Rundum wohl durch gutes Bauchgefühl

Was kann man tun, damit die Verdauung klappt?

Ein gut funktionierendes Verdauungssystem und eine ausgewogene Ernährung sind für das körperliche Wohlbefinden von großer Bedeutung. Daher sind Redewendungen wie „Liebe geht durch den Magen“, „ein gutes Bauchgefühl“ oder negativ ausgedrückt „auf den Magen schlagen“ sowie „eine Wut im Bauch haben“ Anzeichen für Befindlichkeiten. Das LW hat bei Dr. Ulrike Kreinhoff von der Sektion Hessen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nachgefragt, was man für die Darmgesundheit tun kann.

Dr. Ulrike Kreinhoff, Geschäftsführerin der Sektion Hessen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Friedrichsdorf.
Foto: privat

LW: Was sind aus ernährungswissenschaftlicher Sicht die Hauptprobleme, wenn es mit der Verdauung nicht klappt?
Dr. Ulrike Kreinhoff:
Hauptursache für Verdauungsprobleme kann eine ballaststoffarme und zu fettreiche Ernährung sein. Somit kann es zu Verstopfung, Durchfall und Flatuleszenz , also Blähungen, kommen. Eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr führt zu einem schweren Transport des harten Speisebreies. Viel Flüssigkeit und Bewegung helfen, die Darmbewegung anzuregen.

LW: Was bewirken die verdauungsfördernden Ballaststoffe?
Kreinhoff:
Ballaststoffe binden Wasser und quellen. Die Darmbakterien finden dadurch für ihre Vermehrung optimale Bedingungen vor, nämlich die Faserstoffe und ausreichend Wasser. Durch die nun große Anzahl der Darmbakterien erhöht sich der Darminhalt und die Stuhlkonsistenz wird somit voluminös und weicher. Die fortführende Bewegung verstärkt sich und die Füllung des Enddarms wird beschleunigt, so dass der Stuhlentleerungsreiz früher ausgelöst wird als bei ballaststoffarmer Nahrung.

LW: Wie kann man vorbeugen? Welche ballaststoffhaltigen Lebensmittel helfen?
Kreinhoff:
Es gibt zwei Arten von Ballaststoffen, wasserunlösliche und wasserlösliche. Die wasserlöslichen Ballaststoffe kommen in Obst, Gemüse und Kartoffeln vor und werden vollständig abgebaut. In Vollgetreide kommen vermehrt wasserunlösliche Ballaststoffe vor, die auch als Füllstoffe bezeichnet werden. Das Aufquellen erfolgt so weit, dass sie die Randschichten der Darmwand berühren und somit die Darmentleerung fördern.

LW: Was kann man tun, wenn gar nichts hilft? Was halten Sie von Abführmitteln?
Kreinhoff:
Abführmittel lösen keine Darmprobleme, denn Verstopfung ist die Folge von fal­scher Ernährung und zu wenig Bewegung. Aufgrund des mit der Verstopfung verbundenen hohen Leistungsdruckes, aber auch wegen falsch verstandener Darmhygiene oder Missbrauch als Schlankheits- oder Entschlackungsmittel und der rezeptfreien Verfügbarkeit, gehören Abführmittel dennoch zu den am häufigsten ein­genomme­nen Medikamen­­­ten.

LW: Wie wirken Abführmittel?
Kreinhoff:
Abführmittel erhöhen die Darmbewegung und wirken teilweise wie Schmiermittel. Das heißt, sie verhindern die Eindickung des Stuhls und steigern dadurch das Stuhlvolumen im Darm und den Darmentleerungsreiz. Dies führt zu häufigerem Stuhlgang, jedoch meist unter krampfartigen Schmerzen. Außerdem entleert sich die Stuhlmenge zumeist durchfallartig. Was die Wenigsten wissen, ist, dass mit der höheren Stuhlmenge auch der lebenswichtige Mineralstoff Kalium verloren geht. Der Langzeitgebrauch, auch von pflanzlichen Abführmitteln, birgt folglich erhebliche Risiken. Denn auch „pflanzlich“ bedeutet nicht harmlos. So verändert sich auf Dauer die Darmschleimhaut, der Dickdarm verliert seine typische Struktur und ist erweitert. Durch den starken Kaliumverlust lassen Darmaktivität und Entleerungsdrang noch weiter nach. Dies wiederum verleitet zur Steigerung der Abführmitteldosis und läutet einen auf Dauer gefährlichen Teufelskreis ein. Ein hoher Kaliumverlust über längere Zeit beeinträchtigt ferner die Herzkreislauf­tätigkeit und führt zu Herzrhythmusstörungen, außerdem kann es zur Störung der Nierenfunktion kommen.

