Wechseljahre sind keine Krankheit

Wie Frauen die „Jahre des Wechsels“ positiv erleben

Medizinisch gesehen liegen die Wechseljahre kurz vor und kurz nach der letzten monatlichen Regelblutung. Meist tritt die letzte Menstruation zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein. In dieser Zeit greifen körperliche, psychische und soziale Veränderungen ineinander. Wenn „frau“ die natürliche „Zeit des Wechsels“ als Bereicherung und Chance für ihr Leben wahrnimmt, wird sie weniger von negativen Auswirkungen geplagt sein. Einige Frauen erzählen, wie sie mit ihren Wechseljahren zurechtgekommen sind.

„Alles fing damit an, dass in mir ein Neid hochkam, wenn ich schöne, junge Frauen sah. Ich fühlte mich plötzlich hässlich und dick, das war furchtbar“, berichtet Karin Schade* (* Nachnamen geändert). Dabei lebt die 46-Jährige in einer glücklichen Beziehung mit „einem tollen Mann“, der sie voll und ganz in ihrem „Frausein“ bestätigt. „Das hatte aber überhaupt nichts damit zu tun“, sagt die Mutter eines Sohnes rückblickend. Sie begriff damals noch nicht, dass die Gedanken, die in ihrem Kopf herumspukten, etwas mit den Wechseljahren zu tun hatten. „Dass das konkrete Auswirkungen waren, habe ich erst gemerkt, als das Schlimmste schon überstanden war“, resümiert die Landfrau, die auch unter Stimmungsschwankungen litt.

Angelika Wille* merkte die Wechseljahre körperlich zunächst daran, dass die Regel unregelmäßiger und stärker wurde und von heftigen Schmerzen begleitet war. „Außerdem hatte ich das Gefühl, die gesamte Spannkraft im Körper lässt nach. Ich konnte schlechter sehen, schlechter hören, das Bindegewebe veränderte sich“, beobachtete die 47-Jährige.

Hitzewallungen und Schichtmode

Bei Landwirtin Gerlinde Struck* läuteten unversehens auftretende Hitzewallungen die Wechseljahre ein. „Das war mir in Gesellschaft manchmal richtig peinlich“, gesteht die Mittfünfzigerin. Mittlerweile hat sie sich mit allem arrangiert. „Früher trug ich gerne dicke Wollpullover mit großen Rollkragen, die Zeit ist nun vorbei“, verrät sie und fügt lächelnd hinzu: „Heute ist bei mir die Schichtmode angesagt. T-Shirt, Pulli und Weste. So kann ich je nach Bedarf meine Kleidungsstücke an- oder ausziehen.“

Anne Albert*, 91 Jahre alt, kann sich gut an ihre Menopause erinnern: „Die Hitzewallun­gen waren bei mir das Schlimmste. Aber ich habe mir gedacht, da musst du durch. Dann ging es.“ Für die ehemalige Besitzerin eines Dorfladens hatten die Wechseljahre ihr Gutes. „Als junge Frau litt ich sehr unter Migräne. Mit den Wechseljahren wurde sie langsam weniger und hörte schließlich ganz auf“, freut sich die fünffache Großmutter. Vor etwa 35 Jahren, als sie in der Menopause war, habe man noch nicht so viel über das Klimakterium geredet, man nahm alles leichter hin. Damals sei in den Medien nicht über das Thema informiert worden. Mit ihrem Mann habe sie aus Scham kaum darüber gesprochen. „Jede Frau versuchte alleine, auf ihre Art und Weise, mit den körperlichen und seelischen Veränderungen fertig zu werden.“

„Die Medien suggerieren uns heutzutage, dass die Wechseljahre eine Krankheit sind, die die Frau mit Hormonen und Tabletten bekämpfen muss“, ärgert sich Angelika Wille. „Es geht aber um etwas ganz anderes, um einen Reifungsprozess.“ Und den sollten Frauen ganz bewusst, mit allen Sinnen gestalten – und genießen.

Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, haben sie endlich Zeit, darüber nachzudenken, was sie selbst wollen. Angelika Wille hat Qi Gong und Yoga für sich entdeckt. Als sie zum Geburtstag eine Trommel geschenkt bekam, überraschte es sie, wie viel Spaß es macht, zu trommeln und alle Emotionen herauszulassen.

Den eigenen Weg gehen

„Ich möchte mich von meinen alten Glaubenssätzen lösen“, hat sie sich für die Zukunft vorgenommen. Unabhängiger von der Meinung anderer zu werden, das sei ihr wichtig. Erst jetzt fange sie an, ein eigenes Leben zu leben. Vorher waren Bedürfnisse der Eltern, Kinder und des Partners immer wichtiger. „Nun geht es darum, dass ich meinen Weg gehe“, betont die zweifache Mutter. Festhalten und Loslassen üben, das sei das zentrale Thema. Dazu gehöre es, das Gespür für den eigenen Lebensfluss zu finden.

Karin Schade kann dem nur zustimmen. Ein Stückchen mehr die Karin zu zeigen, die sie wirklich ist, mehr aus sich herauszugehen, das habe sie in den Wechseljahren gelernt. „Dadurch ist meine Sexualität schöner und entspannter geworden. Und es ist für mich heute vollkommen in Ordnung, dass ich Speckfalten um die Hüften habe.“

Mit der spürbar „endlichen“ Energie neue Lebensperspektiven und Visionen entwickeln, Neues ausprobieren, eingetretene Lebenspfade verlassen – all das ist in der Lebensmitte möglich. „Uns gehört zwar nicht mehr die Welt, die gehört den Jungen. Aber das ist nicht weiter schlimm“, stellt Angelika Wille gelassen fest.

Silke Bromm-Krieger