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Bienensterben kann weitreichende Folgen haben

Das in Teilen Baden-Württembergs aufgetretene Bienensterben wurde höchstwahrscheinlich durch die Maisbeize „Poncho Pro“ verursacht, deren Anwendung gegen den Maiswurzelbohrer, einen Quarantäneschädling, dort vorgeschrieben war. Eine Gefährdung von Bienen durch den Wirkstoff Clothianidin in Form einer Beize wurde von den Zulassungsbehörden  bisher ausgeschlossen.In diesem Fall kamen allerdings einige Umstände zusammen, die zur Vergiftung von Bienen, die benachbarte Blüten von Raps oder Obstbäumen besuchten, geführt haben: Die Maisaussaat erfolgte witterungsbedingt Ende April ungewöhnlich spät, so dass schon viele Bienen unterwegs waren, die Wirk­stoffmenge in den Beizen wurde zulassungsgemäß gegen den Maiswurzelbohrer erhöht und – dies ist wohl das entscheidende Kriterium – die Beizqualität etlicher Partien war relativ schlecht, so dass schon in den Säcken erheblicher Abrieb entstand.
Dieser staubförmige Abrieb ist dann zusätzlich durch die pneumatische Einzelkorn-Sätechnik in die Umgebungsluft geblasen worden – ein Problem, das bislang so nicht bekannt war.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat jede weitere Aussaat des entsprechend gebeizten Saatgutes mittels pneumatischer Maschinen per Eilverordnung untersagt. Außerdem ist das Inverkehrbringen des gebeizten Saatgutes verboten.
Dieses Verbot betrifft auch Mittel, die in den nächsten Wochen für die Beizung von Rapssaatgut benötigt werden. Damit also nicht unzureichend gebeiz­ter Raps ausgesät werden muss, müssen möglichst bald die Anwendungsbestimmungen so geändert werden, dass Beiz- und Bienenschutz gleichermaßen gewährleistet sind. Erste Ansatzpunkte müssen die Beizqualität und die Aussaattechnik sein, aber auch Beschränkungen bei der Bestellung müssen in Betracht gezogen werden. Weiteres zum aktuellen Stand finden Sie in der Rubrik Pflanzenbau.
Karsten Becker