Ehrenamt für den Landtourismus

Nachgefragt bei Frank Becker, BaLuH-Vorstandsmitglied

Frank Becker ist Vorstandsmitglied im Verein Bauernhof- und Landurlaub in Hessen. Er betreibt mit seiner Frau einen Ferienbetrieb mit Ponyhof.

Foto: Becker

LW: Herr Becker, Sie sind im Vorstand des Vereins Bauernhof- und Landurlaub in Hessen (BaLuH). Wie viele Mitglieder hat die Anbietergemeinschaft und wie hat sich der Verein in den letzten Jahren entwickelt?

Frank Becker: Derzeit gehören unserem Verein über 50 hessische Betriebe an. Dazu zählen überwiegend aktive landwirtschaftliche Höfe, aber auch ein paar Betriebe, die mittlerweile nicht mehr aktiv sind, aber dennoch weiterhin Landtourismus auf dem Hof anbieten. Den Verein gibt es jetzt seit mehr als 25 Jahren. Früher wurden Vorstand und Mitglieder von einer institutionell geförderten hauptamtlichen Geschäftsstelle unterstützt. Nach deren Wegfall übernimmt der Vorstand diese Aufgaben im Ehrenamt. Das ist anspruchsvoll, zeigt aber auch, wie engagiert sich unsere Mitglieder für den Landtourismus einsetzen.

LW: Welches Ziel verfolgt der ehrenamtliche Vorstand des BaLuH?

Becker: Unser Ziel ist es, die Mitgliedsbetriebe bestmöglich zu unterstützen und den Landurlaub in Hessen sichtbar zu machen. Dazu gehören unter anderem eine Internetseite, Social-Media-Präsenz, die Herausgabe eines Katalogs, der auf verschiedenen Messen und Märkten präsentiert wird. Wichtig ist uns auch der Austausch unter den Mitgliedern und Unterstützung bei der Weiterentwicklung oder dem Neueinstieg in den Landtourismus. Darüber hinaus sind wir mit anderen touristischen Akteuren in Hessen vernetzt, stehen im engen Austausch mit dem hessischen Landwirtschaftsministerium und dem Beratungsteam Erwerbskombinationen im LLH und profitieren von der Bundesarbeitsgemeinschaft, die unser politisches Sprachrohr nach Berlin ist. Wir sehen uns daher als Vermarktungsplattform, Qualitätsnetzwerk und Interessenvertretung.

LW: Inwieweit profitieren Sie von dem bundesweiten Netzwerk als Mitglied im Bundesverband Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus?

Becker: Über den Bundesverband sind wir eng mit den anderen Landtourismus-, aber auch den großen Tourismusverbänden vernetzt. Dieser Austausch ist sehr wertvoll für Impulse und Informationen wie Trends in der Tourismusbranche, Statistiken, aber auch interner Weiterentwicklung auf Verbandsebene. Hervorzuheben ist der direkte Austausch mit den zuständigen Bundesministerien – so bekommen auch kleinere Betriebe eine starke gemeinsame Stimme.

LW: Wer sind die typischen Gäste Ihrer Mitgliedsbetriebe?

Becker: Unsere wichtigsten Gäste sind Familien mit Kindern aus ganz Deutschland sowie aus den benachbarten europäischen Ländern. Viele suchen ganz gezielt nach einem besonderen Angebot, etwa einem zertifizierten Kinderbauernhof, einem Reiterhof oder einem Landurlaubshof. Egal ob mit oder ohne Kinder – die Gäste suchen authentische Landerlebnisse, Entschleunigung und die Möglichkeit, in der Natur aktiv zu sein – und genau dafür stehen wir!

LW: Welche wirtschaftliche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach der Bauernhofurlaub für landwirtschaftliche Betriebe?

Becker: Der Landtourismus ist für viele Betriebe ein wichtiger wirtschaftlicher Baustein. Die Nachfrage nach Urlaub in Deutsch­land entwickelt sich positiv und davon profitieren auch unsere Mitgliedsbetriebe. Welchen Einkommens-Anteil der Betriebszweig auf unseren Höfen hat, ist je nach Umfang sehr unterschiedlich. Grundsätzlich lässt sich aber festhalten, dass die Einnahmen aus der Diversifizierung die Höfe unabhängiger von schwankenden Erzeugerpreisen oder Ernteausfällen machen. Viele ergänzen ihr Angebot außerdem erfolgreich durch Hofläden, Direktvermarktung oder einem Hofcafé.

