Vorsorge ist die beste Therapie bei Kälberdurchfall

Milchviehhaltung aktuell

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Kälberdurchfälle zu verhindern, ist eine echte Herausforderung. Das Kolostrum ist nach wie vor der beste Schutz für das neugeborene Kalb. Die Biestmilch ist eine tier- und stallspezifische antibiotische Vorbereitung des Kalbes. Weil diese Biestmilch speziell für das Kalb „gemacht“ worden ist, gibt es keinen besseren verfügbaren Schutz.
Hygiene während und direkt nach der Geburt
Außerdem ist die Sauberkeit und Hygiene während der Geburt und direkt danach äußerst wichtig. Abkalbebereiche müssen sauber und trocken sein, die Abkalbung auf einer sauberen Weidefläche sorgt für hygienische Bedingungen. Tiere, die bereits gekalbt haben, und deren Kälber sollten nicht im gleichen Stallteil bleiben. Für die neugeborenen Kälber ist eine Einzelhaltung  innerhalb der ersten vier Le­bens­wochen von Vorteil.
Verschmutzung der abkalbenden Kuh ist Infektionsquelle für Kalb
Häufig werden die abkalbenden Tiere besonders im Winter in kleinen Arealen oder Stallbereichen gehalten, damit die Fütterung und Beobachtung einfacher zu organisieren ist. Jedoch kann die Belegungsdichte zu einer höher verseuchten Umgebung beitragen. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass auch die Kuh ein Teil der Umgebung für das Kalb ist. Jede Verschmutzung der Kuh am Bauch, an den Flanken und am Euter stellt eine Kontaminationsquelle für das Kalb dar.
Die Ursachen für Kälberdurchfälle sind normalerweise einfach zu diagnostizieren. Sie hängt ab vom Alter des Kalbes bei Ausbruch des Durchfalls, weil die Erreger seit dem Geburtzeitpunkt tätig sein können. Unterschiedliche Erreger haben unterschiedlich lange Inkubationszeiten („Anlaufzeiten“).
Kokzidiendurchfall innerhalb der ersten Lebenswoche unwahrscheinlich
Die Inkubationszeit für Kokzidien liegt bei etwa drei Wochen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass ein Kalb innerhalb der ersten Lebenswoche Durchfall bekommt, der von einer Kokzidien-Infektion ausgelöst worden ist. Aus diesem Grund sollte die Behandlung des Durchfalls sich immer am Alter der Tiere und den möglichen Erregern orientieren.
Kälberdurchfall kann wie ein unüberwindbares Problem erscheinen, aber: die Diagnose ist einfach, das Kolostrum ist meist von guter Qualität und Vorsorge ist der eigentliche Schlüssel. Wenn es gelingt, auf dem Betrieb entsprechende Strategien zu entwickeln sowie einzuführen und diese in den drei entscheidenden Bereichen einzusetzen, verliert Kälberdurchfall seine Bedeutung.
Sibylle Möcklinghoff-Wicke, nach Bethany Lovaas, Tierarzt an der Universität Minnesota