Kühe brauchen Sauberkeit, frische Luft und gutes Futter

Bei der diesjährigen Vortragsveranstaltung Zukunft Milch in Alsfeld wurden den Landwirten viele Details in der Haltung und im Management von Milchkühen verdeutlicht. Dass Kühe Licht und Luft brauchen, ist hinreichend bekannt, aber trotzdem fehlen in vielen Betrieben für den Sommer Ventilatoren. Auch beim Futtermischen mit dem Mischwagen gilt es, noch einige Verbesserungen vorzunehmen.

Helle luftige Ställe, in denen es nicht zieht und die sich bei Hitze mit Ventilatoren belüften lassen, sind für den Kuhkomfort wichtig.
Foto: Peter Zieger

„Reißen Sie spätestens im April die Wände ihres Kuhstalls raus, ihre Kühe werden es ihnen danken!“, forderte Andreas Pelzer von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen Haus Düsse die Landwirte auf. Die Kühe bräuchten nichts so dringend wie zugfreie Luft und Licht. Gegen Schlechtwettertage könne der Landwirt Cur­tains als Schutz anbringen. Pelzer sagte weiterhin, dass er es befürworte, wenn in jedem Stall Ventilatoren angebracht werden. Denn nur so könne man an wärmeren Tagen die Luftzirkulation gewährleisten. Wichtig sei auch, dass das Boxendesign an die Bewegung der Tiere angepasst werde. „Der Landwirt muss seine Tiere immer genau beobachten, dabei ist es auch wichtig, auf Details wie das zielgerichtete Laufen der Kuh zu achten“, erläuterte Pelzer. Denn wenn die Kuh immer dorthinschaue, wo sie hintritt, dann stimmen die Laufflächen im Stall nicht. Außerdem sei die Frage beim Einbau von Laufböden oder Ähnlichem nicht, wie lange es halte, denn ein Verschleiß sei normal und man müsse solche Dinge regelmäßig auswechseln. Pelzer berichtete weiter, dass in puncto Schieber für die Laufgänge bei vielen Landwirten noch Probleme aufträten. „Der Schieber muss laufen, möglichst mehrmals in der Stunde, sonst erfüllt er seinen Zweck nicht.“

Body Condition Score (BCS) in der Herde anwenden

Professor Rudolf Staufenbiel von der Freien Universität Berlin erläuterte die Trockensteher- und Transitfütterung in der Milchviehhaltung. Er machte den Landwirten deutlich, dass es nicht nur entscheidend sei, dass man den Body Condition Score (BCS) kenne, sondern, dass man diese Köperkonditionsbeurteilung auch konsequent bei seinen Tieren anwenden müssen. „Am besten ist es, wenn man den BCS regelmäßig mit in sein Herdenmanagementprogramm eingibt. So erhält man einen Überblick über die gesamte Herde“, erklärte Staufenbiel. 
Bärbel Kloppert vom Regierungspräsidium Gießen erklärte den Landwirten die Einflüsse des Liegeflächenmanagements auf die Eutergesundheit.

Trocken und sauber für Kühe, kalt und nährstoffarm für Bakterien

„Der Liegebereich ist der Arbeitsplatz der Kuh, denn sie hält sich dort bis zu 90 Prozent ihres Tages auf“, berichtete Kloppert. Deswegen sei es so wichtig, dass die Liegeflächen bequem und sauber seien. Denn ein verschmutztes und verklebtes Euter könne keine saubere Milch liefern. „Bei der Zitzenreinigung ist es wichtig, dass Sie als Melker darauf achten, dass Sie die Zitzenspitzen nicht nur seitlich, sondern auch von unten reinigen.“ Sie beobachte in der Praxis oft, dass die Zitze seitlich gut sauber sei, aber der Dreck noch unten am Strichkanal klebe und damit auch in die Milch gelange. „Die Wahl der Einstreu ist nicht so entscheidend, viel wichtiger ist eine regelmäßige Boxenpflege alle zwölf Stunden“, empfahl Bärbel Kloppert. Sie gab den Landwirten zwei Ansätze mit auf den Weg:

  • „Halten Sie Kühe trocken, sauber und bequem.“
  • „Halten Sie Bakterien kalt, durstig und hungrig.“
Bei der Befüllung von Futtermisch­wagen ist es nach Aussage von Heinz-Günther Gerighausen von der Landwirt­schaftskammer in Nordrhein-Westfalen wichtig, dass man diese in vorgelockerten oder kleinen Portionen befüllt. Ansonsten können die Schnecken das Futter nicht ausreichend durchmischen. „Die Schnecke sollte nicht mit Volldampf laufen, denn dann wird nicht schonend gemischt“, erläuterte Gerighausen. Er empfiehlt, mindestens sieben bis acht Minuten langsam zu mischen. Außerdem müsse man immer wieder kontrollieren, ob der Mischer das Futter vernünftig vermengt. „Sie können mit einem Beuteltest ganz einfach die Silage selbst überprüfen“, erklärte er. Dazu nehme man einen 10-l-Gefrierbeu­tel und fülle ihn halbvoll mit Silage. Letztere greife man in kleinen „Hapsen“ – mit drei Fingern, so wie die Kuh fresse – aus dem Futter und fülle den Beutel anschließend mit 38 bis 40°C warmem Wasser. Dann schüttele man das Ganze auf und warte bis sich die einzelnen Schichten absetzen. Wichtig sei, dass oben auf dem Wasser eine Schwimmschicht vorhanden ist, die mindestens einen Finger breit ist. Dann sei die Strukur und die Durchmischung der Silage in Ordnung und die Pansenzotten könnten gut damit arbeiten.  akg