Hohe Zellzahlen durch Umweltkeime?

Die Bekämpfung der erhöhten Zellzahlen muss auf den Erreger abgestimmt werden.
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Erhöhte Zellzahlen in der Milch haben ihre Ursache oft in Streptokokken, die in der Umwelt vorkommen. Eine verbesserte Melkroutine und Zitzen zu dippen, was zwar bei Strep. agalactiae Verbesserung bringen kann, hilft hier nicht unbedingt. Grund ist die unterschiedliche Lokalisation der Erreger: Strep. agalactiae (als klassisch ansteckender Keim) verbreitet sich während des Melkens, die reinen Umweltkeime verbreiten sich im Gegensatz dazu hauptsächlich in der Zwischenmelkzeit. Strep. uberis ist der Hauptvertreter. Diese Erregerart kann nahezu überall leben: in der Einstreu, im Boden, im Pansen, im Futter, auf den Schleimhäuten, im Euterdrüsengewebe und diese Liste könnte noch fortgeführt werden. Im Gegensatz zu anderen Erregern, die einen rasanten Zellzahlanstieg verursachen, wenn das Euter infiziert ist, steigen bei Strep. uberis die Zellzahlen deutlich langsamer an.

Kühe haben eine Selbstheilungsrate bei Umwelt-Streptokokken von etwa 50 Prozent 

Etwa 50 Prozent der durch Umwelterreger bedingten Mastitisinfektionen entwickeln sich in der Trockenstehzeit (trotz antibiotischem Trockensteller). Obwohl die Zeitspanne mit 60 Tagen vergleichsweise kurz ist zu der gesamten Laktation von über 300 Tagen finden hier fünfmal häufiger Infektionen statt. Eine sachgerechte Trockenstellroutine beugt einer Infektion in der frühen Trockenstehphase vor, aber schützt nicht mehr kurz vor der Abkalbung. Besonders wichtig ist dann eine saubere und trockene Umweltgestaltung. Ein relativ neuer Ansatz ist deshalb der zusätzliche Einsatz des internen Zitzenversieglers, der die Zitze nach außen hin während der Trockensteh-Periode verschließt.
Positiv ist, dass Umwelt-Streptokokken, relativ gut auf Behandlungen reagieren. Die Selbstheilungsrate der Kühe liegt bei 50 Prozent und der Erstbehandlungserfolg bei 75 Prozent. Bei einem Rückfall sinkt dieser Wert allerdings deutlich ab (nur noch 46, dann 23 Prozent), das heißt die Erstbehandlung ist extrem wichtig. Hier sollte lieber länger als zu kurz behandelt werden. Im Gegensatz zu Staph. aureus verkapseln sich die Umwelterreger deutlich weniger, so dass die Medikamente die  Baktieren besser erreichen. Nichtsdestotrotz ist eine Vorbeugung immer besser als eine Behandlung. Das Geheimnis liegt in der trockenen und sauberen Umweltgestaltung, damit die Zitzenspitze möglichst wenig „Gefahren“ ausgesetzt ist. 

Sibylle Möcklinghoff-Wicke, aus http://texasdairymatters.org, Februar 2008