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Lange Risikodiskussion

Endlich ist die Ausschreibung für das Serum gegen die Blauzungenkrankheit abgeschlossen, und entsprechende Mengen für die Impfung von Schafen, Rindern und Ziegen sind bestellt worden. Damit ist zumindest die Spekulation ausgeräumt, dass für Deutsch­­land nicht genügend Impfdosen gegen das Blauzun­genvirus des Serotyps 8 vorhanden seien beziehungsweise produziert werden könnten, nach­­dem bereits England, Frank­reich und andere europäische Länder Impfstoffe in großem Umfang bestellt hatten.

Dass die Impfstoffhersteller Gewährleistungszusagen gemacht haben, ist positiv, weil die finanziellen Risiken der Impfstoffanwendung von den öffentlichen Haushalten und von den Tierhaltern so ferngehalten werden können, wie es das für die Bestellung aller Bundesländer zuständige hessische Landwirtschaftsministerium ausdrückte. Allerdings war es offenbar die Risikodiskussion, die den Prozess in die Länge gezogen hat. Jetzt soll die Impfung Ende Mai beginnen. Notwendig wäre aber laut Bundesverband praktizierender Tierärzte die Impfung im April.

Noch am 20. Februar diskutierte der Agrarausschuss des Bundestages über die Gefahren einer Impfung, mögliche Tierverluste und Leistungsminderungen. Hier stand die Angst vor der Haftung und vor zu leistenden Entschädigungen behördlich angeordneter Maßnahmen im Vordergrund, aber auch die Frage, ob der teure Impfstoff überhaupt wirkt. Die Bedenken sind zwar nachvollziehbar, da keine umfangreichen Tests der jetzt bestellten Impfstoffe durchgeführt wurden, und man die vielzitierte Katze im Sack einkauft. Eine Situation, die es bisher nicht gab.

Praktische Tierärzte allerdings sehen das Risiko bei der Anwendung des Totimpfstoffes als sehr gering an. Schwierig bleibt es da für die Verantwortlichen zu erklären, warum Frankreich schon in diesem Monat mit der Impfung beginnt.
 
Cornelius Mohr