Grobfutterleistungen von 3 500 bis 4 000 kg anstreben

Milchviehhaltung aktuell

Sowohl aus physiologischer Sicht – die Kuh ist und bleibt ein Wiederkäuer – als auch aus wirtschaftlicher Sicht ist das Ziel einer hohen Grobfutterleistung die Grundlage der Milchviehfütterung. Anzustreben ist eine Grobfutterleistung von 3 500 bis 4 000 kg.

Hochleistungskühe müssen rund um die Uhr Zugang zu gutem Grundfutter haben, damit sie Grobfutterleistungen von 3 500 bis 4 000 kg Milch daraus ziehen können.
Foto: agrar-portal

Auswertungen aus den Milchvieharbeitskreisen zeigen, dass dieses Ziel bei den meisten Betrieben nicht erreicht wird. Grobfutterleistungen von 2 000 kg und darunter sind keine Seltenheit.

Verbesserte Tiergesundheit bei erhöhter Grobfutterleistung

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt –man füttert die Kuh für jedes Kilo Milch zweimal, einmal mit Grobfutter, zusätzlich noch mal mit Kraftfutter – sollte hier auch die Auswirkung auf die Tiergesundheit beachtet werden. Probleme wie Stoffwechselstörungen und die damit verbundenen Folgekrankheiten werden durch überhöhte Kraftfuttergaben in Verbindung mit zu geringer Grobfutteraufnahme Vorschub geleistet. Wie kann in der Praxis die Grobfutterleistung erhöht werden?

  • Wichtig sind hochwertige und schmack­hafte Grobfuttermittel. Eine schlechte Silage kann auch mit hohem Kraftfuttereinsatz nie die Grundlage hoher Milchleistung sein.
  • Die Grundlagen der Fütterung sind: Soviel Grobfutter wie möglich- darauf passende Ausgleichsfuttermittel- danach erfolgt die Leistungsfütterung.
  • Ohne Futtermittelanalysen ist eine gezielte Fütterung mit aus­gegliche­ner Ration nicht möglich! An diesem Punkt erfolgt der größte Luxuskonsum von Kraftfutter, da aus Unsicherheit „etwas vorgehalten“ wird.

Zugang zum Futter rund um die Uhr ermöglichen

  • Die beste Ration bringt nichts, wenn die Kuh keine Chance hat, sie zu fressen! Eine Hochleistungskuh muss rund um die Uhr die Möglichkeit haben, Futter auf­zunehmen. Hierbei ist es auch von Bedeutung, nicht nur zu erfassen, wieviel in den Trog kommt, son­dern auch, was die Tiere davon wirklich aufgenommen haben.
  • Die Futterreste sollten in einem Bereich von 4 bis 7 Prozent der Gesamtration liegen. Ist es weniger, bekommen die Tiere zu wenig Futter, sind es mehr Reste, muss überprüft werden, ob wirklich die vorgelegte Menge zu hoch war oder ob mit der Qualität des Futters etwas nicht in Ordnung ist (Stichwort: Erwärmung der TMR!).

Verbesserung des Stallklimas steigert die Fresslust der Kühe

  • Futterhygiene umfasst nicht nur sauberes und unverdorbenes Futter, sondern auch das tägliche Beseitigen der Futterreste.
  • Eine ausreichende Wasserversorgung aus sauberen Wassertrögen ist Voraussetzung für eine hohe Futteraufnahme.
  • Auch die Erhöhung des Kuhkomforts, besonders die Optimierung der Stallluftverhältnisse, steigert die „Fresslust“ der Kühe.
  • Nicht zu vergessen: Keine „fußkranke“ Kuh stellt sich länger als nötig an den Futtertisch. Eine regelmäßige, vorbeugende Klauenpflege macht sich bezahlt.

Ursula Tag, LLH Wächtersbach