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Erst die Dosis macht das Gift

 Das Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber dem chemischen Pflanzenschutz ist trotz des gestiegenen Stellenwertes der Landwirtschaft nach wie vor sehr groß.
Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, ist diese Ablehnung besonders ausgeprägt in Gesellschaftsschichten mit höherer Bildung wie etwa bei Lehrern. Aber auch politische Entscheidungsträger haben offensichtlich übersteigerte Vorbehalte gegen die Anwendung von Agrochemie. Anders kann man die Diskussion, die seit Ende letzten Jahres im EU-Parlament geführt wird nicht erklären: Dort würde man am liebsten einen großen Teil der zugelasse­nen Pflanzenschutzmittel gleich ganz verbieten.
Dazu würde faktisch jedenfalls die Umsetzung der Vorschläge führen, wonach eine Neubewertung der Wirkstoffe nach ihrem Gefahrenpotenzial und nicht nach der tatsächlichen Gefährdung für Umwelt, Mensch und Tier bei der Anwendung vorgenommen werden soll. Auf andere Lebensbereiche bezogen würde das bedeuten, dass zum Beispiel nicht etwa das Überfahren von Fußgängern im Straßenverkehr verboten sein müsste, sondern das Auto an sich, weil es potenziell diese Möglichkeit bietet.
Aber noch immer macht die Dosis das Gift. Wenn Pflanzenschutzmittel bestimmungsgemäß ausgebracht werden, sind sie so weit verdünnt und werden im Bestand oder im Boden abgebaut, dass sie keine Gefahr darstellen. Man trinkt ja Alkohol auch nicht pur, sondern lecker verdünnt als Wein oder Bier – auch das sollte man jedoch nicht übertreiben.
Jedenfalls würde eine starke Einschränkung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in der EU die Lebensmittel durch den Befall mit Krankheiten und Schädlingen nicht gesünder, sondern eher schlechter machen. Und die stark sinkenden Erntemengen müssten durch deutlich höher belastete Importe ausgeglichen werden. Mehr dazu auf Seite 20 in unserem Interview mit Dr. Hans Theo Jachmann, Präsident des Industrieverbandes Agrar und Geschäftsführer des Pflanzenschutz-Herstellers Syngenta.
Karsten Becker