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Die Finanzmarktkrise und die Landwirtschaft

Die Finanzmarktkrise hat viele Aspekte und wirkt auf verschiedene Weise in die Landwirtschaft hinein. Viele Landwirte haben, etwa um ihren Ruhestand finanziell abzusichern, Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt, die jetzt aufgrund der sinkenden Kurse nur noch einen Bruchteil des Wertes besitzen, den sie zum Zeitpunkt des Erwerbs hatten. Wer jetzt verkaufen muss, hat viel Geld verloren. Vielfach kann man jedoch darauf hoffen, dass der Wert wieder steigt.
Ein weiteres Phänomen ist, dass nichtlandwirtschaftliche Investoren, die den Aktienmärkten nicht mehr trauen, vermehrt Land als sichere und langfristige Geldanlage kaufen. Ob das ein größerer Trend wird, kann man angesichts der niedrigen Verzinsung allerdings bezweifeln. Aufgrund des Grundstücksverkehrsgesetzes und dem damit ver­bundenen „Vorkaufsrecht“ ist auch nicht von einer Konkurrenzsituation zu den Landwirten, die Land mit dem Ziel der betrieblichen Existenzsicherung erwerben, auszugehen.
Auch auf den Märkten für landwirtschaftliche Produkte hat die Finanzkrise Auswirkung. Den Warenterminbörsen wird Kapital entzogen, weil Investoren auf sicherere Anlagen setzen oder Liquidität brauchen. Dies drückt die Notierungen. Zudem wird der Handel mit Agrargütern zähflüssiger, weil die Verkäufer den Zahlungsgarantien der Käufer oder deren Banken nicht mehr trauen. Von einer Kreditklemme ist aus der Landwirtschaft bislang nichts zu hören. Abhängig ist dies davon, inwieweit sich die Kreditinstitute refinanzieren können. Dazu ist Vertrauen gefragt, das hoffentlich der von der Bundesregierung aufgelegte Bankenrettungsfonds schafft. Ansonsten sind die landwirtschaftlichen Betriebe mit ihren Sicherheiten aus Sicht der Banken in der Regel gute Kreditnehmer.
Auf der anderen Seite stehen die Sparkassen und Volksbanken als häufigste Partner der Landwirtschaft mit ihren eigenen Sicherungsfonds sowie der vor allem auf die Kundeneinlagen gestützten Refinanzierung nicht schlecht da.

Cornelius Mohr