der Futtermisch- auch eine Verteil- und Stroheinstreufunktion anbieten. Diese wurde speziell für Landwirte mit engen Stalldurchfahrten und kleinerem Hoftraktor konzipiert.

Digital Farming für mittlere und kleinere Betriebe

Die BayWa AG stellte ihre neue Produktgeneration für Digital Farming der Konzerntochter FarmFacts (ehemals Land-Data Eurosoft) vor. Unter dem Namen „Next Farming“ bietet der Münchner Handels- und Dienstleistungskonzern ein Gesamtkonzept für mittlere und kleinere landwirtschaftliche Betriebe an. „Wir machen das Know-How für digitale Landwirtschaft nun auch für andere Betriebsgrößen nutzbar“, so Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Agritechnica.

Die Next-Lösungen seien für die Kunden modular aufgebaut und basieren auf einer zentralen Cloud-Architektur. „Digitalisierung braucht effizienten Datentransfer. Darum gelten für FarmFacts und BayWa bei Datenschutz und Datensicherheit höchste Standards“, erklärte Lutz. Ort der zentralen Datenverarbeitung und -speicherung für die FarmFacts-Cloud sei München.

Feldspritzen verfügen über Teilbreitenabschaltungen

Beim dänischen Feldspritzen Spezialisten Hardi sprach Verkaufsleiter Ralf Pape von einer regen Nachfrage nach Lösungen zur Teilbreiten- beziehungsweise Enddüsenabschaltung mit GPS-Steuerung. „Vor allem die Abstandsauflagen zum Schutz von Gewässern und Randstreifen, aber auch das Vermeiden teurer Überlappungen motivieren die Ackerbauern, hier zu investieren.“ High-End-Techniken, wie beispielsweise zur Erkennung und Bekämpfung von Einzelpflanzen seien dagegen (noch) wenig gefragt.

Gezeigt wurde unter anderem die neue Anbauspritze „Mega“ in komplett neuem Design und neuem Gestängaufzugung, der Arbeitsbreiten bis 28 Meter mittels Anti-yaw-Funktion im Gestängecenter ruhig über das Feld führt. Diese Spritze fasst bis zu 2200 l und der Raum zwischen Schlepper und Spritze wurde für den Spülwasserbehälter genutzt. Große integrierte Seitenabdeckungen verhindern Verschmutzungen.

Radlader mit geringer Bauhöhe

John Deere und Fliegl Agrartechnik haben zusammen „Smart Drive Control“ entwickelt, das gezielt die Triebachse im Anhänger steuert.
Foto: Werkfoto

Weidemann präsentierte auf der Agritechnica einige Neu- und Weiterentwicklungen. Mit den neuen Low Position Modellen (LP) stellte die Weidemann GmbH zwei neue Radlader vor, die alternativ mit Schwinge (3080LP und 4080LP) oder als Teleskopradlader (3080LPT und 4080LPT) angeboten werden. Die neuen Lader lösen die erfolgreichen Modelle 3070 CXLP und 4070 CXLP ab und sind für mittlere sowie größere landwirtschaftliche Betriebe und für Pferdehöfe konzipiert worden. Die neuen Motoren sind auf die Richtlinien der europäischen Abgasnorm Stufe IIIB abgestimmt, die drastisch reduzierte Abgaswerte vorschreiben. Die tiefer gelegte Sitzposition des Fahrers ermöglicht eine geringere Bauhöhe der Maschine. Dadurch sind niedrige Durchfahrten auch mit fest montiertem Fahrerschutzdach beziehungsweise Kabine kein Problem.

Auch bei den Hoftracs stellte Weidemann ein neues Einsteigermodell vor, den 1140 Basic Line mit einem Betriebsgewicht von 1630 kg und einer Kipplast von 664 kg mit Schaufel. Durch die Reduzierung verschiedener Bauteile sei eine preiswerte Maschine für viele Arbeiten entstanden. Das bis dato nach allen Seiten offene Fahrerschutzdach des 1140, 1160 und 1260 ist jetzt neu mit einer Verglasung aus Sicherheitsglas vorn und hinten erhältlich.

Im Anbauwerkzeuge-Programm von Weidemann ist nun auch ein Materialschieber erhältlich, mit dem die Reichweite einer Maschine deutlich verlängert wird. Schüttgüter, wie etwa Getreide, können damit zu einem hohen Haufen aufgeschoben werden. Außerdem wird ein Futterräumer angeboten, der für kleine bis mittlere Maschinentypen geeignet ist und das Futter auf dem Futtergang mit Hilfe einer liegenden Schnecke gleichmäßig nachschiebt. Über den aufgesetzten Behälter kann bei diesem Arbeitsgang gleichzeitig zum Beispiel Mineralfutter zugeführt werden.

