Feldtag zeigt Wege zu mehr Bodenfruchtbarkeit
Auch ohne Tierhaltung Humus aufbauen
Wie lässt sich Humus im Ökolandbau gezielt aufbauen und langfristig erhalten? Antworten auf diese Frage gab der Feldtag „Humus im Fokus – Bodenfruchtbarkeit im Ökolandbau auf dem Prüfstand“ am 8. Juli auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen. Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte, Berater sowie Interessierte nutzten die Gelegenheit, aktuelle Forschungsergebnisse direkt auf dem Feld zu diskutieren.
Foto: Möller
Die anschließende Podiumsdiskussion knüpfte an den Vortrag an und widmete sich unter anderem der Frage, wie sich Humusgehalte belastbar erfassen und bewerten lassen. Dabei wurde deutlich, dass belastbare Aussagen zu Humusgehalten auf größeren Flächen aufgrund der hohen Standortvariabilität und methodischer Herausforderungen häufig schwierig sind. Bodenuntersuchungen und Langzeitversuche liefern dennoch wichtige Erkenntnisse über die Wirkung verschiedener Bewirtschaftungssysteme und bilden eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Praxis.
Humus-Langzeitversuch mit und ohne Tierhaltung
Am Nachmittag wurden diese Erkenntnisse auf den Versuchsflächen der Domäne Frankenhausen anschaulich vertieft. Im Langzeitversuch ÖLAF standen Strategien zum Humusaufbau in viehlosen ökologischen Betrieben im Mittelpunkt. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die Düngung mit Silage sowie die Nutzung regional verfügbarer Komposte vielversprechende Strategien zur Humusversorgung darstellen, auch bei nur einjährigem Anbau von Leguminosen-Gras-Gemengen.
In den viehhaltenden Varianten zeigt sich durch einen zweijährigen Kleegrasanbau ein positiver Trend, der mit zunehmendem Viehbesatz und der damit verbundenen stärkeren Rückführung organischer Substanz noch deutlicher ausfällt.
Kulturen zur Klimaanpassung
Wie mehrjährige Kulturen zur Klimaanpassung beitragen können, demonstrierte auch das Projekt TRIO. Die tiefreichenden Wurzeln des mehrjährigen Gewürzfenchels beeindruckten viele Besucherinnen und Besucher. Sie bauen Humus auf, erschließen Wasser aus tieferen Bodenschichten und hinterlassen stabile Bioporen, von denen nachfolgende Kulturen profitieren.
Gleichzeitig boten die blühenden Bestände aus Fenchel, Koriander und Kümmel zahlreichen Insekten Nahrung und Lebensraum. Damit verbinden die untersuchten Mischkulturen aus mehrjährigem Weizen sowie Arznei- und Gewürzpflanzen eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit mit Klimaanpassung und Biodiversität.
Klee-Gras-Gemenge als Weizenvorfrucht
Im Projekt KleeAss wurden verschiedene Mischungen von Leguminosen-Gras-Gemengen sowie die Wirkung auf die Nachfrucht Weizen vorgestellt. Besonders die Luzerne in Reinsaat oder in Kombination mit Weißklee erwies sich als ertragsstarke Vorfrucht für Winterweizen, noch einmal mehr, wenn sie frühzeitig als Untersaat in den vorangegangenen Winterweizen etabliert worden war – diese Ergebnisse unterstrichen die Bedeutung der richtigen Artenwahl sowie optimiertem Management von Leguminosen-Gras-Gemengen.
Bodenbearbeitung, Drohnen und Schilf-Glasflügelzikade
Praxisnah wurde es auch bei der Vorführung zur alternativen Grundbodenbearbeitung im ökologischen Hackfruchtanbau. Ergänzend zur Pflugbearbeitung wurde der Boden mithilfe eines Paragrubbers vor der Kartoffelpflanzung tief gelockert. Anhand von Wurzelprofilen ließ sich erkennen, dass Kartoffeln auf den gelockerten Flächen vitalere und tiefer reichende Wurzelsysteme ausgebildet hatten.
Neben den Feldstationen informierten Naturland und die Universität Göttingen an Infoständen über die Schilf-Glasflügelzikade und den Einsatz von Drohnen im Weizenanbau. Die zahlreichen Fragen und Diskussionen an den Stationen zeigten das große Interesse der Besucherinnen und Besucher an praxistauglichen Lösungen für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.
Der fachliche Austausch wird im Winter fortgesetzt: Im Rahmen der Frankenhäuser Fachgespräche finden am 19. November und 10. Dezember zwei weitere Veranstaltungen zu aktuellen Themen des ökologischen Land- und Pflanzenbaus statt. Die Fachgespräche bringen Praktiker, Berater und Wissenschaftler zusammen, die zunächst kurze Impulse aus ihren jeweiligen Perspektiven geben. Im Mittelpunkt steht anschließend der gemeinsame Austausch und die Diskussion der vorgestellten Ansätze und Erfahrungen. Nähere Informationen zum Programm und zur Anmeldung werden rechtzeitig auf der Homepage des Fachgebiets Ökologischer Land- und Pflanzenbau der Universität Kassel veröffentlicht.
Morten Möller, Universität Kassel – LW 30/2026
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