Erbsen und Ackerbohnen müssen sich lohnen

Verwertung über den Futtertrog rechnet sich

Können Ackerbohnen und Erbsen auf den Äckern in Rheinland-Pfalz wieder heimisch werden? Sie bieten viele ackerbauliche Vorteile und lassen sich gut verfüttern. Ob sich ihr Anbau rechnet, hängt aber nicht zuletzt von den Marktbedingungen und der Verwertung ab. Am besten lassen sich die Leguminosen über den eigenen Futtertrog verwerten.

Gaben bei der Tagung über den Anbau von Ackerbohnen und Erbsen ihr Wissen weiter (v. l.): Gerd Hill, DLR Westpfalz, Christoph Jubien, RWZ Köln, Christian Kussel, Eichenhof, Wörrstadt, Christine Zillger, KÖL, Katrin Stevens, FH Südwestfalen und Jochen Buß, KÖL.
Foto: Brammert-Schröder

Gründe für den Anbau von heimischen Leguminosen gibt es viele: sie lockern enge Fruchtfolgen auf, helfen, den Ackerfuchsschwanz in den Griff zu bekommen und können eine Alternative in der gentechnikfreien Fütterung für Rind und Schwein sein. Inzwischen werden in Rheinland-Pfalz vor allem Futtererbsen wieder angebaut. 2018 waren es knapp 3000 ha. Unter dem Titel „Ackerbohnen und Erbsen – lohnenswerte Kulturen auf dem Acker und im Stall“ veranstaltete das DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau (KÖL) Mitte Februar in Wörrstadt eine Tagung, um Ökonomie und Verwertungsmöglichkeiten genauer zu betrachten.

„Früher wurden in Rheinhessen viele Sonnenblumen, Ackerbohnen und Erbsen angebaut“, sagte Jörg Weickel, Abteilungsleiter Landwirtschaft beim DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, bei der Begrüßung. Das ist allerdings schon viele Jahre her. „Das Wissen rund um diese Kulturen war schnell weg, als sie aus den Fruchtfolgen verschwunden sind.“

Höchste Wertschöpfung bei innerbetrieblicher Verwertung

Umso wichtiger sei die Arbeit des Demonstrationsnetzwerkes Erbse/Bohne, das das BMEL ins Leben gerufen hat und dem auch einige Landwirte in Rheinland-Pfalz und in Hessen angehören. „Nicht nur der Erfahrungsaustausch untereinander muss gefördert werden, auch die Peripherie muss belebt werden“, erklärte Weickel mit Blick auf die Vermarktung der Leguminosen, die über die privaten Landhändler und die Genossenschaften nicht immer einfach und preislich für den Landwirt attraktiv ist. Dabei könnten die Leguminosen bei den aktuellen Herausforderungen um einen schwächelnden Zuckermarkt und eine Verschärfung der Düngeverordnung sogar punkten.

Doch ob sie wieder vermehrt den Weg in die Fruchtfolgen der Landwirte finden, hängt wesentlich von der Wirtschaftlichkeit des Anbaus von Ackerbohnen und Erbsen ab. Darauf ging Katrin Stevens von der Fachhochschule Südwestfalen ein, die innerhalb des Demonetzwerkes auch für die Betreuung der sechs Mitgliedsbetriebe in Rheinland-Pfalz und die betriebswirtschaftliche Auswertung zuständig ist. Insgesamt arbeiten 58 konventionell und ökologisch arbeitende Betriebe aus ganz Deutschland in dem Netzwerk mit.

Ackerbohnen bringen im Durchschnitt 50 dt/ha

Katrin Stevens stellte die Erträge und die direkt- und arbeitskostenfreie Leistungen von Ackerbohnen und Erbsen vor, die in den Projektbetrieben ermittelt wurden. Nach ihren Worten wurden bei Ackerbohnen im Durchschnitt aller Betriebe in Deutschland 50 dt/ha geerntet, bei Erbsen in den rheinland-pfälzischen Betrieben im vergangenen Jahr durchschnittlich 40 dt/ha. „Gerade bei Erbsen können die Erträge sehr unterschiedlich sein“, sagte sie und verwies auf eine Ertragsspanne in 2018 von 35 bis 55 dt/ha.

Die Verwertung der Körnerleguminosen hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Kultur. „Die höchste Wertschöpfung erzielen Sie bei einer innerbetrieblichen Verwertung“, erklärte Stevens. Auch eine zwischenbetriebliche Verwertung könne zufriedenstellende Ergebnisse bringen, wohingegen sich die Lieferung an den Handel teilweise schwierig gestaltet, weil zum Teil nur wenig gezahlt werde.