Schlagkarteien für die Hosentasche

Ackerschlagkarteien können die Betriebsplanung auf den landwirtschaftlichen Betrieben erleichtern. Ein junges IT-Unternehmen aus Litauen, bestehend aus Landwirten, Beratern und IT-Spezialisten, möchte den Landwirten nun eine Schlagkartei an die Hand geben, die einfach zu bedienen ist und alle Anforderungen hinsichtlich Anbauplanung, Dokumentation und Arbeitsorganisation erfüllt. Auf der Agritechnica wurde die Ackerschlagkartei Vitalfields vorgestellt.

„VitalFields ist eine Schlagkartei, die auf wenig Aufwand bei der Bedienung und klare Strukturen und einen mobilen Einsatz Wert legt. Direkt aus der Schlepperkabine können alle Arbeitsvorgänge mit nur wenigen Klicks ohne großen Aufwand auf dem Smartphone eingegeben werden. Die Software wurde komplett neu entwickelt und konsequent auf einfachste und mobile Bedienung aufgelegt“, erläuterte Produktmanager Konstantin Hahlbrock. VitalFields könne auf allen gängigen Geräten und Betriebssystemen, wie PC, Smartphone oder Tablet PC, parallel eingesetzt werden. Die Ackerschlagkartei nutzt dabei die Technologie des Cloudcomputings, mit der die Daten über das Internet synchronisiert werden. „Allerdings können alle wichtigen Grundfunktionen, etwa bei der Dokumentation von Arbeiten auf dem Feld, auch ohne Internetverbindung genutzt werden“, erklärte Hahlbrock. Ebenso können verschiedene Mitarbeiter VitalFields zeitgleich nutzen, beispielsweise um Arbeitsaufträge zu erhalten oder Arbeiten auf verschiedenen Feldern zu dokumentieren. Neben den Modulen Anbauplanung und Dokumentation könne der Landwirt umfangreiche Auswertungen nutzen. Ab sofort steht optional ein Beraterzugang zur Verfügung. Eine Testversion kann kostenlos genutzt werden, die Nutzung der Vollversion kostet zwei Euro pro Hektar.

Grundversion inklusive Schlagkartei kostenlos

Auch 365FarmNet setzt auf Einfachheit in der Bedienung. 365FarmNet bietet eine digitale Hofverwaltung an, in die sich alle Bereiche des landwirtschaftlichen Unternehmens integrieren lassen. Es arbeitet webbasiert, eine Installation von Programmen ist nicht erforderlich. Die voll funktionsfähige Grundversion inklusive Schlagkartei stellt das Unternehmen kostenlos zur Verfügung. Enthalten sind Hofkarte mit Anbauübersicht, Stammdatenverwaltung, Schlagkarte, Kalenderfunktion, Dokumentationsfunktion, Cross-Compliance-Nachweis sowie das Standardwetter. Die Antragsdaten sind einlesbar, zudem stehen Informationen zu allen gängigen Saatgütern, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zur Verfügung. Zusatzbausteine, wie beispielsweise die Anbau- und Sortenplanung, sind kostenpflichtig zubuchbar.

Axel Behmann auf der Claydon Hybrid T4, die jetzt mehr als Strip-Till kann.

Die Software kann auf dem PC und auf Smartphone oder Tablet genutzt werden, so dass die Arbeiten auf dem Feld dokumentiert werden können. Neuer Partner von 365FarmNet ist Land-Data. Damit können Landwirte ab 2016 den Baustein Buchhaltung über die neue Softwareanwendung Adnova+ nutzen und Daten aus dem Rechnungswesen in die Internetplattform übernehmen. Auch ältere Landtechnik lässt sich demnächst in 365FarmNet integrieren. Hierfür nutzt das Unternehmen die neue Partnerschaft mit Müller-Elektronik. Die Landwirte können die Müller-Elektronik Terminals nutzen, um die Jobdaten aus dem Arbeitsprozess der Maschinen über die Dokumentations-App von 365FarmNet ins System zu übertragen.

