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Wettbewerb um Saisonarbeitskräfte verschärft sich

Saisonarbeitskräfte aus Polen, Rumänien und neuerdings aus Bulgarien gehen immer häufiger nach Frankreich, England, in die Niederlande oder nach Italien, weil sie dort zum Teil einen höheren Bruttolohn erhalten als in Deutschland. Darüber hinaus gilt in den genannten EU-Nachbarländern die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Saisonarbeitskräfte, was bedeutet, dass der Arbeitsmarkt offen ist und alle Branchen um die Arbeitskräfte konkurrieren. Dies kommt auch in der Zahl der vermittelten Saisonarbeitskräfte zum Ausdruck. In Hessen liegt die Zahl derzeit bei 14 918 und damit so niedrig wie seit 1999 nicht mehr.
Ob, nebenbei bemerkt, das bisherige Lohngefüge zu halten ist, wenn auch in Deutschland der Arbeitsmarkt für Osteuropäer freigegeben wird, wird sich zeigen. In jedem Fall werden die Betriebe die Nase vorne haben, die sich frühzeitig um Mitarbeiterbindung bemüht haben.
Wie sieht die Zukunft der heimischen Gemüsebaubetriebe aus, die in besonderem Maße von den Saisonarbeitskräften abhängig sind? Ihre Arbeitsplätze konkurrieren mit allen Branchen in der EU. Deshalb wird der Lohndruck sicherlich zunehmen.
Eine Lösung wäre der „Strategische Plan der EU-Kommission zur legalen Zuwanderung“. Demnach dürfen Drittstaatenan­gehörige einige Monate in der EU arbeiten. Leider geht derzeit kein Poli­tiker dieses Thema an, zu un­be­deutend ist es für die Gesamtwirtschaft. Erst wenn die Ge­müsepreise steigen und der Verbrauch­er stöhnt, wird gehandelt. Bis dahin werden viele Betriebe weiter rationalisieren.
Elke Setzepfand