Stevens berichtete auch über neue Märkte, beispielsweise für die Humanernährung. So werde beispielsweise Stärke aus Ackerbohnen gewonnen. „Ein großes Problem ist, dass die Erzeugerpreise im Handel für Leguminosen nicht transparent sind“, sagte Stevens. Oftmals orientiere sich der Preis am Getreidepreis, oder es werde ein Mischpreis aus Weizen und Soja gebildet.

Vorfruchtwert der Leguminosen mit einrechnen

Um dem hohen Vorfruchtwert und die ackerbaulichen Vorteile der Körnerleguminosen gerecht zu werden, kalkulierte Katrin Stevens die direkt- und arbeitskostenfreie Leistung von Ackerbohne und Erbse. „Das Saatgut ist ein großer Kostenblock, und auch die Arbeitserledigungskosten für die Ernte können hoch sein.“

Demgegenüber stehe ein hoher Vorfruchtwert von rund 160 Euro/ha bei Erbsen und 190 Euro/ha bei Ackerbohnen, der positiv zu Buche schlägt. Und auch die Kombination mit Agrarumweltmaßnahmen könne lohnend sein. „In Rheinland-Pfalz ist das über das Programm vielfältige Kulturen möglich“, sagte sie. Stevens machte aber auch deutlich, dass die Rechnungen bei Erzeugerpreisen von mehr als 20 Euro/dt besser ausfallen. „Die Bildung von Erzeugergemeinschaften ist sinnvoll, um die Mengen zu bündeln und um besser auf den Handel zuzugehen“, erklärte sie.

Erbsen und Ackerbohnen sind Lückenfüller

Nicht so euphorisch, was die Absatzchancen von heimischen Leguminosen an die Futtermittelindustrie angeht, zeigte sich Christoph Jubien von der RWZ in Köln. Da helfe auch die gestiegene Nachfrage nach GVO-freien Futtermitteln nicht. „Bei der GVO-freien Fütterung dominiert der Raps als Ersatz für Soja“, sagte der Bereichsleiter für den Handel mit Ölsaaten und Leguminosen. Leguminosen würden derzeit nur begrenzt eingesetzt und von der Mischfutterindustrie nachgefragt. „Leguminosen sind die Lückenfüller“, erklärte er. „Wir brauchen in Deutschland 8 Mio. t Ölschrote für die Futtermittelindustrie, es werden hier aber nur 230 000 t Leguminosen erzeugt“, zeigte er die Relationen am Markt auf.

Die RWZ stehe dennoch als Vermarktungspartner für Erbsen und Ackerbohnen bereit. Leguminosen werden nach seinen Worten nicht nur an die Futtermittelwerke vermarktet, sondern auch an die Lebensmittelindustrie und für industrielle Anwendungen. „Für diese Anwendungen bestehen aber in der Regel höhere Anforderungen an das Produkt“, stellte Jubien fest. Partien mit Lochfraß werden bei der RWZ nicht angenommen. Gelbe Erbsen haben sich laut Jubien inzwischen etabliert und finden Abnehmer sowohl in der Futtermittel- als auch in der stofflichen Industrie.

Die Preise richten sich, so Jubien, an den Alternativen aus. Erbsen und Bohnen hätten kein Alleinstellungsmerkmal, sondern stünden im Wettbewerb. „Preise von 27 Euro/dt, die sich aus dem Futterwert ableiten, werden nicht gezahlt“, machte er deutlich. Die Preise für Erbsen bewegten sich eher bei 23 Euro/dt, davon müssten aber noch die Frachtkosten abgezogen werden, so dass Erzeugerpreise in der Region von 19 Euro/dt realistisch seien. „Holland ist ein guter Abnehmer, aber wir stehen im Wettbewerb mit den Importhäfen.“ Für Ackerbohnen bestehe anders als in Norddeutschland im RWZ-Gebiet keine konstante Nachfrage.

Leguminosen punkten in der Phosphor-Bilanz

Am besten lassen sich heimisch erzeugte Leguminosen – und in Rheinland-Pfalz dürften das neben Soja vor allem Erbsen sein – über den Futtertrog im eigenen Stall oder bei einem anderen Landwirt in einer direkten Lieferbeziehung verwerten. Nach den Worten von Gerd Hill, Berater beim DLR Westpfalz, ist bei den viehhaltenden Betrieben eine gestiegene Nachfrage nach heimischen Leguminosen zu beobachten. „Gründe sind vor allem die hohen Preise für GVO-freies Sojaschrot, die die Leguminosen preiswürdig machen.“ Viele Milchviehbetriebe füttern inzwischen GVO-frei, und auch die Umstellung auf eine biologische Wirtschaftsweise erfordere den Einsatz von Leguminosen in der Fütterung.

