Mehr Nahrungsmittel produzieren

Die Kritik der Weltbank und einiger Politiker am Anbau von Biokraftstoffen und insbesondere an deren Förderung geht weitgehend an der Sache vorbei. Die Verknappung und somit der Preisanstieg für Getreide hat seine Ursache vor allem im erhöhten Bedarf in den Schwellenländern. Der Anteil an Getreide, der in Biosprit geht, wird offensichtlich überbewertet. Tatsache aber bleibt, dass viele Menschen in Entwicklungsländern heute schon Probleme haben, die stark verteuerten Nahrungsmittel zu bezahlen. Sie müssen zum Teil weit über die Hälfte ihres Einkommens für Grundnahrungsmittel ausgeben. Diese Entwicklung wird sich angesichts der weiter wachsenden Weltbevölkerung und knapper werdender Ressourcen verschärfen. Zunächst betroffen sind allerdings vor allem schlecht regierte Länder oder Staaten mit Bürgerkriegen, die eigentlich das Potenzial für eine eigene und höhere Produktion von Nahrungsmitteln hätten. Denn schließlich bieten hohe Preise doch auch für die Landwirte in den Entwicklungsländern gute Einkommensmöglichkeiten und Produktionsanreize.
Insgesamt wird eine Krise nur abzuwenden sein, wenn alle Mög­lichkeiten genutzt werden, mehr zu produzieren. Das bedeutet intensivieren, alle geeigneten Flächen nutzen und alle angepassten pflanzenbaulichen Maßnahmen einsetzen. Darüber hinaus müssen politisch bedingte Produktionshemmnisse verschwinden. Hemmnisse sollten auch nicht dadurch entstehen, dass man wieder anfängt, den Bauern vorzuschreiben, was sie produzieren sollen. Schließlich hat die Planwirtschaft zu Mangel geführt. Der Markt muss entscheiden, wie viel Bioenergie er­zeugt wird. Vor allem die Industrie­länder, aber auch die Schwel­len­län­der müssen darüber hinaus den Energieverbrauch effizienter gestalten. Eine wichtige Frage bleibt bei allem, wie viele Menschen kann die Erde ernähren und kann man die Bevölkerungsentwicklung politisch steuern?

Cornelius Mohr