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Ausgleichsmaßnahmen überdenken

Das Verhältnis der Kräfte, die um die Nutzung der Böden kämpfen, hängt davon ab, welche Bedürfnisse den Menschen am wichtigsten sind und wie viel sie dafür zahlen müssen. Man darf davon ausgehen, dass die Nahrungsaufnahme und die Energieversorgung sowie ein Dach über dem Kopf ganz oben auf der Bedürfnisliste stehen. Später folgen das Verlangen nach vernünftiger Infrastruktur, nach Mobilität und nach einer weitgehend intakten Natur und Umwelt. Allerdings spiegelt sich diese Rangfolge noch nicht in der Nutzungsplanung für die Böden wider. Immer noch werden pro Tag für Siedlungs- und Verkehrsprojekte 113 Hektar in Deutschland verbraucht. Darüber hinaus werden weitere Flächen für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen in Anspruch genommen. Vor allem dies stößt bei den Bauern auf Unverständnis. Hessen hat zwar mit der Kompensationsverordnung bereits einen Weg eingeschlagen, der hilft, Flächen bei Ausgleichsmaßnahmen zu sparen, beispielsweise durch Umgestaltung von Nadel- in Mischwälder oder die Renaturierung von Bächen. Es sieht jedoch so aus, als ob das nicht reicht.
Der naturschutzrechtliche Ausgleich muss angesichts des zunehmenden Drucks auf die Fläche überdacht werden. Vielfach sorgt die Landwirtschaft an sich schon etwa durch die hohe Grundwasserneubildung, die Kohlendioxidbindung oder die Bereitstellung von Biomasse für positive Umwelteffekte. Muss darüber hinaus beispielsweise eine Ortsumgehung ausgeglichen werden, obwohl sie doch im Sinne des Umweltschutzes den Anwohnern im Ort saubere Luft verschafft und sie vom Lärm entlastet? Um die derzeitige Gesetzeslage zu ändern, muss dem Bürger zunächst bewusst werden, wie wichtig die Flächen für die Lebensmittelerzeugung und für die Versorgungssicherheit sind. Unterdessen muss alles getan werden, damit zuallererst brachliegende Industrie- und Militärflächen sowie Ortskerne für Baumaßnahmen genutzt werden.
Cornelius Mohr