Strip-Till-Maschine auch für gepflügte Äcker

Claydon Drills, Spezialist für Streifen-Direktsaat aus England, stellte zur Agritechnica die neue Claydon Hybrid T4 vor und stellt sich damit etwas breiter auf: Diese gezogene Drillmaschine mit vier Metern Arbeitsbreite basiert auf dem Strip-Till-System, könne aber das Saatgut direkt in die Stoppel, in den minimal bearbeiteten oder in den gepflügten Boden ausbringen; das erweitere den Einsatz auf unterschiedliche Bodenarten, Bedingungen und Vorfrüchte.

„Mit der Hybrid T4 kann sowohl ausschließlich Saatgut als auch Saatgut und Dünger gleichzeitig ausgebracht werden; dieses System erfreut sich bei Landwirten und Lohnunternehmern in Europa und Skandinavien zunehmender Beliebtheit“, sagte Axel Behmann, Geschäftsführer Claydon Deutschland. Dies ermögliche es dem Landwirt, die Aussaat ausschließlich mit der Drillmaschine und so mit einem vergleichsweise geringen Investitionsbedarf zu erledigen.

Kooperationsprojekt zu Anwender- und Gewässerschutz

Natürlich war auf der Agritechnica auch das Thema Nachhaltigkeit allgegenwärtig. Bayer präsentierte hierzu erstmals mit einer Pressekonferenz auf der Messe ein Kooperationsprojekt: Zusammen mit Beutech Agro, der agrotop GmbH, dem GeoInformationsDienst (GID) und der Universität Hamburg fand man Lösungen, die dem Landwirt helfen, den Anwender- und Gewässerschutz beim Pflanzenschutz auf hohem Niveau weiter zu fördern. Im Mittelpunkt standen dabei die Vorstellung des Phytobac-Systems, des DLG-prämierten easyFlow -Befüllsystems und des digitalen Gewässerschutzberaters.

Wie Hans-Joachim Duch, Bayer CropScience, bei einer Pressekonferenz erläuterte, stellt das „Phytobac-System“ einen Baustein im Gewässerschutz dar, denn durch sein geschlossenes Kreislaufsystem werden Einträge durch Punktquellen verhindert. Dabei wird das Spritzenreinigungswasser vom Waschplatz im Phytobac-Tank gesammelt und von dort gezielt in eine Art abgeschlossene Pflanzenkläranlage eingeleitet. Ein Tensiometer misst dort ständig die Bodenfeuchte und steuert so gezielt die Verrieselung des Wassers. Damit sind für die im Boden lebenden Mikroorganismen konstant optimale Bedingungen gewährleistet. Diese bauen im Boden eventuell vorhandene Pflanzenschutzmittel ab, während das reine Wasser verdunstet. Ein durchsichtiges Dach schützt den Boden vor überflüssigem Regenwasser, lässt aber gleichzeitig Sonnenstrahlen durch und fördert so den photolytischen Abbau von Pflanzenschutzmitteln.

Erosions- und Abschwemmungsprozesse von landwirtschaftlich genutzten Flächen können zu Stoffeinträgen in benachbarte Gewässersysteme führen. Vor diesem Hintergrund entwickelt Bayer CropScience zusammen mit dem GeoInformationsDienst (GID) und dem Institut für Geographie der Universität Hamburg eine Web-GIS gestützte Plattform zum Gewässerschutz in der Landwirtschaft. Die Anwendung soll im Rahmen der Erfordernisse des Gewässerschutzes zur technischen Beratung landwirtschaftlicher Betriebe genutzt werden. Sandra Wendland, Universität Hamburg, hob die Nutzerfreundlichkeit des Systems hervor: „Mit der Webanwendung kann der Benutzer auch von unterwegs per Tablet verschiedene Maßnahmen für eine optimierte Landnutzung digital modellieren. Hierbei werden sowohl ökonomische Erfordernisse, als auch die Anforderungen des Gewässerschutzes und der nachhaltiger Landwirtschaft berücksichtigt. Aufgrund der Verknüpfung aller Parameter und der Einbeziehung der Wetterprognose kann dann schlussendlich eine Spritzempfehlung ausgesprochen werden.“

Das mit einer Agritechnica-Silbermedaille ausgezeichnete easyFlow-Befüllsystem wurde bereits im LW vorgestellt (Ausg. 44, S. 22). Die nächste Agritechnica findet vom 14. bis 18. November 2017 (Exklusivtage am 12. und 13. November) auf dem Messegelände in Hannover statt.

Imke Brammert-Schröder, Karsten Becker, LW – LW 47/2015