LW: Welche Erwartungen müssen die Mitglieds-Betriebe heute erfüllen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Becker: Die Gäste erwarten heute Komfort, Gastfreundschaft und authentische Erlebnisse. Wer sich weiterentwickelt und attraktive Angebote – besonders für Familien – schafft, bleibt langfristig erfolgreich. Weitere Themen, mit denen die Betriebe sich beschäftigen müssen, sind Digitalisierung und Sichtbarkeit im Internet. Dort werden die Urlaube heutzutage gebucht und eine attraktive Homepage ist ein wichtiges Aushängeschild.

Auf dem Mitteltalhof in Kaufungen (Nordhessen) von Familie Becker bewohnen die Feriengäste bunte Häuser im nordischen Stil.

Foto: Becker

LW: Sind die Mitglieds-Höfe von BaLuH in den diesjährigen Ferien gut gebucht?

Becker: Die Höfe sind aktuell während der bundesweiten Ferienzeiten meist sehr gut gebucht – nicht zuletzt dank vieler treuer Stammgäste. Zwischen den Ferien bieten viele Betriebe kürzere Mindestaufenthalte an und erreichen so ebenfalls eine hohe Auslastung. Manche Höfe nutzen die Wintermonate für Renovierungen oder eine saisonale Pause, andere heißen ihre Gäste das ganze Jahr über willkommen.

LW: Wo sehen Sie den Verein in zehn Jahren?

Becker: Ich wünsche mir, dass unser Verein in zehn Jahren noch mehr Betriebe zusammenbringt, die Landwirtschaft und Gastfreundschaft miteinander verbinden. Urlaub auf dem Bauernhof ist für viele Höfe eine gute Möglichkeit, zusätzliche Einkommensquellen zu schaffen und den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen. Wenn wir dabei neue Anbieter gewinnen und bestehende Betriebe – auch beim Generationswechsel – begleiten können, haben wir viel erreicht.

LW: Wenn Sie Menschen, die noch nie Urlaub auf einem Bauernhof gemacht haben, in einem Satz überzeugen müssten: Was würden Sie ihnen sagen?

Becker: Wer Natur, Gastfreundschaft, echte Einblicke in die Landwirtschaft und erholsame Urlaubstage für die ganze Familie sucht, ist auf einem unserer Mitgliedsbetriebe genau richtig.

LW: Sie selbst bieten Gästen auf dem Mitteltalhof in Kaufungen Unterkunft an. Was beinhaltet Ihr Angebot?

Becker: Man sagt: „Das Leben ist kein Ponyhof.“ Unser Leben ist unser Ponyhof. Seit fast 60 Jahren sind Islandpferde ein fester Bestandteil unseres Hofes. Seit 2012 können Gäste bei uns in Ferienhäusern im nordischen Stil Urlaub machen, dazu bieten wir unseren Gästen qualifizierten Reitunterricht an. Neben dem Reitunterricht können die Gäste beim Versorgen der Pferde mithelfen. Wer möchte, kann vor dem Reitprogramm den Tag mit einem kurzen Impuls auf unserem „Hoffnungsweg“ starten. Ergänzt wird das Angebot durch Freizeiten und Seminare.

LW: Ein Hofcafé rundet Ihr Angebot ab. Ist dies nur für Ihre Gäste?

Becker: Unser Hofcafé haben wir im Mai 2020 zunächst für unsere Feriengäste eröffnet. Schnell zeigte sich, dass auch viele Menschen aus der Region den selbst gebackenen Kuchen und die besondere Atmosphäre schätzen. Heute ist daraus ein erfolgreicher eigener Betriebszweig geworden, der Gäste aus der gesamten Umgebung Kassels anzieht.

LW: Was begeistert Sie persönlich an Ihrer Arbeit als Anbieter von Bauernhofurlaub?

Becker: Der direkte Kontakt mit den Menschen. Viele Gäste kommen erschöpft vom Alltag zu uns und genießen die Ruhe, die Natur, die Tiere und das Miteinander auf dem Hof. Es ist schön zu erleben, wie sie erholt und mit neuer Energie nach Hause fahren. Dass über 65 Prozent unserer Gäste Stammgäste sind, bestätigt uns jeden Tag in unserer Arbeit.

SL – LW 29/2026