LW: Welche Medikamente und Krankheiten beeinflussen die Darmaktivität?
Kreinhoff:
Der Dauergebrauch von bestimmten Medikamenten, wie beispielsweise Abführ-, Bluthochdruck-, Schmerz- und Entwässerungsmittel sowie Antidepressiva, und Erkrankungen wie Diabetes mellitus, diabetesbedingte Nervenschäden oder Schilddrüsenunterfunktion können die Darmtätigkeit vermindern. Bei Darmproblemen oder -schmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

LW: Welche Ursachen bedingen das sogenannte Reizdarmsyndrom? Und welche Lebensmittel sind sinnvoll, um dagegen anzugehen?
Kreinhoff:
Beim Reizdarmsyndrom spricht man von unspezifischen Lebensmitteltoleranzen, wenn nach dem Verzehr von bestimmten Speisen über Völle- und Druckgefühl, Übelkeit, allgemeines Unbehagen, Darmgeräusche und Durchfälle geklagt wird, ohne dass eine organische Ursache der Symptomatik vorhanden ist. Hierbei wird die Ursache der Symptomatik bei Vorurteilen gegenüber bestimmten Speisen, bei ängstlicher Selbstbeobachtung, durch einen intensiven Abbau von Ballaststoffen oder die überschießende Freisetzung von Darmhormonen angesehen. Besonders unverträglich eingestufte Lebensmittel sind Hülsenfrüchte, Gurkensalat, frittierte und fette Speisen sowie Weißkohl und kohlensäurehaltige Getränke. Die sollten gemieden werden. Da das Reizdarmsyndrom sehr schwer fassbar ist, fühlen sich Betroffene oft allein damit gelassen. Die Probleme sind vorhanden, der Arzt kann nicht helfen. Wichtig ist jetzt eine gute Lebensführung mit viel Schlaf, Vermeidung von Stress sowie der Lebensmittel, auf die der Darm schlecht reagiert.

LW: Häufig wird auch ein Hefepilz, Candida albicans, für Funktionsstörungen im Darm verantwortlich gemacht. Was kann man tun?
Kreinhoff:
Der Hefepilz Candida albicans ist häufig im Darm anzutreffen. Er ist bei etwa 75 Prozent der gesunden Mitteleuropäer ein normaler Bestandteil der Intestinalflora- oder Darmflora. Der Erfolg einer Darmsanierung in Form einer Anti-Pilz-Diät, die das Weglassen der Einfachzucker Glukose und Fructose und dem Haushaltszucker Saccharose vorsieht, ist nicht bewiesen und somit nicht empfehlenswert. Wir, die DGE, empfehlen bei Candida albicans assoziierten Beschwerden eine Ernährung mit ballaststoffreichen Lebensmitteln, zum Beispiel die Vollkornvariante von Reis und Nudeln, Vollkornbrot, Kartoffeln, Gemüse und Rohkostsalaten. Außerdem sollen täglich Sauermilcherzeugnisse, wie zum Beispiel Jog­hurts, verzehrt werden. Sie können mit zu einer optimalen Bakterienbesiedlung des Darms beitragen.

LW: Gibt es Unterschiede in Bezug auf das Geschlecht oder das Alter in punkto Darmgesundheit?
Kreinhoff:
Viele Menschen haben Probleme mit Verstopfungen. Ein Grund hierfür ist, dass etwa 68 Prozent der Männer und 75 Prozent der Frauen in Deutsch­land nicht den Richtwert von mindestens 30 g Ballaststoffen pro Tag erreichen. Dies lässt sich zum Beispiel so verwirklichen: Genießen Sie täglich drei Scheiben Vollkorn­brot, drei Kartoffeln, drei Portio­nen Gemüse, wie beispielsweise 200 g Blumenkohl, 1 Karotte, 100 g Blattsalat, und zwei Portionen Obst, beispielsweise 1 Apfel und 150 g Beeren. Bei älteren Menschen steigt die Zahl der Betroffenen an. Sie müssen besonders auf ihre Flüssigkeitszufuhr achten.

LW: Welche Alternativen bei Darmträgheit gibt es für Jung und Alt?
Kreinhoff:
Gegen Darmträgheit helfen ballaststoffreiche Lebens­mit­tel, viel Trinken und tägliche Be­we­gung. Damit kommen der Darm und auch die Figur in Schwung. Die Fragen stellte Stephanie Lehmkühler