Leguminosen können in der Phosphor-Bilanz punkten, weil sie deutlich weniger Phosphor enthalten als beispielsweise Rapsschrot. Für Betriebe mit einer engen P-Bilanz ist das ein Argument, statt Rapsschrot Ackerbohnen oder Erbsen einzusetzen. Durch das landesweite Förderprogramm „Vielfältige Fruchtfolge“ werden in Rheinland-Pfalz neben Soja auch Erbsen auf den teilnehmenden Betrieben angebaut.

Beste Verwertung über die Schweinemast

Wie lassen sich Erbsen und Ackerbohnen in der Schweinefütterung einsetzen? Hill beleuchtete in seinem Vortrag den Einsatz in der Schweinemast und in der Sauenhaltung. „Beides ist kein Problem“, sagte er. Bei korrekter Rationszusammenstellung komme es zu keinen Leistungseinbußen gegenüber dem Einsatz von Soja. Die Leguminosen weisen hohe Anteile an wertbestimmenden Inhaltstoffen auf. „Es ist aber wichtig, die Aminosäurenzusammensetzung zu kennen“, sagte Hill. Vor allem die Gehalte an Methionin und Cystin seien deutlich geringer als in Sojaschrot. „Defizite sind zwingend auszugleichen, sonst kommt es zu Leistungseinbußen.“

Hill mahnte, sich hinsichtlich der Inhaltstoffe nicht ausschließlich auf

die Tabellenwerte zu verlassen. „Wir haben bei unseren Untersuchungen große Unterschiede und eine hohe Streubreite bei den Rohprotein- und Energiewerten und den Aminosäuren festgestellt“, sagte der Berater.

Wer also selbst erzeugte Erbsen oder Bohnen verfüttern möchte, sollte sie auf jeden Fall auf Inhaltstoffe unter­suchen lassen.

Können die Leguminosen das Sojaschrot in der Ration komplett ersetzen? Nach Hills Erfahrungen geht das in fast allen Produktionsabschnitten, nur bei säugenden Sauen und in der Vormast muss nach wie vor ein Teil Sojaschrot eingesetzt werden. Die Einsatzempfehlungen des DLR Westpfalz von Ackerbohnen und Erbsen in der Ration für die einzelnen Produktionsabschnitte orientieren sich eher an den Empfehlungen der UFOP als an denen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Im Sauenfutter empfiehlt Hill beispielsweise maximal 15 Prozent Erbsen in der Ration, Ferkel bis 20 kg können 5 Prozent Beimischung vertragen. In der Endmast können bis zu 20 Prozent Erbsen eingesetzt werden. Hinsichtlich der Preiswürdigkeit von Erbsen und Ackerbohnen rechnete Hill mit unterschiedlichen Preisen von Weizen und Sojaschrot. Bei einem Weizenpreis von 20 Euro/dt und einem Sojaschrotpreis von 30 Euro/dt beispielsweise würde sich ein Preis von 25,24 Euro/dt für Erbsen und 23,85 Euro/dt für Ackerbohnen errechnen.

„In der Veredelung werden die Leguminosen am besten verwertet“, erklärte Hill. Wer Leguminosen im eigenen Betrieb anbaut und verwerten will, sollte größten Wert auf eine sorgfältige Lagerung legen. Die Leguminosen verderben sehr schnell, wenn sie zu feucht eingelagert werden und schimmeln oder werden ranzig. „Solche Partien dürfen nicht ins Futter“, betonte Hill.

Mittler zwischen Viehhaltern und Ackerbauern

Bei der Diskussion wurde deutlich, dass es sowohl in der Vorderpfalz als auch in Rheinhessen Ackerbaubetriebe gibt, die Interesse haben, Leguminosen anzubauen. Hier wäre die Bildung einer Erzeugergemeinschaft zu überlegen, um Mengen zu bündeln und mit der aufnehmenden Hand zu verhandeln.

Denkbar wäre zudem, dass viehhaltende Betriebe und Ackerbauern eine direkte Lieferbeziehung eingehen. In beiden Fällen kann das Demonetzwerk Erbse/Bohne wertvolle Unterstützung leisten, denn eines der Ziele des Netzwerkes ist die Weiterentwicklung von Handels- und Vermarktungsstrukturen.

Ibs – LW 10/2019